Lidl-Erpressung: Angeklagter bricht sein Schweigen

Landgericht Dortmund

Im Prozess um die millionenschwere Erpressung des Discounters Lidl mit vergifteten Lebensmitteln hat am Montag auch der zweite Angeklagte sein Schweigen gebrochen. Der 46-jährige Familienvater erhob dabei schwere Vorwürfe gegen den Mitangeklagten.

DORTMUND

07.08.2017, 14:55 Uhr / Lesedauer: 2 min
Lidl-Erpressung: Angeklagter bricht sein Schweigen

Der 45-jährige Mitangeklagte beim Prozessauftakt.

In seiner Einlassung erinnerte sich der Angeklagte noch ziemlich genau an einen Tag im Januar zurück. Er habe seinen Bekannten - den Mitangeklagten - damals in dessen Wohnung aufgesucht, sei von diesem aber zunächst in einen anderen Raum geschickt worden.

Beimischung eines Zusatzes 

Als er kurz danach die Küche der Wohnung betreten habe, habe er kaum geglaubt, was er da gesehen habe. "Ich sah ihn mit Gummihandschuhen vor einem Tisch stehen", so der Angeklagte. Vor sich auf dem Tisch habe der Mitangeklagte jede Menge geöffnete Lebensmittel-Packungen stehen gehabt. Auf seine Nachfrage habe der Mitangeklagte dann später auch zugegeben, dass es hier um eine "Lidl-Erpressung" gehe und er die Lidl-Produkte durch Beimischung eines Zusatzes manipuliert habe. Ernsthafte Sorgen müsse sich angeblich aber niemand machen, weil ein Konsum der verunreinigten Produkte allenfalls zu Durchfall führen würde.

Dass er selbst kurz danach auf die Bitte des Mitangeklagten eine prallvolle Tüte mit den soeben offensichtlich manipulierten Lidl-Lebensmitteln weiter transportiert und an einen weiteren Verdächtigen übergeben habe, gab der Angeklagte zu. "Mir ist auch klar, dass das ich mich dadurch strafbar gemacht habe", sagte er. Dass zu diesem Zeitpunkt bereits eine Erpressung in vollem Gange gewesen sei, habe er nicht gewusst: "Ich spreche kein Englisch und kenne mich auch nicht mit Computern, Bitcoins oder Chemikalien aus."

Fünf Millionen Euro 

Den zwei Angeklagten wird vorgeworfen, den Discounter Lidl um fünf Millionen Euro in der Internetwährung Bitcoins erpresst zu haben. Laut Anklage gab es eine Erpresser-Mail in englischer Sprache, in der für den Fall einer Zahlungsverweigerung mit der Verseuchung von Lebensmitteln gedroht worden war. In Lidl-Märkten in Dortmund, Köln und Düsseldorf waren laut Staatsanwaltschaft später tatsächlich Zucker und Zahnpasta entdeckt worden, die mit einem Pflanzenschutzmittel versetzt worden waren.

Der Mitangeklagte, ein verurteilter Mörder, hatte bereits an einem früheren Verhandlungstag ausgesagt und seine Beteiligung an einer Erpressung dabei vehement bestritten. Der Prozess wird fortgesetzt. 

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