LEG-Mieter wehren sich gegen Modernisierungspläne

Gartenstadt

Die Mieter der LEG in der nördlichen Gartenstadt sind aufgeschreckt: Das Unternehmen hat Instandsetzung- und "Modernisierungsarbeiten" angekündigt, die von den Mietern zum großen Teil abgelehnt werden. Sie wollen sich mit Unterschriften wehren.

DORTMUND

, 11.08.2017, 15:25 Uhr / Lesedauer: 3 min
Die Mieter wehren sich gegen die Pläne der LEG.

Die Mieter wehren sich gegen die Pläne der LEG.

Seit fünf Jahren lebt Sigrun Katscher in ihrer 64 Quadratmeter-Wohnung in der Felkestraße. Zeitweise waren die Heizung ausgefallen und der Balkon gesperrt. Im Badezimmer hat sie Schimmel entdeckt, im Keller Feuchtigkeit. Insofern, sagt sie, habe sie gar nichts dagegen, wenn die LEG an den zwischen 1928 und 1938 erbauten Häusern etwas tue. „Es gibt Dachgeschosswohnungen, deren Fenster noch Holzrahmen haben“, sagt Sigrun Katscher. Das Problem dabei: Die LEG hat sich andere Arbeiten vorgenommen, als die Mieter wünschen.

72 Häuser mit 243 Wohnungen

Es geht um 72 Häuser mit 243 Wohnungen. Die LEG hat ihre Mieter im Mai wissen lassen, dass sie  u.a. Dachboden- und Kellerdecken dämmen und Badezimmer „modernisieren“ will. Neue Fliesen, neue WC, neue Waschbecken und Badewannen. Folge: Die Mieten steigen. In einem Fall von 5,07 Euro pro Quadratmeter auf 6,07 Euro/qm, in einem anderen Fall von 6,14 Euro auf 7,14 Euro/qm. Insgesamt sehen die Bewohner Mietsteigerungen zwischen 0,90 Euro und 1,38 Euro pro Quadratmeter entgegen. Für Arbeiten, die sie teilweise gar nicht wollen.

Kellerwände seien feucht und teilweise mit Schimmel befallen

„Bevor die LEG anfängt, Kellerdecken mit Dämmplatten zu versehen, sollte sie lieber erst die Feuchtigkeit beseitigen und die Keller trockenlegen“, schimpft Gisela Possin aus der Stillen Straße. Die Kellerwände seien feucht und teilweise mit Schimmel befallen. „Und die Versorgungsleitungen sind Vorkriegsware.“ Die Keller benötigten eine Grundsanierung, aber keine Deckendämmung, sagt die Mieterin. „Es ist doch wohl wichtiger, sich erst einmal um den Erhalt der Substanz zu kümmern.“ Zumal die Dämmung der Kellerdecken kein „Muss“ und gesetzlich nicht vorgeschrieben sei. An die vorausgesagte Energiekosten-Ersparnis von 6 Prozent glaubt Gisela Possin ohnehin nicht. „Das wird mir doch durch die Mieterhöhung schon wieder weggenommen.“

Nicht minder kritisch bewerten Mieter die Arbeiten in den Badezimmern. Sie seien im vorgesehen Umfang gar nicht nötig. Vor allem nicht in sämtlichen Wohnungen. Einige Bäder seien in den zurückliegenden Jahren erneuert worden. Dass die LEG einen Teil der Maßnahmen als „Modernisierung“ verkauft, wollen die Mieter nicht hinnehmen. Nach Angaben von Rainer Stücker, Geschäftsführer des Mietervereins, handelt es sich eher um „Sanierungs- bzw. Instandsetzungsarbeiten“.

Rund 12.000 LEG-Wohnungen in Dortmund

Was, fragt Stücker, „ist daran eine Modernisierung, wenn eine alte Badewanne für eine neue ausgewechselt wird?“ Hintergrund: Die Kosten für eine Instandsetzung trägt allein die LEG. Im Falle einer Modernisierung hingegen kann das börsennotierte Unternehmen, das in Dortmund gut 12.000 Wohnungen hält, die Kosten jährlich mit elf Prozent auf die Mieter abwälzen. Folge: Die LEG erhöht ihre Einnahmen und verbessert ihre Bilanz – für die Mieter aber wird das Leben in der Wohnung teurer.

Dagegen wehren sie sich. Sie haben sich organisiert und wollen der LEG in Düsseldorf 121 Unterschriften zukommen lassen, mit denen sie Widerspruch einlegen. Ihr Motto: lieber eine umfassende Sanierung statt eine teure Modernisierung.

Mieterversammlung im Saal der St.-Marien-Gemeinde

Rainer Stücker, Geschäftsführer des Mietervereins, sieht im Vorgehen der LEG auffallende Parallelen zum Modernisierungsvorhaben für die Wohnungen im Bereich der Großen Heimstraße im Kreuzviertel. „Die Mieter werden über Hauruck-Aktionen aufgeschreckt mit Modernisierungsvorhaben, die teilweise gar nicht notwendig sind und die hinterher, nach Begutachtung der Wohnungen, wieder zurückgenommen werden“, sagte Stücker bei der Mieterversammlung im Saal der St.-Marien-Gemeinde an der Gabelsbergerstraße.

Inzwischen gebe es erste Erklärungen der LEG, auf die Bäder-Modernisierung zu verzichten. Sowohl im Kreuzviertel als auch in der nördlichen Gartenstadt. Mieterin Gisela Possin schüttelt den Kopf: „Die kennen offenbar ihre eigenen Immobilien nicht.“

Am 18. August soll es losgehen

Auf Anfrage unserer Redaktion erklärte die LEG, sie plane „noch in diesem Jahr“ vor Beginn der Arbeiten eine „technische Begehung sämtlicher Keller.“ Sollte sich herausstellen, dass die Decken Feuchtigkeitsschäden haben, „werden wir die Maßnahme in diesen Kellern selbstverständlich vorübergehend aussetzen“, so Sprecher Thomas Feldmann. In dem Fall werde die LEG „Maßnahmen zur Behebung der Feuchtigkeit einleiten.“ Wo keine Feuchtigkeit vorhanden sei, werde die LEG dämmen - sofern das technisch machbar sei. Auch am Starttermin will das Wohnungsunternehmen festhalten: Der erste Bauabschnitt soll nach Angaben der LEG „am 18. August“ in Angriff genommen werden.

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