Martener Wirt hält Wort und spendiert der Martener Trinkerszene zwei mobile Klappbänke

rnTrinkertreff Marten

In den sozialen Netzwerken wird aktuell kontrovers über die Martener Trinkerszene diskutiert. Am Montag gab es eine Fortsetzung mitten im Ort. Denn dort standen plötzlich zwei mobile Bänke ...

Marten

, 12.08.2019 / Lesedauer: 3 min

Der Martener Wirt Michael Smajlovic und sein Bekannter Manfred Konieczny machten der Trinkerszene am Montag (12. 8.) ein ungewöhnliches Geschenk. Sie spendierten den Männern zwei mobile Klappbänke – und platzierten sie genau dort, wo zuvor die mittlerweile abgerissenen Sitzmauern standen: am hinteren Pennymarkt an der Steinhammer-/Ecke Martener Straße.

„Das soll zunächst nur eine Anregung, sein, eine Demonstration, ein Signal.“ So erklärte Manfred Konieczny die ungewöhnliche Aktion, die Michael Smajlovic in der vergangenen Woche angekündigt hatte. Der 72-jährige Wirt des Martener Hofs ist immer noch sauer, dass aufgrund von Anwohnerbeschwerden Mauern einfach entfernt und Menschen so verjagt wurden. „Man kann Marten ja gleich dicht machen.“

„Wer soll die Verantwortung für die Bänke übernehmen?“

Ob zwei mobile Bänke, die sich die alkoholkranken Männer in der Gaststätte ausleihen können, nun die Lösung des Problems sind? An diesem Montagmittag gibt es darauf keine Antwort. Selbst Heinz (61) ist sich nicht ganz sicher. An sich finde er die Idee gut, nur: „Wer soll die Verantwortung übernehmen und die Bänke abends wieder wegbringen?“

Wie bereits auf Facebook entbrannte auch auf dem kleinen Platz an der Steinhammerstraße eine kontroverse Diskussion pro und contra Trinkerszene. Denn kaum hatten Michael Smajlovic, Manfred Konieczny und drei der „Beschenkten“ Platz genommen, tauchten die ersten Anwohner auf.

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„Je mehr wir trinken, desto lauter werden wir“

„Ich glaub das jetzt nicht“, sagt Hannelore Weiss. Endlich sei nach dem Abriss der Sitzbänke Ruhe eingekehrt, nachdem sie vier Jahre unter der Trinkerszene gelitten habe, und jetzt das: „Warum denken hier nur alle an die armen Trinker und niemand an die Opfer?“

Heinz kennt die Vorwürfe der Anwohner – und zum Teil kann er sie nachvollziehen: „Je mehr wir trinken, desto lauter werden wir.“ Aber pöbeln und öffentlich urinieren, das machten sie nicht. „Ich bin 61 und weiß mich zu benehmen. Wir gehen auf die öffentliche Toilette am Marktplatz. Das kostet 30 Cent, das Geld haben wir.“ Er sei langzeitarbeitlos, ungelernt, ohne Führerschein. „Ich bin leider nicht mehr zu vermitteln.“

Martener Wirt hält Wort und spendiert der Martener Trinkerszene zwei mobile Klappbänke

Michael Smajlovic (r.) und Manfred Konieczny demonstrierten, wie leicht sich die mobilen Klappbänke aufbauen lassen. © Beate Dönnewald

„Jetzt ist die Politik an der Reihe“

Es sei einfach schwer, einen Platz zu finden, wo man geduldet sei, sagt Heinz’ Kumpel Thomas. Man werde überall verjagt, erst aus der Straße „In der Meile“, dann aus dem Steinhammer-Park.

Michael Smajlovic und Manfred Konieczny haben mit ihrer Aktion einen Nadelstich gesetzt. „Jetzt ist die Politik an der Reihe. Sie muss eine Lösung finden“, sagt ein Anwohner. Vor allem müssten alle Seiten aufeinander zugehen. Gerne hätte Michael Smajlovic schon am Montag mit Politikern diskutiert: „Ich hatte die CDU und SPD eingeladen, leider ist niemand gekommen.“

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