Lehrerin soll Schüler sexuell belästigt haben – Schulamt und Polizei nehmen anonymen Vorwurf ernst

rnErmittlungen

Neue Anschuldigungen wegen Sexualstraftaten gegen Kinder: Eine angebliche Grundschul-Lehrerin erhebt anonym schwere Vorwürfe. Ein Familienvater ärgert sich über seine Kita-Leitung.

Dortmund

, 23.01.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Polizei ermittelt aktuell, weil einem Kita-Mitarbeiter in Dortmund schwerer sexueller Kindesmissbrauch in zwei Fällen vorgeworfen wird. Im September hatte eine Familie den Mann angezeigt, weil die zweijährige Tochter nach dem Kita-Besuch über Schmerzen im Intimbereich klagte. Eine zweite Strafanzeige wurde am 30. Dezember gestellt.

Nachdem unsere Redaktion am Freitag (17.1.) einen Artikel zum Thema veröffentlicht hat, meldeten sich zwei weitere Dortmunder mit ähnlichen Vorwürfen - allerdings aus einer anderen Kindertagesstätte und einer Grundschule.

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Der Vater des Kita-Kindes ist vorsichtig mit möglichen Anschuldigungen. Seiner dreijährigen Tochter seien in der Einrichtung Windeln gewechselt worden. „Sie sagte, ein männlicher Erzieher habe ihr dabei ,Aua gemacht‘“, berichtet der Vater.

Die Eltern wandten sich an die Kita-Leitung und baten darum, dass dieser Kollege in so intimen Situationen nicht mehr eingesetzt wird. Seitdem die Leitung wenig Verständnis für diesen Wunsch gezeigt habe, will die Familie die Kita wechseln. Doch die Plätze sind knapp, vom Jugendamt der Stadt Dortmund habe es darauf geheißen: „Erst muss etwas Schlimmes passieren.“ So schildert es der Familienvater.

Für die Stadtverwaltung war bis Redaktionsschluss dieses Textes nicht nachvollziehbar, wer dem Vater diese Aussage gegeben haben soll. Die Kita-Leiterin ist in dieser Woche nicht im Dienst, ihre Stellvertreterin möchte sich zu dem Fall nicht äußern.

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Ein anderer Vorwurf erreichte unsere Redaktion in einem gedruckten anonymen Brief. Die Absenderin gibt an, Lehrerin an einer Dortmunder Grundschule zu sein. Dort gebe es den Verdacht, eine Kollegin habe einen Schüler sexuell belästigt. Nähere Infos zur mutmaßlichen Tat gibt es aber nicht.

Die Beschuldigte ist namentlich genannt: „So eine Person ist doch nicht mehr tragbar“, meint die Absenderin. Ein ähnlicher anonymer Brief ging im Dezember auch beim Schulamt ein. In dem Exemplar, das unsere Redaktion bekam, steht: „Nun wird offenbar diese Tat verschleiert und nicht nachverfolgt.“

„Leider gab es keine konkreten Hinweise“

Christoph Söbbeler bestätigt als Sprecher der Bezirksregierung den Eingang des Schreibens: „Es gab aber keine konkreten Hinweise.“ Beim Stichwort „sexuelle Belästigung“ lege man so ein Schreiben sicherlich nicht leichtfertig beiseite. Das Schulamt habe durchaus versucht, Licht in die Angelegenheit zu bringen, und die Schulleitung sowie die Beschuldigte befragt.

„Die beschuldigte Lehrerin kann sich das überhaupt nicht erklären“, sagt Söbbeler. Sie unterrichte weder Schwimm- noch Sportunterricht, auch sonst sei keine Situation bekannt, in der es zu einer sexuellen Belästigung hätte kommen können. Söbbeler betont, dass man den Fall unbedingt aufklären will und appelliert an die anonyme Absenderin.

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„Wenn es solche Vorwürfe gibt, ist es enorm wichtig, dass sie umfassend sind, damit man auch handeln kann“, sagt der Sprecher der Bezirksregierung. Weil keine Kontaktdaten mitgeschickt wurden, besteht keine Möglichkeit für Rückfragen. „Wenn es so eine Situation gegeben hat, muss man das Opfer schützen“, sagt Söbbeler: „Ohne konkretere Hinweise ist das hochproblematisch.“

Weil die Hinweise so vage waren, wurde die Polizei nicht eingeschaltet. Nach der Anfrage unserer Redaktion zum Thema sind dort nun aber Ermittlungen im Fall der Grundschule eingeleitet worden.

Weil es sich bislang in beiden Fällen nur um Anschuldigungen ohne Beweise handelt, nennen wir weder Namen noch Standorte der betroffenen Einrichtungen.
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