Laustarker Streit mitten auf dem Weihnachtsmarkt - das steckt dahinter

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Ein Gruppe junger Menschen schreit sich mitten in der Weihnachtsstadt an. Der lautstarke Streit zieht die Blicke zahlreicher Passanten auf sich. Was war da los?

Dortmund

, 20.12.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Gedränge zwischen Glühwein- und Essensständen wirkt die Szene irgendwie erstaunlich normal, obwohl sie den Vorbeiziehenden offensichtlich ins Auge fällt: Vier junge Menschen stehen im Schein des weltgrößten Weihnachtsbaumes (1700 Rotfichten) und schreien sich an.

Zu ihren Füßen stehen Taschen verschiedener Marken. Die vier streiten sich darum, wer denn nun welche Geschenke organisieren sollte. Der gemeinsame Weihnachtsstadtbesuch zerbricht daran.

Der Streit ist gespielt. Von jungen Menschen zwischen 16 und 23 Jahren. Er heißt „Klassische Weihnachten“ und ist einer von drei Bausteinen einer Aktion des Kinder- und Jugendtheaters.

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Internationales Jugendprojekt

An dem Projekt namens „europefiction“ beteiligen sich mehrere junge Theater des Ruhrgebiets mit ihren jeweiligen Partnertheatern im europäischen Ausland. Für Dortmund ist das Paris. Hervorgegangen ist „europefiction“ aus einer ähnlichen Kooperation zur Kulturhauptstadt Ruhrgebiet 2010 - „pottfiction“. Das Projekt geht also bald ins zehnte Jahr.

Die Truppe von "europefiction" in "ihrem Wohnzimmer", wie sie es nennen. Hier haben sie Tee verteilt und zu „einfachen Weihnachten“ eingeladen.

Die Truppe von "europefiction" in "ihrem Wohnzimmer", wie sie es nennen. Hier haben sie Tee verteilt und zu „einfachen Weihnachten“ eingeladen. © Bastian Pietsch

Angeleitet von Theaterpädagogin Linda Thaller, geht es den Dortmunder Teilnehmenden in diesem Jahr um eines der ganz großen Themen: „Einfachheit“. Bis zu einem internationalen Sommercamp auf der Kokerei Hansa im August erarbeiten sie verschiedene künstlerische Aktionen zu diesem Thema.

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„Einfachheit“ und Weihnachten, man kann darin einen Widerspruch sehen. Man kann behaupten, dass zwischen Shopping-Stress, der Organisation von Familienfeiern und Glühwein-Partys auf Weihnachtsmärkten wenig Einfachheit zu finden ist. Allerdings machen die Jugendlichen genau dafür einen Lösungsvorschlag.

„Einfache Weihnachten“

Womit wir zum zweiten der drei Elemente der Theateraktion am Donnerstagabend kommen: Unweit des Hansaplatzes am Stadtgarten hat „europefiction“ zwei Pavillons aufgebaut. Darunter Sofas und Thermoskannen mit Tee. Was unspektakulär klingt, soll auch genau das sein. Das Motto: „Einfache Weihnachten“.

Passanten kommen vorbei, setzen sich dazu: ein älterer Herr mit BVB-Schal, zwei junge Männer mit Bier. Man kommt ins Gespräch und später wird gesungen: erst „Riptide“ (Vance Joy, 2013), später „Zombie“ (The Cranberries, 1993). So besinnlich kann Weihnachten eben auch sein.

Eingeladen auf einen Tee: Ein Dortmunder Original feiert "einfache Weihnachten" mit den Jugendlichen von "europefiction".

Eingeladen auf einen Tee: Ein Dortmunder Original feiert "einfache Weihnachten" mit den Jugendlichen von "europefiction". © Homayoun/Theater Dortmund

Das dritte Element der Aktion ist dann schnell erklärt: Zu „All I Want For Christmas Is You“ (Mariah Carey, 1994) tanzen die Jugendlichen zwischen den Weihnachtsstadt-Ständen. Die Performance nimmt im Gang zwischen den Buden zeitweise einiges an Raum ein. Manche Besucher scheint das mehr zu stören als der Streit. Auch darin steckt ja irgendwie eine Aussage.

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