Grundausstattung in jedem Klassenraum: Christoph Weishaupt, Direktor des Mallinckrodt-Gymnasiums, mit den Siebtklässlern Leo und Tristan an einem der Luftreinigungsgeräte. © Oliver Volmerich
Corona und Schulen

Lernen mit Luftfilter – Dortmunder Gymnasium: „Wir sind sehr dankbar“

Die Stadt Dortmund lehnt den flächendeckenden Einsatz von Luftfiltern in Schulräumen ab. In einer Dortmunder Schule gibt es sie allerdings. Dort hat man inzwischen erste Erfahrungen gesammelt.

Brusthoch sind die schwarz-silbernen Kästen an der Rückwand der Klassenräume. Ein leises Rauschen verrät ihre Funktion: Sie filtern die Luft in den Klassenräumen des Mallinckrodt-Gymnasiums – und leisten damit, so die Hoffnung, einen Beitrag gegen die Ausbreitung von Corona-Viren.

In vielen Dortmunder Schulen steht die Anschaffung von Luftfiltern auf dem Wunschzettel von Eltern, aber auch von Schülern und Lehrern. In städtischen Schulen wurden sie mit Fördermitteln aber nur in Ausnahmefällen angeschafft – für 202 Räume, die nicht natürlich, also über die Fenster, belüftet werden können.

Grundsätzlich gilt regelmäßiges Lüften als Maß aller Dinge in der Corona-Pandemie. Die generelle Ausstattung alle Schulräume mit Luftfiltern lehnt die Stadt ab, auch für den Fall, dass sie etwa über Fördervereine in Eigeninitiative der Schulen angeschafft werden. Zuletzt scheiterte ein entsprechender Antrag der Fraktion FDP/Bürgerliste und eine Elterneingabe in der Ratssitzung Ende September.

Scheinsicherheit und Schimmel

Schuldezernentin Daniela Schneckenburger verwies auch bei dieser Gelegenheit auf die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) und des Bundesumweltamtes, die vor einer „Scheinsicherheit“ durch Luftfilter warnten. Zudem könne sich ohne professionelle Wartung Schimmel in den Geräten bilden und die Gesundheit der Kinder und der Beschäftigten gefährden.

Am Mallinckrodt-Gymnasium sind solche Bedenken kein Thema. Träger der Schule ist nicht die Stadt, sondern das Erzbistum Paderborn. Und das entschied schon im Sommer, für alle 20 Schulen in ihrer Trägerschaft flächendeckend Luftfilter anzuschaffen. Rund zwei Millionen Euro aus Kirchensteuermitteln wurden für die Anschaffung von insgesamt 650 mobilen und leistungsstarken Luftreinigungsgeräten ausgegeben.

Am Mallinckrodt-Gymnasium am Südrand der City wurde ein Lehrer positiv auf das Corona-Virus getestet.
Am Mallinckrodt-Gymnasium am Südrand der City wurde ein Lehrer positiv auf das Corona-Virus getestet. © Hans Blossey © Hans Blossey

Die Geräte der Firma Trotec befreien die Luft innerhalb von 30 Minuten mit einem Wirkungsgrad von bis zu 99,9 Prozent von Viren und infektiösen Aerosolen, heißt es. In einer Stunde reinigen sie rund 750 Kubikmeter Luft. Die Stärke des Luftstroms ist in mehreren Stufen regulierbar. Einmal pro Woche reinigt sich jedes Gerät selbst.

Lüften ist weiter Alltag

Die Geräte seien „sehr gut geeignet, um zum Beispiel in Klassenzimmern dauerhaft für eine geringe Virenlast zu sorgen“, bescheinigt auch eine Studie der Universität der Bundeswehr in München. Weil die Filtergeräte die Luft nicht nur vom Corona-Virus reinigen, seien sie eine wichtige Dauerinvestition, die zukünftig bei jeder Erkältungs- oder Grippewelle eingesetzt werden könne, ist man beim Erzbistum überzeugt.

Betont wird aber auch: Die Luftreinigungsgeräte kommen zusätzlich zu den üblichen Corona-Schutzmaßnahmen zum Einsatz. Dazu gehört neben der Maskenpflicht im Unterricht, weiter regelmäßig durch das Öffnen der Fenster zu lüften. So hält man es auch am Mallinckrodt-Gymnasium in Dortmund, wo 54 Geräte zum Stückpreis von rund 3000 Euro im Einsatz sind – in den Klassenräumen, aber auch im Sekretariat und im Lehrerzimmer.

„Die Luftreinigungsgeräte sind eine hervorragende Ergänzung zu unserem Lüftungskonzept“, sagt Schuldirektor Christoph Weishaupt. Nach wie vor werde alle 20 Minuten stoß gelüftet. „Das Lüftungskonzept bleibt wichtig“, betont auch Barbara Bullmann, die sich als Lehrerin um den Infektionsschutz am Mallinckrodt-Gymnasium kümmert.

Und die Erfahrungen sind nach sieben Schulwochen gut. „Wir sind sehr zufrieden. Die Geräte funktionieren einwandfrei“, bilanziert Christoph Weishaupt. Nur einmal habe der entsprechend geschulte Schulhausmeister die Software der Geräte erneuern müssen. Ansonsten halte sich der Wartungsaufwand in Grenzen.

„Die Luftreinigungsgeräte geben ein gutes Gefühl und zusätzliche Sicherheit“, stellt der Schuldirektor fest. „Wir erhoffen uns dadurch wieder mehr Normalität“, ergänzt Barbara Bullmann. Mit der zusätzlichen Sicherheit seien auch wieder andere Unterrichtskonzepte etwa mit Gruppenarbeit möglich.

„Rollsystem“ in den Schulklassen

Und wie ist es mit der Geräuschentwicklung? „In der hinteren Reihe gibt es manchmal Beschwerden“, erzählt Siebtklässler Leo, der die Geräte ansonsten ebenfalls gut findet. Um die Lärmbelastung in Grenzen zu halten, gilt für alle Klassen deshalb ein „Rollsystem“.

Regelmäßig wechseln die Schülerinnen und Schüler die Sitzreihe, sodass jeder mal vorn, in der Mitte oder hinten sitzt. „Und nach einiger Zeit bekommt man das Lüftungsgeräusch gar nicht mehr mit“, stellt Christoph Weishaupt fest.

Bei den Eltern sieht man das genauso. „Es gab bislang nicht eine einzige negative Stimme“, berichtet der Schulpflegschaftsvorsitzende Achim Fricke. Schon Ende des vergangenen Schuljahres habe es aus der Elternschaft den Wunsch nach Luftfiltern für die Schulräume gegeben. Deshalb begrüße man die Initiative des Erzbistums. Fricke: „Wir sind da sehr dankbar.“

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Oliver Volmerich