Mario Götze schoss bei der WM 2014 ein Tor für die Ewigkeit

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Es ist die 113. Minute im WM-Finale 2014. Deutschland gegen Argentinien. Andre Schürrle flankt kurz von der Grundlinie von links. Mario Götze steht an der Ecke des Fünf-Meter-Raums frei, lässt den Ball von der Brust tropfen, streckt Bein und Fuß. Tor. 1:0. Ein Tor für die Ewigkeit. Mit welchem Fuß?

Dortmund

, 23.06.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ist der 1. Februar 2017. Mario Götze ist seit acht Monaten zurück in Dortmund, beim BVB. Zusammen mit Ex-BVB-Mediendirektor Josef Schneck besucht er das Deutsche Fußballmuseum. Magische Momente – für beide. Verharren vor den Vitrinen. Mario Götzes WM-Trikot 2014, Rückennummer 19. „Ist es das Original-Trikot? Hast du es abgegeben?“, fragt Schneck. „Ja.“ Mario Götze nickt. Er schaut: interessiert, nachdenklich.

Schuss ins Glück

Wenige Meter weiter. „Der Schuss ins Glück“, sagt Josef Schneck. Er und Mario Götze stehen vor der Vitrine mit Götzes Schuh. Gelb leuchtet die maßgeschneiderte Fußbekleidung im Licht der Scheinwerfer. Die nach vorne geneigte Sohle trägt noch die Reste von Gras und Erde des Maracanã-Stadions von Rio de Janeiro. „Aaaah“, sagt Götze. „Ein bisschen Gänsehaut habe ich schon“, kommentiert Josef Schneck.

Große Monitore in Ballform zeigen die entscheidende Szene aus der 113. Minute des Finales. Andre Schürrle flankt. Götze lächelt glücklich. „Schon geil“, sagt Schneck. Zeitlupen. Mario Götze wirkt bewegt. Ein Moment für die Ewigkeit – auch für den Helden von 2014.

Er muss immer abliefern

„Ich habe definitiv damit zu kämpfen, dass diese Assoziation von Tor automatisch immer übertragen wird in jedem Spiel“, sagt Götze in einem bemerkenswerten Portrait des Internetdienstes DAZN kürzlich vor der WM in Rußland. „Mir ist bewusst geworden, was in den Köpfen der Leute eigentlich verankert ist. Da ist ein entscheidender Spieler, der macht das Tor, und das muss er immer abliefern.“

Mario Götze: Jahrgang 1992. Mit dem Fußballspielen beginnt er als Dreijähriger beim SC Ronsberg im Allgäu. 1997 kommt er nach Dortmund, kickt kurz bei Eintracht Hombruch, wechselt dann zu Borussia.

Er durchläuft die Jugendabteilungen des BVB, bevor er im Alter von 17 Jahren sein Bundesliga-Debut feiert. Nach zwei Deutschen Meisterschaften und dem Double 2012, nutzt Götze ein Jahr später eine vertragliche Ausstiegsklausel und wechselt zum FC Bayern München. Dort kann er sich nicht durchsetzen und kehrt zur Saison 2016/17 zur Borussia zurück – zwei Jahre nach dem entscheidenden Finaltor bei der WM.

Es ist der 13. Juli 2014. Maracanã-Stadion, Rio de Janeiro, Brasilien. Verlängerung. 112 Minuten führten zu keinem Tor. Der Spielaufbau läuft über Links. ARD-Kommentator Tom Bartels kritisiert dabei den italienischen Schiedsrichter Nicola Rizzoli wegen einer Regelauslegung. Kurz hinter der Mittellinie übernimmt Andre Schürrle den Ball, überläuft zwei argentinische Defensivspieler, flankt kurz vor der Grundlinie vor dem herauseilenden Dritten. Mario Götze steht frei zwischen drei argentinischen Verteidigern. „Der Ball kommt an“, kommentiert Bartels noch ruhig. Götze lässt den Ball von der Brust abtropfen.

Tränen fließen, Gänsehaut macht sich breit

150 Besucher beim Public Viewing im Gemeindesaal in Dortmund-Oestrich, 35 Millionen vor den Fernsehern in Deutschland und mehr als eine Milliarde Menschen weltweit halten die Luft an. Im Gemeindesaal wird es für den Bruchteil einer Sekunde ruhig. „Mach ihn! Mach ihn! Er macht ihn!“, schreit Bartels. „Mario Götzööö!“

Arme fliegen hoch, erste Tränen fließen, Gänsehaut macht sich breit. Die Fernsehbilder zeigen Bundespräsident Joachim Gauck und Kanzlerin Angela Merkel. Alles Nebensache. „Helmut Rahn, Gerd Müller, Andy Brehme, Mario Götze. Ist das die Viererreihe?“, fragt Tom Bartels noch prophetisch die Fernsehzuschauer. Sieben Minuten. Bis zum Anstoß nach dem Tor: Zeitlupen, wechselnde Perspektiven – kaum zu sehen im Durcheinander der Euphorie.

Unruhe, Fiebern im Gemeindesaal. Minuten später reißen Kinder und Rentner die Arme hoch. Deutschland ist zum vierten Mal Weltmeister. Wieder Zeitlupen: Schürrle flankt, Mario Götze lässt den Ball vor den Fuß tropfen, streckt das Bein und vollendet – mit Links.

Mario Götze schoss bei der WM 2014 ein Tor für die Ewigkeit

Mario Götze im Februar 2017 im Deutschen Fußballmuseum. © BVB/Alexandre Simoes

Mehr als zweieinhalb Jahre später – 1. Februar 2017, Deutsches Fußballmuseum – Mario Götze steht vor der Vitrine mit dem Schuh, dem Gras und der Erde aus dem Maracanã-Stadion. Sichtbare Erinnerungen. Es ist der rechte Schuh, das zeigt die Sohlenform – jener, der ihm den richtigen Stand für den magischen Moment verlieh. Egal.

Den linken erhielt ein anonymer Wohltäter, der im Spätherbst 2014 zwei Millionen Euro für die Hilfsaktion „Ein Herz für Kinder“ spendete. Ein weiterer magischer Moment im Jahr des Triumphes.

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