Weiter mit offenem Fenster? So soll es nach Wunsch der Stadt Dortmund auch im Winter laufen. © picture alliance/dpa
Meinung

Luftfilter an Schulen: Ihr habt sechs Wochen Zeit, regelt das!

Lieber Unterricht bei offenem Fenster als mit Luftfilter im Klassenraum? Eine Frechheit, findet unser Autor. Und hat eine konkrete Idee, wie wir Erwachsenen uns solidarisch zeigen können.

Machen wir doch alle mit: Im November, wenn der eiskalte Regen reinweht – Fenster auf im Büro! Im Januar, bei Schnee und Eis und minus 10 Grad – Fenster auf! Nicht nur einmal morgens, nein nein: immer wieder, den ganzen eiskalten Tag lang.

Wollen Sie nicht? Weil die Corona-Gefahr ja auch gar nicht mehr so groß sein werde? Weil ja dann fast alle geimpft sein müssten, auch alle Arbeitskollegen? Ach ja?

Dann fragen Sie mal die Kinder, ob die Lust darauf haben. Ob die mit Strickpulli und Steppjacke im Klassenraum sitzen wollen, vielleicht noch einen Schal um den Hals. Und trotzdem frieren die Finger. Denn wie soll man Handschuhe tragen, wenn man etwas mit dem Füller schreibt oder einen Zirkel dreht?

Seit einem Jahr redet man über Luftfilter

Finden Sie meinen Vorschlag tatsächlich so absurd? Sollten wir Erwachsenen nicht genau das tun, um unsere Solidarität zu zeigen mit denen, für die auch der nächste Winter alles andere als normal wird?

Die Schüler, vor allem die jüngeren, werden nicht geimpft gegen Corona. Also müssen sie das ausbaden, was die Erwachsenen verbocken. Ja: in erster Linie die Verantwortlichen beim Bund, beim Land und bei den Städten. Seit einem Jahr redet man über Luftfilter, damit die Schule endlich wieder normal laufen kann.

Passiert ist: nichts. Oder so gut wie nichts. An Schulen, an denen man das Fenster gar nicht richtig öffnen kann, wird geholfen. Oder bei Neubauten.

Die Schule ist halt nicht die Lufthansa

Neubauten – sehr witzig. In den meisten Schulen kann man schon froh sein, wenn das Klo nicht aussieht wie aus dem Jahr 1963. Jahrzehntelang hat man die Schulen kaputtgespart. Ist halt nicht die Lufthansa oder eine große Bank, die man unbedingt retten muss mit Riesen-Summen.

Und wir anderen Erwachsenen, die wir nicht beim Bund, beim Land, bei der Stadt für Schulen zuständig sind – was haben wir gemacht? Achselzuckend alles hingenommen. Tja, marode Schule, hach, ist halt so. Oder sind wir auf die Barrikaden gegangen für die gute und zukunftsträchtige Bildung unserer Kinder und Enkel?

Überraschung: Sechs Wochen Ferien im Sommer

Nochmal gefragt: Finden Sie meinen Vorschlag so absurd, bei Minusgraden aus Solidarität auch daunenbejackt im Büro zu sitzen bei offenem Fenster? Ich finde eher die ganze Situation absurd.

Ich verrate Ihnen mal was: Im Sommer gibt es immer sechs Wochen Ferien. Das weiß man lange genug im Voraus. Und auch dass die Luftfilter-Sache dringend ist. Deshalb, liebe Verantwortlichen, mir völlig gleich, ob beim Bund, beim Land, bei der Stadt: Bringt das in Ordnung. Startet endlich mal ein „Soforthilfepaket“, das diesen Namen auch verdient.

Ein Paket, das sofort Hilfe bringt. Sechs Wochen sind die Schulen leer. Von mir aus kann sich das auch ziehen bis in den September oder Anfang Oktober. Das kriegen die Schulen hin, da haben sie im vergangenen Jahr ganz andere Dinge gewuppt. Aber baut Luftfilter ein! Die Idee, dass Schüler weiter frieren müssen, während das Leben der Erwachsenen wieder normal läuft, ist eine Frechheit.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jahrgang 1977 - wie Punkrock. Gebürtiger Sauerländer. Geborener Dortmunder. Unterm Strich also Westfale.
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Björn Althoff