LEG-Mieter wehren sich gegen satte Mieterhöhungen

Wohnungen im Kreuzviertel

Das Wohnungsunternehmen LEG modernisiert mehr als 300 Wohnungen im Dortmunder Kreuzviertel und kündigt satte Mieterhöhungen um bis zu 50 Prozent an. Nun wehren sich die Mieter, die manche Erhöhungen als "Wucher" und "Witz" bezeichnen: Sie schicken einen Brief mit Forderungen an die LEG und wenden sich an die Politik.

Dortmund

, 22.06.2017, 01:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zudem beklagen die Mieter ein Missverhältnis: Einerseits seien notwendige Instandsetzungsarbeiten über Jahre ausgeblieben – andererseits gebe es nun Modernisierungen, „die keiner will“.

Es geht um die Häuser im Viereck zwischen Sonnenplatz, Großer Heimstraße und Neuem Graben. Im großen, grünen Innenhof versammelten sich am Dienstagabend gut 30 betroffene Mieter. Tine Twittmann hat den Anstoß zu einer Mieterinitiative gegeben, um der LEG (13.164 Wohnungen in Dortmund) gemeinsam mit Forderungen entgegenzutreten.

An den Fenstern hängen Transparente, auf die Mieter – darunter viele Rentner und Studenten – gesprüht haben, wie viel sie künftig mehr zahlen sollen: 29 %, 39 %, 141,13 €.

39 Prozent mehr Miete

Sabine Mielke soll für ihre 42-Quadratmeter-Wohnung statt 308 künftig knapp 430 Euro zahlen – 39 Prozent mehr. „Da bleibt mir zum Leben nix mehr übrig.“ Ihre Wohnung ist eine von 100, die einen Balkon erhalten. Sabine Mielke wohnt seit 32 Jahren hier, bislang sehr gut ohne Balkon; ein solcher, befürchtet sie, könne Einbrechern den Eintritt in ihre Wohnung im Erdgeschoss erleichtern.

Gerade Mieter kleiner Wohnungen wollen keine Balkone, da die Platz kosteten. Wo eine Tür zum Balkon ist, kann man keinen Tisch mehr ans Fenster stellen. Eine der Forderungen, die Tine Twittmann im Namen aller Mieter an die LEG stellen will, lautet: keine „Übermodernisierung“, also auch keine Balkone, wo Mieter sie nicht möchten.

Die LEG, teilte Sprecher Mischa Lenz am Mittwoch auf Anfrage mit, sei „davon überzeugt, dass ein Balkon unseren Mietern in jedem Fall einen Mehrwert bietet“. Man nehme die Mieter aber ernst und werde Einzelfälle prüfen.

Bäder erst ein paar Jahre alt

„Keine doppelten Modernisierungen“, lautet eine weitere Forderung. Die Mieter haben Fotos einiger Bäder gemacht, die – erst ein paar Jahre alt – noch sehr gut aussehen. Die Mieter glauben, die 2008 privatisierte LEG wisse teils gar nicht, wo Bäder alt und wo neu sind. Und wie der Bestand überhaupt ausgestattet ist. Also setze sie auf „Sammelmodernisierung“: „Das ist völliger Blammes“, ruft ein Mann.

Der Auffassung, die LEG kenne den Bestand nicht, „widersprechen wir entschieden“, sagt Lenz. Man werde die von Mietern genannten Bäder aber prüfen. Und Dinge, „die nicht erneuerungswürdig sind“, auch nicht tauschen.

Beginn im August

Die Mieter fordern weiter, dass Instandsetzungsarbeiten nicht auf die Miete aufgeschlagen werden. Der Mieterverein Dortmund will nach Ende der Arbeiten auf die Abrechnungen schauen. Mieter wie Fabian Menke beklagen, dass die LEG zwar modernisiere, aber: „Das, was wirklich kaputt ist, wird nicht gemacht.“ Es gebe undichte Fenster und Schimmel. Laut Lenz behebe die LEG Mängel schnell, 85 Prozent binnen zehn Tagen.

Die Modernisierungsarbeiten sollen im August starten und im Dezember beendet sein. Mieter befürchten, dass während der Arbeiten ihre Heizung ausgestellt wird und sie frieren. Diese Sorge sei unbegründet, sagt Lenz.

Die Mieter haben an Dortmunds Bundestagsabgeordnete geschrieben. Sie wollen mit ihnen über die LEG-Pläne und das Thema Modernisierungskosten generell sprechen. Die Politik sei verantwortlich, dass Vermieter elf Prozent der Modernisierungskosten auf die Jahresmiete aufschlagen können.

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