Lieselotte Lemmermann feiert 2019 ihr 101. Weihnachten

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Die Hörderin Lieslotte Lemmermann hat im Dezember 2019 ihren 100. Geburtstag gefeiert. Wie hat sich das Weihnachtsfest im vergangenen Jahrhundert verändert?

Hörde

, 20.12.2019, 21:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Lieselotte Lemmermann und ihre Zwillingsschwester am 7. Dezember 1919 in Berlin zur Welt gekommen sind, gab es in Deutschland noch keine Autobahn und keinen Fernseher.

Die Menschen hatten nicht viel. Und dann kamen kurz vor Weihnachten vor 100 Jahren diese beiden Mädchen zur Welt. „Ich habe bei der Geburt drei Pfund gewogen, meine Schwester zwei“, sagt Lieselotte Lemmermann.

Zigarrenkistenkinder habe der Arzt die Schwestern genannt, sie waren so klein, dass sie locker in eine Zigarrenkiste gepasst hätten.

1940 kam die erste Tochter zur Welt

Mit Extra-Essen vom Löffel haben es die beiden geschafft, zu wachsen. Lotti und Anni haben dann zusammen bei Siemens in Berlin gearbeitet. „Ich konnte immer gut rechnen, meine Schwester schnell schreiben“, sagt Lieselotte Lemmermann.

Bei Siemens hat sie auch ihren Mann kennengelernt. 1940 haben die beiden geheiratet, sind dann in seine mecklenburgische Heimat gezogen. In diesem Jahr kam die erste Tochter zur Welt, 1942 kam die zweite, 1954 die dritte.

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Während des Krieges musste die Familie ihr Haus zurücklassen, ihren gesamten Besitz. Zwei Jahre dauerte die Flucht, 1946 endete sie in Dortmund. Hier lebte Lieselotte Lemmermanns Schwester, nachdem die sich Jahre zuvor auf einer Dortmund-Reise verliebt hatte und im Ruhrgebiet geblieben war.

Der erste Weihnachtsbaum in Dortmund hatte zwei Zweige

Obwohl auch in dieser Zeit die Menschen nicht viel hatten außer ihrem Leben, organisierte eine Nachbarin einen Tannenbaum für das erste Weihnachtsfest in Dortmund 1946. „Der hat nur zwei Zweige gehabt und Lametta“, sagt die 100-Jährige mit beeindruckender Klarheit in der Stimme.

Auf ihr Erinnerungsvermögen können viele 30-Jährige neidisch sein. Sieht sie ein Foto aus den frühen 20er-Jahren, kennt sie die Namen der Nachbarn, die darauf zu sehen sind.

Die Erinnerung rückt aber auch die Zeit nach dem Krieg in die Gegenwart. „Nach der Flucht haben wir gar nichts gehabt“, sagt Lieselotte Lemmermann. Für die kleinen Töchter sollte es aber doch etwas geben. Die eine bekam einen Teddy, die andere eine Puppe zu Weihnachten. Viel mehr hat es auch nicht gebraucht.

Als sie ein Kind war, reichte der Baum in der Berliner Wohnung immer vom Boden bis zur hohen Decke. „Das waren immer riesige Bäume“, sagt sie. Kugeln hingen dran, in Rot und Silber, dazu Lametta und Engelshaar. Und echte Kerzen. „Wir haben nie daran gedacht, dass etwas passieren könnte“, sagt sie.

Die Menschen waren früher zufriedener

Auf dem Tisch in ihrer Wohnung in Hörde liegt ein Foto, das sie und ihre Schwester mit ungefähr 10 Jahren an Heiligabend zeigt. Beide haben soeben einen neuen Puppenwagen geschenkt bekommen. Sie sind stolz, sie strahlen.

In der Wohnung in Hörde, unweit von Phoenix-West, wohnt sie seit 1956.

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„So wahnsinnige Geschenke wie heute gab es früher nicht“, sagt Lieselotte Lemmermann. „Arm und Reich wurden nicht so auseinandergezogen. Alle waren ziemlich arm. Und zufriedener.“

Früher sei das Weihnachtsfest besinnlicher und andächtiger gewesen. „Wir mussten anständig sitzen und immer singen.“

Das 101. Weihnachten feiert sie mit der Familie

2019 feiert Lieselotte Lemmermann wie immer mit ihrer Familie. Mit den drei Töchtern, drei Enkelkindern und zwei Urenkeln und allen, die dazugehören. Ihre Zwillingsschwester und ihr Mann sind schon gestorben.

„Ich wurde schon immer jünger geschätzt, habe nicht geraucht, getrunken habe ich nur, wenn es sein musste“, sagt sie und lacht. Gearbeitet hat sie nach dem Krieg als Arzthelferin in der Alfred-Trappen-Straße bis sie 70 war.

Krank sei sie nie wirklich gewesen. „Einmal war ich im Krankenhaus, um alles prüfen zu lassen.“ Gefunden haben die Ärzte nichts.

Ihre Familie hat sie auch heute noch jeden Tag um sich. So auch wieder Weihnachten 2019. Dem 101. im Leben von Lieselotte Lemmermann.

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