Marten bekommt keinen neuen Metzger, vielleicht aber Senioren-Wohnungen

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Seit zwei Jahren sucht Joachim Schmittgen einen neuen Metzger für das leer stehende Geschäft in seinem Haus an der Martener Straße. Jetzt hat er die Hoffnung aufgegeben. Er hat neue Pläne.

Marten

, 18.09.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Problem von Joachim Schmittgen ist nicht, dass es keine Interessenten für die ehemalige Metzgerei seines verstorbenen Bruders gibt. Sein Problem ist, dass die durchaus zahlreichen Interessenten nach einer Marktanalyse sagen, dass ihnen der Standort Marten nicht erfolgversprechend erscheint.

Seit zwei Jahren versucht Joachim Schmittgen wieder einen Metzger in dem Haus anzusiedeln, dass sein Großvater 1908 gebaut hatte und das zuletzt seinem Bruder bis zu dessen Tod geführt wurde.

Metzgerei steht seit zwei Jahren leer

Zwischenzeitlich gab es bereits mehrere Unternehmen, die an der Ecke Martener Straße/In der Meile einen Neustart wagten, doch erfolglos. Und seit zwei Jahren wagte niemand mehr diesen Schritt.

Schuld daran ist zunächst ein Problem der Branche. „Metzgereien erwägen nur dann die Eröffnung einer neuen Filiale, wenn sie eine Überproduktion haben, die sie in den bestehenden Filialen nicht komplett absetzen können“, berichtet Joachim Schmittgen.

Kein überzeugender Standort

Ein ausgelasteter Betrieb müsste seine Produktion erhöhen, um eine weitere Filiale beliefern zu können. „Das macht ein Betrieb nur, wenn er von einem Standort überzeugt ist“, sagt der Jurist.

Für dieses Ladenlokal an der Martener Straße suchte Joachim Schmittgen zwei Jahre lang einen neuen Metzger. Jetzt wird die Verkaufsfläche aufgeteilt und verkleinert.

Für dieses Ladenlokal an der Martener Straße suchte Joachim Schmittgen zwei Jahre lang einen neuen Metzger. Jetzt wird die Verkaufsfläche aufgeteilt und verkleinert. © Holger Bergmann

Aber vom Standort in Marten konnte Joachim Schmittgen keinen Interessenten überzeugen. „Wenn jemand für Marten den Markt analysiert, entdeckt er strukturelle Schwächen.

Marten ist zweigeteilt

So hat Marten theoretisch 10.000 Bewohner, ist der zweitgrößte Ort im Bezirk Lütgendortmund. Doch es gibt praktisch zwei getrennte Schwerpunkte: Alt-Marten und Germania. Aus Sicht eines Gewerbetreibenden ist Alt-Marten eher ein eigener Ortsteil mit nur 5000 potenziellen Kunden.

Und selbst in dem „alten“ Marten rund um die Straße In der Meile gibt es keinen klassischen Ortsmittelpunkt, zu dem die Kunden geleitet werden. „Die Martener Geschäftswelt ist zu zerstückelt, um auf Laufkundschaft hoffen zu können“, meint Joachim Schmittgen.

Es fehlt ein Einzelhandelskonzept

Diese Einschätzung bestätigt der Marten-Kenner und Bezirkspolitiker Reinhard Gallen: „Es fehlt schon lange ein Einzelhandels-Konzept für Marten“, kritisiert er. „Es wird für die neue Bezirksvertretung endlich Zeit, sich damit zu befassen, um die Leerstände zu beenden.“

Joachim Schmittgen und Reinhard Gallen fordern einmütig, dass die Politik klar aufzeigt, in welchen Bereich Martens welches Gewerbe angesiedelt wird.

Geschäft wird in zwei Teile geteilt

Joachim Schmittgen jedenfalls geht mit der Vermarktung seines Leerstandes jetzt andere Wege. Und gibt den Traum, wieder einen Metzger nach Marten zu holen, nun endgültig auf. Er denkt an eine Aufteilung der 120 Quadratmeter großen Fläche, um zwei Ladenlokale daraus zu machen. „Marten kann auch einen Schuster oder eine Änderungsschneiderei gut gebrauchen“.

Und falls das auch nicht fruchtet – obwohl Schmittgen mehrere Anfragen für Geschäftsräume in 50 Quadratmeter Größe hat – denkt er daran, in den ebenerdigen Räumen barrierefreie Wohnungen für Senioren einzurichten. Denn das sei eine Marktlücke in Marten.

Altengerechte Wohnungen statt Einzelhandel

Auch das bestätigt Reinhard Gallen: „Wer als Senior in eine altengerechte Wohnung ziehen will, muss Marten verlassen. In Marten gibt es für Senioren gar nichts“.

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Deshalb schreibt Reinhard Gallen der Lütgendortmunder Politik für die beginnende Wahlperiode ins Arbeitsheft: „Der Hof Korte muss reaktiviert werden“. Für die Gebäude des leerstehenden Gutes an der Wasserstraße gibt es seit Jahren die Idee, seniorengerechte Wohnmöglichkeiten zu schaffen.

Ein Interessent ist Physio-Therapeut

Das würde auch Joachim Schmittgen passen, denn zu den Interessenten für seine halbierten Geschäftsräume gehört auch ein Physio-Therapeut, dessen Kunden vor allem Senioren wären.

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