Lust auf ein Ehrenamt, aber zu wenig Zeit? Das DRK in Wellinghofen hat da eine Lösung

rnHelfer Katastrophenschutz

Das Deutsche Rote Kreuz im Dortmunder Stadtteil Wellinghofen bildet „Helfer im Katastrophenschutz“ aus. Auf diese Weise kann jeder zum Teilzeit-Ehrenamtler werden.

Wellinghofen

, 14.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Was haben die Räumung des Hannibal, das Unwetter Kyrill, die Überschwemmung im Dortmunder Westen 2008 und der Großbrand auf einem Recyclinghof in Bönen gemeinsam? Alles sind unvorhergesehene Geschehnisse mit weitreichenden Folgen, die gleichzeitig schnelles Handeln erfordern: Katastrophen.

Ehrenamtler sein, aber ohne zu viele Verpflichtungen

Um solchen Ereignissen besser begegnen zu können, bildet das Deutsche Rote Kreuz (DRK) Dortmund am Standort Wellinghofen „Helfer im Katastrophenschutz“ aus. Hier können sich Menschen zu freiwilligen Helfern ausbilden lassen und im Notfall helfen, ohne das ganze Ehrenamtsprogramm eines Vereins mitzumachen. Das ist die kurze Zusammenfassung des Projektes. „Man muss zum Beispiel nicht am Gemeinschaftsleben teilnehmen“, sagt Tobias Saalmann.

Er selbst ist seit 1997 ehrenamtlich beim DRK und mittlerweile auch im Präsidium des Dortmunder Kreisverbandes. Müssen ist beim DRK schon qua Satzung kein Thema, jedes Engagement beruht auf Freiwilligkeit. Saalmann spricht nur einen Punkt an, der womöglich viele von einem Ehrenamt abhalten könnte. Niemand müsse sich verpflichtet fühlen, zahlreiche Stunden pro Woche und Monat zu investieren.

Der DRK hilft nicht nur bei Katastrophen, sondern auch beim Kirchentag

Im Flyer des DRK zum Projekt steht: „Wir stehen mit unseren Katastrophenschutzhelfern bereit bei Unwetterlagen, Stromausfällen, Evakuierungen, Räumungen, Störungen der Infrastruktur und generell überall dort, wo Menschen unterzubringen, zu betreuen und zu versorgen sind.“ Bereit stehen die Helfer unter anderem auch, wenn irgendwo in Dortmund mal wieder eine Bombe gefunden wird und Menschen ihre Wohnungen verlassen müssen. Das passiert neben den eigentlichen Aufgaben des DRK. So waren die Ehrenamtler bei der Mayday, sind im Westfalenstadion zu Spielen des BVB und werden auch beim Kirchentag unterwegs sein.

In den ersten sechs Monaten, in denen das Projekt in Wellinghofen läuft, haben sich 14 Helfer angemeldet. Regelmäßig kommen sie mittwochs an den neuen Standort an der Preinstraße 94, wo das DRK seit Oktober 2018 sitzt, und werden geschult. „Das ist eine gute Rückmeldung. Das heißt aber nicht, dass es nicht noch mehr sein könnten“, sagt Tobias Saalmann: „Die Tür ist mittwochs immer offen, man kann einfach reinkommen. Wir fordern nichts ein.“ Wer will, kann sich auch kostenlos zum Sanitäter ausbilden lassen. Alles freiwillig.

Ohne Wehr- und Zivildienst ist die Personaldecke dünner geworden

Dass das DRK neue Wege bei der Suche nach Helfern geht, kommt nicht von ungefähr. „Wir spüren die Abschaffung vom Wehr- und Ersatzdienst“, sagt Saalmann. Er selbst ist nach dem Zivildienst „hier hängen geblieben“. Auch Katharina Röttgers ist irgendwie hängen geblieben. Über eine Schulfreundin ist sie mit elf Jahren zum DRK gekommen, damals in Letmathe. Als sie 2003 für die Ausbildung nach Dortmund gezogen ist, machte sie einfach hier weiter. Heute ist sie Rotkreuzleiterin in Wellinghofen und Schriftführerin im Präsidium des Kreisverbandes. Und damit ein Beispiel für eine Vollblut-Ehrenamtlerin.

Ein Punkt schränkt die Arbeit des DRK aber ein. Wie so ziemlich jeder andere gemeinnützige eingetragene Verein braucht auch das Deutsche Rote Kreuz Geld.

Nun gehört das DRK sicherlich zu den bekanntesten Vereinen in ganz Deutschland. „Aber Spender zu finden, ist nicht einfach. Was wir machen, ist nicht sexy. Aber jeder erwartet, dass wir immer da sind“, sagt Fred Weingardt, stellvertretender Kreisgeschäftsführer in Dortmund. „Bei uns kann jeder das machen, was er möchte.“ Es gibt sogar ein Funker-Team in Dortmund. „Wenn jemand erst mal bei uns ist, wandern die wenigsten ab.“ Wer mitmachen will, kann nach Wellinghofen kommen oder sich auf der Homepage des DRK informieren.

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