Logistikunternehmer zahlte Geflüchtetem den Mindestlohn - und musste ihn deshalb entlassen

rnMindestlohn-Ärger

Der Unternehmer Günther Buttkereit hat einen Geflüchteten beschäftigt. Weil er den Mindestlohn zahlte, musste er den Mann entlassen - und der sitzt jetzt wieder im Flüchtlingsheim.

Marten

, 31.07.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Aren D. (34, Name von der Redaktion geändert) sollte eine Chance bekommen. Die Chance auf einen festen Arbeitsplatz - und damit auf Integration. Der nigerianische Geflüchtete hat deshalb eine Ausbildung bei der Buttkereit Logistik GmbH & Co. KG in Marten begonnen. Die Dortmunder Unternehmensberatungs-Gesellschaft Ewedo hatte den 34-Jährigen mithilfe ihres Förderzentrums für Geflüchtete dorthin vermittelt.

„Herr D. sollte bei uns eine Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik machen“, erzählt Unternehmer Günther Buttkereit. „Aber seine Deutschkenntnisse waren so schlecht, dass das nicht möglich war.“ Mitarbeiterin Ute Mühlmann aus der Personalabteilung habe mehrfach Kontakt zur Berufsschule gehabt und auch Rücksprache mit der Ewedo gehalten.

Kaum Deutschkenntnisse: Aren D. wird als Hilfskraft beschäftigt

„In der Berufsschule hat man mir gesagt, dass Herr D. mit seinem Sprachniveau die Ausbildung nicht schaffen kann“, erklärt Ute Mühlmann. „Die Ewedo hat aber wohl mehrfach versucht, ihm einen Deutschkurs zu vermitteln.“ Doch ohne Erfolg. Anstelle der Ausbildung bot Buttkereit dem Geflüchteten daraufhin eine Arbeitsstelle als Hilfskraft an.

Logistikunternehmer zahlte Geflüchtetem den Mindestlohn - und musste ihn deshalb entlassen

Hier lagert Krankenhauszubehör. Und in diesem Bereich hat auch Aren D. gearbeitet. © Carolin West

Aren D. erhielt für seine Arbeit in der Krankenhauslogistik, Vor- und Nachbereitungsarbeiten wie das Aufreißen von Paketen oder das Fegen des Lagers, den Mindestlohn von 9,19 Euro pro Stunde. „Alle Hilfsarbeiter bekommen den Mindestlohn“, sagt Günther Buttkereit. Gut 1.500 Euro brutto verdiente Aren D. so im Monat, konnte sich damit eine kleine Wohnung leisten. Doch jetzt wohnt er wieder in einem Flüchtlingsheim.

Günther Buttkereit sollte 1,31 Euro mehr zahlen

Und das kam so: Nachdem Aren D. die Arbeitserlaubnis für seine Tätigkeit bei Buttkereit beantragt hatte, folgte eine böse Überraschung: Post von der Asylstelle der Stadt Dortmund. „Ihrem Antrag auf eine Arbeitserlaubnis bei der Firma Buttkereit kann leider nicht entsprochen werden“, heißt es darin. Denn für seine Tätigkeit müsse ein Lohn von 10.50 Euro pro Stunde gezahlt werden.

Eine Aussage, die Günther Buttkereit nicht nachvollziehen kann. „Wenn ich ihn unter Mindestlohn bezahlt hätte, dann wäre ich bereit gewesen, mehr zu bezahlen“, sagt er. „Ich war jetzt gezwungen, ihm zu kündigen, und mir Ersatz zu suchen. Dabei hätte ich dem Mann gerne eine Chance gegeben.“ Mehrfach habe er die Asylstelle um eine Erklärung für den geforderten Lohn gebeten - auch, weil es schon häufiger Probleme bei der Lohnberechnung für geflüchtete Mitarbeiter gab. „Irgendwann kam nur, dass da die Bundesagentur für Arbeit zuständig sei.“

Der Fehler liegt bei der Bundesagentur für Arbeit

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) legt tatsächlich die Bedingungen zur Erteilung einer Arbeitserlaubnis fest. Und hier liegt auch der Fehler, der Aren D. seinen Job kostete. „Der Tariflohn für die Tätigkeit von Herrn D. liegt bei 12,04 Euro“, sagt BA-Pressesprecher Thomas Terhorst (Dortmund). „Hinzu kommen ortsspezifische Faktoren, wie der ortsübliche Durchschnittslohn in der Branche.“

Im Fall von Aren D. liegt der Tariflohn dementsprecheLogistikunternehmer zahlte Geflüchtetem den Mindestlohn - und musste ihn deshalb entlassennd bei 10,50 Euro. Weil der Unternehmer Günther Buttkereit nicht bereit war, ihm ohne Begründung mehr zu zahlen als anderen Hilfsarbeitern, erhielt Aren D. zu den Lohnbedingungen keine Arbeitserlaubnis. Ein Fehler, wie sich nun herausstellt. „Das Unternehmen Buttkereit ist nicht tarifgebunden“, erklärt Thomas Terhorst. „Der Stundenlohn von 10,50 Euro gilt demnach nicht. Deshalb muss der korrekte Lohn neu berechnet werden.“ Und der liege vermutlich unter 10,50 Euro. „Ob es am Ende genau 9,19 Euro sind, kann ich nicht sagen“, so Terhorst. Günther Buttkereit ist jedenfalls froh, dass er künftig genau wissen wird, wie hoch der Lohn sein muss.

Die Ewedo könnte Aren D. helfen

Für Aren D. kommt die ganze Nachrechnerei zu spät, seine Stelle ist neu besetzt. Die Ewedo hat sich jedoch bereits eingeschaltet. Ein Gespräch mit dem Geflüchteten sei geplant. „Wir schauen, was wir für ihn tun können“, sagt Isabella Mazur von der Ewedo.

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