Abschied nach 40 Jahren Jugendfreizeitstätte: „Super-Kraft mit Herz“ geht

rnMit Video-Botschaft

Eine große Feier zum Abschied nach 40 Jahren JFS bleibt Irmtrud Felten wegen der Corona-Krise verwehrt. Sogar auf der Bühne des Bürgerfestes sollte sie stehen. Trotzdem plant sie was Besonderes.

Marten

, 11.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

JFS-Leiterin Irmtrud Felten hat viele Fans. „Sie ist eine Super-Kraft mit Herz und Verstand für Kinder und Jugendliche, die immer eine Lösung parat hat“, sagt die Martenerin Petra Breiter stellvertretend für die Elternschaft. Wie viele andere lässt die zweifache Mutter, deren Töchter vor allem die Ferienspiele der Jugendfreizeitstätte lieben, sie nur ungerne ziehen.

Doch daran geht kein Weg vorbei. Denn Mitte des Monats beginnt für die beliebte Chefin der Jugendfreizeitstätte (JFS) Marten ein neuer Lebensabschnitt: Die 62-Jährige geht nach 40 Jahren in die Altersteilzeit. „Und das mit einem guten Gefühl. Ich kann das jetzt für mich abschließen und mache Platz für ein junges Team, das sich ohne mich ausprobieren soll.“

Bühnenauftritt wegen Corona-Pandemie geplatzt

Traurig ist Irmtrud Felten aber aus einem anderen Grund. Denn wegen der Coronavirus-Pandemie kann sie kein großes Abschiedsfest im bunten Haus am Wischlinger Weg feiern. „Reiner Gallen wollte mich sogar auf dem Martener Bürgerfest verabschieden, das ja nun auch ausfällt.“ Ob dieser „Bühnenauftritt“ in ihrem Sinne gewesen wäre, darüber schweigt sich die gebürtige Trierin, die in Sprockhövel lebt, aus.

Video
Video-Gruß der JFS-Leiterin Irmtrud Felten

Ohne ein Wort möchte Irmtrud Felten aber auch nicht gehen, deshalb hat sie sich vor einigen Tagen an diese Redaktion gewandt: „Ich würde mich gerne mit einem kleinen Artikel verabschieden. Ist das wohl möglich?“, lautete ihre bescheidene Frage. Natürlich geht das, gerne auch etwas größer.

Irmtrud Feltens Blick zurück fällt zu 100 Prozent positiv aus. „Wäre ich sonst so lange geblieben?“ Es habe einfach alles gepasst. „Wir waren hier ein Super-Team“, sagt sie, „und die Arbeit hat mir immer Spaß gemacht. Sie war nie langweilig, sondern immer auch eine Herausforderung.“

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Vor allem in den ersten Jahren, als sie selbst erst Anfang 20 war, sei es gar nicht so einfach gewesen, eine Respektsperson zu sein. „Ich habe hier ja auch meine eigene Jugend miterlebt.“

40 Jahre hat Irmtrud Felten in der JFS Marten gearbeitet, davon rund 30 als Leiterin.

40 Jahre hat Irmtrud Felten in der JFS Marten gearbeitet, davon rund 30 als Leiterin. © Beate Dönnewald

Die Mischung aus Kinder- und Jugendarbeit sei es letztlich gewesen, die sie dauerhaft in Marten gehalten habe. „Die Skateboarder, die Sprayer-Szene, Breakdance, Hip Hop, ich habe alle Jugendkulturen miterlebt. Das war spannend.“ Für sie Events zu organisieren, habe ganz klar zu ihren Lieblingsaufgaben gehört.

Rivalisierende Rockerbanden, Teestube, Disco mit 100 Besuchern

Rivalisierende Rockerbanden, Teestube, Disco mit 100 Besuchern, jedes Jahrzehnt habe seine Besonderheiten gehabt, sagt Irmtrud Felten. Manches habe sich bis heute gehalten: „Holzwerkstatt, Kochen und Töpfern finden die Kinder auch heute noch toll“, sagt sie. Ihr Hauptanliegen sei es immer gewesen, den Kindern und Jugendlichen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung zu bieten, die sie mitgestalten konnten. Auch die Zusammenarbeit mit den örtlichen Schulen, Kindergärten und Akteuren des Stadtteils habe immer gut funktioniert.

Ein Foto aus dem Jahr 2010: Nach einer gemeinsamen Kochaktion hat Irmtrud Felten auch beim lästigen Spülen geholfen.

Ein Foto aus dem Jahr 2010: Nach einer gemeinsamen Kochaktion hilft Irmtrud Felten auch beim lästigen Spülen. © (A) Beate Dönnewald

Viele Erinnerungen seien wach geworden, als sie beim Aufräumen ihres Büros rund 500 Dias gefunden habe. Dieser Fund habe sie auf eine Idee gebracht: „Nach der Corona-Krise werde ich zu einer Diashow einladen und die Bilder verschenken“, verrät die gelernte Erzieherin. Was dafür fehle, sei allerdings noch ein funktionierender Dia-Projektor. Wer einen übrig hat, könne ihn gerne in der JFS abgeben.

Noch keine konkreten Pläne für die Zukunft

Anders als ihr geschätzter Kollege Wolfgang Grasekamp, der bereits 2011 aus dem Dienst ausgeschieden ist, wolle sie ihre alte Wirkungsstätte ab und zu besuchen. Weitere Pläne habe sie für die Zukunft noch nicht geschmiedet, außer weiterhin viel Sport zu treiben. Sie könne sich durchaus auch eine ehrenamtliche Tätigkeit vorstellen. „Ich werde mich erst mal sammeln und dann gucken, worauf ich Lust habe.“

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