Lütgendortmunds älteste Apotheke schließt - eine andere bekommt einen neuen Chef

rnLütgendortmunder Apotheken

Vier Apotheken hat Marco Orlando in Dortmund gekauft, zwei davon in Lütgendortmund. Weiterführen kann er aber nur eine. Die andere zu schließen, fällt ihm schwer, ist aber alternativlos.

Lütgendortmund

, 28.06.2019, 15:44 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit dem Kauf von vier Dortmunder Apotheken hat sich Marco Orlando aus Scharnhorst einen Traum erfüllt. „Mir war immer klar, dass ich irgendwann selbstständig sein möchte“, sagt der 35-Jährige. Vielleicht auch deshalb, weil sein Vater, ein italienischer Polsterer, ein eigenes Geschäft hat.

Als unter anderem die Flora- und Amts-Apotheke in Lütgendortmund zum Verkauf standen, zögerte der junge Apotheker nicht lange. In der vergangenen Woche unterschrieb der zweifache Familienvater die Kaufverträge - doch nur für eine Apotheke beantragte er beim Amts-Apotheker die Betriebserlaubnis. „Aus wirtschaftlichen Gründen habe ich mich gegen die Weiterführung der Flora-Apotheke entscheiden müssen“, so der Halb-Italiener.

Lütgendortmunds älteste Apotheke schließt - eine andere bekommt einen neuen Chef

Die Flora-Apotheke wird zum 1. Juli geschlossen - ausgerechnet im Jahr ihres 125-jährigen Bestehens. © Beate Dönnewald

Unternehmensberater und Bank haben abgeraten

Sowohl sein Unternehmensberater als auch die Bank hätten ihm abgeraten, die Flora-Apotheke weiterzuführen. „Diese Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen, es tut mir wahnsinnig leid, zumal die Flora-Apotheke ja die älteste Apotheke Lütgendortmunds ist“, sagt Marco Orlando.

Tatsächlich wurde die Flora-Apotheke an der Werner Straße als erste Apotheke im Dorf am 24. Dezember 1894 eröffnet - so steht es im Archiv von Heimatforscher Wilhelm Mohrenstecher. Der erste Apotheker war von Essen, danach folgten die Apotheker Funcke, Finkbeiner und Tewes.

Die Geschäfte in der Amts-Apotheke an der Limbecker Straße laufen deutlich besser. „Das liegt auch daran, dass die Seniorenheime, das Behindertenwohnheim und die Pflegedienste unsere Kunden sind“, so Orlando. Bis zum 30. Juni ist er noch Filialleiter, ab dem 1. Juli dann offiziell Inhaber der Amts-Apotheke.

Mitarbeiterinnen werden übernommen

Der letzte Öffnungstag der Flora-Apotheke ist der 29. Juni. So steht es auch auf einem Schild im Schaufenster. Die Mitarbeiterinnen verlieren glücklicherweise nicht ihre Jobs: Zwei wechseln in die Amts-Apotheke, zwei gehen nach Brackel. Dort gehören Marco Orlando die Kosmos- und die Bären-Apotheke. Letztere wird er in Drei-Linden-Apotheke umbenennen.

Momentan sei er sehr angespannt, sagt der gebürtige Duisburger, der in Düsseldorf studiert hat. „Ich habe superhohe Kredite aufgenommen. Da macht man sich natürlich schon Gedanken, ob alles klappen wird.“ Die Selbstständigkeit war übrigens nicht sein einziger Traum. Mit dem Beruf des Apothekers hat sich Marco Orlando sogar einen Kindheitstraum erfüllt.

„Mich hat schon als Kind fasziniert, wie schnell eine Tablette gewirkt hat. Etwa Penicillin bei meinem Bruder, der früher oft unter Angina litt.“ Er habe einfach wissen wollen, wie das alles funktioniert. Heute ist Marco Orlando der Experte, der nicht nur die Antworten „zu Risiken und Nebenwirkungen“ eines Medikaments kennt.

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