Lensing Media feiert seinen 150. Geburtstag unter dem Motto „Freiheit durch Wissen“

Jubiläum

Mit einem großen Festakt hat Lensing Media am Montag seinen 150. Geburtstag gefeiert. Der frühere Bundespräsident Joachim Gauck betonte den Zusammenhang von Freiheit und Verantwortung.

Dortmund

, 06.01.2020, 19:04 Uhr / Lesedauer: 5 min
Lensing Media feiert seinen 150. Geburtstag unter dem Motto „Freiheit durch Wissen“

Volle Zuschauerreihen zur Feier von 150 Jahren Lensing Media im Konzerthaus Dortmund © Stephan Schütze

An Weihnachten 1989 hat Leonard Bernstein aus Anlass des Falls der Berliner Mauer Beethovens 9. Sinfonie dirigiert. Den Chor ließ Bernstein damals nicht „Freude schöner Götterfunken“ singen, sondern „Freiheit schöner Götterfunken“, um damit diesen besonderen Moment der Weltgeschichte zu feiern.

„Freiheit schöner Götterfunken“ – diese Zeile hätte am Montag auch gut zum Neujahrsempfang 2020 von Lensing Media gepasst, der unter dem Motto „Freiheit durch Wissen“ stand.

Mit dem Festakt feierte das Unternehmen zugleich seinen 150. Geburtstag. Die Sängerinnen und Sänger des Dortmunder Bach-Chores und des Chores der TU Dortmund, begleitet von der Neuen Philharmonie aus Berlin unter Leitung von Andreas Schulz, blieben bei der klassischen „Ode an die Freude“ – gaben der Feier aber auch so einen würdigen Rahmen.

Freiheit bedeutet für ein Medien-Unternehmen zunächst Pressefreiheit

„Freiheit“ – das bedeutet für ein Medienunternehmen zunächst einmal: Pressefreiheit. Diese sei der „Schutzwall um die Menschen- und Bürgerrechte, um unseren freiheitlichen Rechtsstaat“, erklärte Verleger Lambert Lensing-Wolff in seiner Begrüßungsansprache. Mit der Konsequenz, dass die freiheitliche Demokratie gefährdet sei, „wenn dieser Schutzwall fällt“.

Doch Lambert Lensing-Wolff nahm die Medienschaffenden selbst in die Pflicht. Die freie Presse stehe in der Verantwortung, sich nicht vom Mainstream mitreißen zu lassen, „sondern einer Vielfalt unterschiedlicher Positionen Raum zu geben – solange sie sich im Rahmen der Verfassung bewegen“.

Joachim Gauck: Freiheit und Verantwortung hängen zusammen

Diesen Zusammenhang von Freiheit und Verantwortung rückte auch der frühere Bundespräsident Joachim Gauck ins Zentrum seiner Rede (die er selbst bescheiden als „Anmerkungen“ bezeichnete). Gauck erinnerte an die Wendezeit 1989/90, an die Demonstrationen und an die erste freie DDR-Volkskammerwahl am 18. März 1990, die ihn zum „einzigen Bündnis90-Abgeordneten in der Volkskammer aus ganz Mecklenburg“ machte.

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Neujahrsempfang 150 Jahre Lensing Media

900 Gäste kamen zum Neujahrsempfang von Lensing Media ins Dortmunder Konzerthaus, mit dem zugleich das 150-jährige Bestehen des Verlagshauses gefeiert wurde.
06.01.2020
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Impressionen vom Neujahrsempfang 150 Jahre Lensing Media© Schaper
Impressionen vom Neujahrsempfang 150 Jahre Lensing Media© Schaper
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Impressionen vom Neujahrsempfang 150 Jahre Lensing Media© Stephan Schuetze
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Impressionen vom Neujahrsempfang 150 Jahre Lensing Media© Stephan Schuetze
Impressionen vom Neujahrsempfang 150 Jahre Lensing Media© Stephan Schuetze

Bis heute könne er sich daran erinnern, wie er mit Tränen in den Augen am Wahltag aus dem Wahllokal kam und sich sagte: „Ich habe gewählt. Ich musste dafür 50 Jahre alt werden. Mein Gott, ich bin ein Bürger.“

Furcht vor der Freiheit

Gauck warb zugleich um Verständnis für jene Ostdeutschen, die mit der neu gewonnenen Freiheit nicht oder nicht sofort umgehen konnten, die eben nicht sofort Verantwortung für ihre Freiheit übernehmen wollten. Während man in der alten Bundesrepublik Freiheit „für ein eigenes, selbstbestimmtes Leben“ trainiert habe, war es „in der DDR rational, sich anzupassen und gehorsam zu sein.“

Menschen in Westdeutschland hätten nur während der zwölf Jahre des Nationalsozialismus in einer Diktatur gelebt, in Ostdeutschland seien es 56 Jahre gewesen: „Eine lange Zeit der Prägung, in der Eigenverantwortung gerade nicht gewollt war.“ Die Ostdeutschen seien deshalb „keine schlechteren Charaktere, aber sie hatten andere Trainingsfelder“, sagte Gauck.

Auch heute gelte es wieder, Verantwortung für unsere Freiheit zu übernehmen, schrieb Gauck am Montag den Zuhörern im Konzerthaus Dortmund ins Stammbuch.

Unternehmer müssten „gesellschaftliche Verantwortung“ zeigen und sich nicht einfach nur an Kundeninteressen orientieren. Ansonsten laufe man Gefahr, relevante gesellschaftliche Themen aus dem Blick zu verlieren. „Ich möchte mal eine Sendung haben, in der die Leistungen unserer Bürgermeisterinnen und Bürgermeister genauso gewürdigt wird wie die Leistungen unserer Shopping Queens“, forderte er unter dem Applaus des Publikums.

Gauck fordert mehr positive Nachrichten

Und an den Gastgeber und die vielen weiteren Verantwortlichen aus der Medienbranche im Publikum richtete er sein Plädoyer, mehr positive Nachrichten zu bringen: „Die Wirklichkeit ist etwas positiver, als unsere Medien sie darstellen“, sagte er – und erntete für keinen anderen Satz so viel Beifall wie für diesen.

Noch weiter als Gauck schaute der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet in seinem Grußwort in die Geschichte zurück. Er erinnerte an die Zeit, in der die Brüder Heinrich und Lambert Lensing 1870 eine Buchhandlung in Dortmund gründeten. 1870/71, das war die Zeit des deutsch-französischen Krieges, der Gründung des Deutschen Kaiserreiches und in der Folge des Kulturkampfes, in dem die protestantischen Herrscher den Katholiken mit sehr viel Misstrauen begegnet seien, weil sie ihnen eine stärkere Loyalität zum Papst als zum Vaterland unterstellt hätten.

Laschet nutzte diesen Blick in die Vergangenheit für ein klares, in der heutigen Zeit aber nicht selbstverständliches Bekenntnis: „Egal, welche Religion jemand hat: Wenn er sich zum Land bekennt, gehört er dazu.“

Verleger Lambert Lensing-Wolff: Wir fühlen uns unserer Geschichte verpflichtet

Lehren aus der Geschichte hatte zuvor auch Lambert Lensing-Wolff gezogen. Schon in den 1880er-Jahren hätten die Unternehmensgründer geschrieben „Wahrheit, Freiheit und Recht für alle ist nach wie vor unsere Losung, unbekümmert darum, ob diese Losung hier oder dort nicht gefällt.“

Diese Überzeugungen hätten fortan die Arbeit des Medienhauses geprägt, egal ob im Kaiserreich, unter den Nationalsozialisten, als der Ruhr-Nachrichten-Vorgänger „Tremonia“ noch Anzeigen von Juden abgedruckt habe, als dies schon verboten war, und zu Zeiten der Bundesrepublik. „Wir fühlen uns dieser Geschichte verpflichtet“, sagte Lensing-Wolff.

Alle drei Redner warnten indes vor der aktuellen Gefährdung der Pressefreiheit. Dafür brauche man den Blick nicht bis nach Russland und China zu richten. Pressefreiheit werde auch in vielen westlichen Ländern mehrfach bedroht – durch Populisten und durch wirtschaftliche Zwänge.

Lensing-Wolff richtete seinen Blick in die Türkei und nach Ungarn, Laschet verwies darauf, dass in Großbritannien aktuell die Unabhängigkeit der BBC infrage gestellt werde, und Joachim Gauck erklärte, sich beim Blick auf die Medienlandschaft der USA zunehmend unwohl zu fühlen, in denen Zeitungen wie die Washington Post und die New York Times von Präsident Donald Trump für irrelevant gehalten würden.

Gauck plädiert für öffentlich-rechtlichen Rundfunk

Diese Entwicklung in den USA, sagte Gauck, sei für ihn ein Argument, warum es gut sei, dass es in Deutschland einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk gibt.

Doch Gauck, Laschet und Lensing-Wolff war nicht nur die mahnende Perspektive gemein, alle drei zeigten sich beim Blick nach vorn zugleich optimistisch.

NRW-Ministerpräsident Laschet lobte die „große Leistung“ des Lokaljournalismus, Unabhängigkeit bewahrt zu haben, obwohl dies oft schwieriger sei als bei den Journalisten, die über Weltpolitik berichten. Gauck zeigte sich zuversichtlich, dass die Bäume der Verführer in diesem liberalen Land nicht in den Himmel wachsen.

Nah an der Lebensrealität?

Dass das sprichwörtliche Beschneiden dieser Bäume in der Praxis durchaus für Probleme sorgen kann, machte in der anschließenden Diskussion der Paderborner Moraltheologe Professor Peter Schallenberg deutlich. Das Hannah-Arendt-Zitat „Die Wahrheit gibt es nur zu zweien“, sei zwar schön „für Kaffee und Kuchen am Sonntagnachmittag“. Aber, so fragte der frühere Leiter der Kommende in Dortmund, „wie läuft es in der Praxis, wenn jemand vor der Tür steht und über Themen diskutieren will, die Sie gar nicht diskutabel finden?“

Einen Blick auf die Lebenswirklichkeit abseits feiner Reden mahnte auch die Unternehmerin und Buchautorin Diana Kinnert an. Eher rhetorisch stellte sie in einer Podiumsdiskussion die Frage, ob die Medien immer nah genug an der Lebenswirklichkeit dran seien.

Doch bei allen Sorgen um problematische gesellschaftliche Entwicklungen und um Bedrohungen der Pressefreiheit überwog an diesem Montagvormittag doch der Optimismus. Lambert Lensing-Wolff hob hervor, dass die „Bedeutung und die Sensibilität für den Wert der Pressefreiheit“ gerade in Zeiten von „Fake News und alternativen Fakten“ wieder gewachsen seien.

Lobende Worte richtete er an den Nachwuchs seines eigenen Hauses. Hier wüchsen „sehr kompetente, selbstbewusste Kolleginnen und Kollegen“ heran. Eine Nachwuchskraft, Volontärin Nina Bargel, bewies an der Seite von Chefredakteur Dr. Wolfram Kiwit diese Kompetenz als Moderatorin auf der Bühne.

Dass nicht nur junge Journalisten Leistungsträger sind, sondern auch junge Musiker, bewies die Neue Philharmonie, die nicht nur mit Beethoven glänzte, sondern auch mit dem Finale aus Antonin Dvoraks 9. Sinfonie „Aus der Neuen Welt“. Hier wurden die jungen Musiker von Lutz Schumacher dirigiert, einem Amateur im echten Wortsinne: einem Liebhaber der Musik, der früher hauptberuflich selbst bei Lensing Media gearbeitet hatte.

Freiheit durch Wissen

„Freiheit durch Wissen“ war der Vormittag überschrieben. Wenn sich mehr Freiheit wirklich durch mehr Wissen erzielen lässt, dann haben die Besucherinnen und Besucher einiges an Freiheit mit nach Hause genommen.

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