Macht den Hundeführerschein zur Pflicht – und lasst ihn ordentlich was kosten!

rnKlare Kante

Unseriöse Hundehändler bei Ebay, misshandelte Welpen in der Nordstadt: Die Meldungen in Dortmund häufen sich. Zeit für einen verpflichtenden Hundeführerschein – vor dem Kauf!

Dortmund

, 12.08.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Hunde sind nach deutschem Gesetz offiziell keine „Sachen“. Im Großen und Ganzen werden sie juristisch allerdings nach den gleichen Vorschriften behandelt. Über deren Besitz oder Nicht-Besitz gibt es immer wieder Urteile. Hunde sind Handelsware. Es gibt eine Masse von Verkäufern und Käufern. Seriös und unseriös.

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Als Hundehalter muss man seinen Vierbeiner beim Ordnungsamt der Stadt Dortmund anmelden. 27.525 Hunde sind aktuell in Dortmund gemeldet. Die Zahl ist in den vergangenen drei Jahren jeweils um ein paar Hundert gewachsen. Wie groß die Dunkelziffer an nicht gemeldeten Dortmunder Hunden ist, lässt sich nur mutmaßen.

Immer wieder gibt es Zwischenfälle, bei denen Hundewelpen über Internetannoncen verkauft werden – auf Ebay-Kleinanzeigen oder anderen Portalen. Oft ist die Folge: Ärger.

Unseriöse Hundekäufe bringen nur Ärger

Wie bei einem jüngsten Fall, bei dem der kleine, süße Welpe trotz Rettungsmaßnahmen kurz nach dem Kauf starb. Er war krank und mit Medikamenten vollgepumpt.

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Oder auch wie bei Dobermanndame Nala, die durch ein Urteil zurück an die Züchterin ging. Hier hatte der Kleinanzeigen-Verkäufer den Hund von besagter Züchterin für 800 Euro gekauft und den Welpen, ohne zu bezahlen, direkt für 700 Euro weiterverkauft – über das Internet.

Macht den Hundeführerschein zur Pflicht!

Neben Ordnungsgeldern ermöglicht das Tierschutzgesetz Strafen bis zu 25.000 Euro für schwere Misshandlungen. Ich bin der Meinung: Jeder, der sich um einen Hund kümmern will, sollte auch nachweislich dafür geeignet sein. Und schon im Vorfeld Wissen erwerben müssen – nicht nur über Hundehaltung, sondern auch über den Hundekauf. Gebt nur Leuten die Verantwortung für einen Hund, die sie auch tragen können.

Geht es nicht auch um Klein-Fiffi?

In NRW muss man ohnehin schon sogenannte Sachkundenachweise erbringen, um „gefährliche“ Hunde und bestimmte Hunderassen halten zu dürfen. Stichwort: Kampfhunde.

Auch für die Kategorie „großer Hund“ muss man nach der Landeshundeverordnung eine entsprechende Sachkunde nachweisen. Groß sind Hunde demnach ab einer Schulter- beziehungsweise Rückenhöhe („Widerristhöhe“) von mindestens 40 Zentimetern oder ab einem Gewicht von mindestens 20 Kilogramm.

Warum hört die Kontrolle hier auf? Auch handtaschengroße Hunde sollte man mit Sachverstand umsorgen können – zum Beispiel, indem man sie nicht in eine Handtasche steckt.

Prüfungen in Theorie und Praxis

Schon eine Weile gibt es in Deutschland Diskussionen um einen Hundeführerschein. Die Tierrechtsorganisation Peta forderte erst im Juli wieder ein neues Heimtierschutzgesetz – mit dem Schein als Bestandteil. Und Beispiele, an denen man sich orientieren kann, gibt es auch schon:

Der „Berufsverband der Hundererzieher/innen und Verhaltensberater/innen“ (BHV) beispielsweise bietet schon einen Hundeführerschein an, „um dem Halter die Möglichkeit zur Dokumentation zu geben, dass er seinen Hund im Alltag sicher unter Kontrolle hat und weder andere Menschen noch Hunde gefährdet“, wie es auf der Homepage des BHV heißt (Stand: 7.8.). Bestandteile der Prüfungen sind Theorie und Praxis. In einigen Bundesländern wird er als Sachkundenachweis anerkannt.

In einzelnen Städten kann man bereits mit Hundeführerscheinen Steuern sparen. In München etwa kann man sich nach Erwerb für ein Jahr von der Hundesteuer befreien lassen. In Mannheim sogar zwei Jahre.

Prüfung schon vor der Anschaffung

Gut gedacht, aber zu kurz gedacht: Leute, die sich einen vierbeinigen Freund wünschen, sollten verpflichtet werden, eine Prüfung abzulegen – vor dem Kauf.

Wer einen Hund umsorgen will, muss Wissen über das Tier haben. Muss sich dem Tier gegenüber adäquat verhalten können. Sollte finanziell in der Lage sein, das Tier artgerecht zu versorgen. Sollte wissen, welche Art Hund für ihn oder sie in Frage kommt und ob das eigene Zuhause für Bello geeignet ist.

Lasst den Führerschein ordentlich was kosten!

Und nicht zuletzt: Jeder mit Hundewunsch sollte genauso wissen müssen, wo man Hunde kaufen kann und wo man es lieber lassen sollte. Auch das sollte Bestandteil des Theorieunterrichts sein, der ja wie der Scheinerwerb vor dem Kauf stattfinden müsste: Ein angeblich reinrassiger Hundewelpe, eine französische Bulldogge zum Beispiel, ist bei seriösen Händlern eben nicht für 450 Euro zu bekommen. Da muss etwas faul sein. Trotzdem findet man nach kurzer Recherche solche Annoncen in Massen. Die Hundeführerschein-Pflicht würde auch solchen Anbietern letztlich das Handwerk legen.

Unterm Strich: Fühlt den Hundehaltern in spe richtig auf den Zahn. Und lasst sie sich auch monetär dafür strecken. Wer schon vor der Anschaffung bereit dazu ist, Energie und Geld in das Projekt Hund zu stecken, der wird das Tier auch vernünftig behandeln, wenn es da ist.

Denn das sind Hunde: Lebewesen, keine Sachen.

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