Der Martener Wochenmarkt ist seit fast zehn Jahren in privater Trägerschaft. Das Geburtstagsfest im Mai soll gleichzeitig der Startschuss für einen Neuanfang sein.

Marten

, 19.03.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das verheerende Hochwasser im Mai 2008 hat auch dem Martener Wochenmarkt übel mitgespielt. „Der Marktstromverteiler wurde zerstört und der Markt zum 31. Dezember 2008 eingestellt“, erinnert sich Reiner Gallen. Damals war er noch Vorsitzender der mittlerweile aufgelösten Arbeitsgemeinschaft Martener Vereine.

Und genau diese Arbeitsgemeinschaft war es, die den traditionsreichen Wochenmarkt nicht so einfach in der Versenkung verschwinden lassen wollte. Im Mai 2009 übernahm sie deshalb die Trägerschaft für den Martener Wochenmarkt. Reiner Gallen wurde Marktmeister und ist das bis heute. Das alles liegt nun zehn Jahre zurück und soll am 9. Mai ab 9.30 Uhr gefeiert werden.

Geburtstagsfest heißt „Frühlingshaftes Markterwachen“

Dafür planen Reiner Gallen und die Fleischerei Dasenbrock GmbH, die nach der Auflösung der Arbeitsgemeinschaft 2012 als Träger einsprang, ein kleines Geburtstagsfest - mit finanzieller Unterstützung des Stadtbezirksmarketings. „Frühlingshaftes Markterwachen“ soll es heißen und gleichzeitig ein Neuanfang für den Martener Wochenmarkt sein. „Er soll wieder größer und attraktiver werden“, sagt Reiner Gallen. Denn im Laufe der Jahre ist die Zahl der Verkaufsstände und -wagen erheblich geschrumpft. Zu den besten Zeiten waren es sieben bis acht Händler, die einmal pro Woche auf dem Marktplatz Halt machten. Obst, Gemüse, Fisch, Kartoffeln, Eier, Fleisch, Textilien, alles konnte man dort kaufen.

Martener Wochenmarkt soll wieder größer und attraktiver werden

Die Fleischerei Dasenbrock GmbH betreibt den kleinen Wochenmarkt in Marten in privater Trägerschaft. Verkäuferin Giesela Pfaender ist bei den Kunden beliebt. © Stephan Schütze

Neben der Fleischerei Dasenbrock ist es nur noch der Blumenhandel Vossen, der Marten die Treue hält. Inhaber ist Alois Irtenkauf aus Straelen am unteren Niederrhein an der niederländischen Grenze. „Mein bester Stand“, sagt er ironisch. Trotzdem kommen er und sein Team bereits seit rund 30 Jahren nach Marten. Vor allem wohl aus Verbundenheit. Leerzeiten würden seine Mitarbeiter zum Sträuße-Binden für die nächsten beiden Tage nutzen.

Neustart mit fünf oder sechs Marktbetreibern

Die Verantwortlichen möchten den Wochenmarkt wieder nach vorne bringen. Fünf bis sechs Verkaufsstände sind das Ziel. Und wenn alles gut läuft, soll es passend zum Geburtstagsfest am 9. Mai soweit sein. Einen Obst- und Gemüsehändler konnte Reiner Gallen schon gewinnen. Um weitere Marktschicker will er sich in den kommenden Wochen kümmern. Textilien und Backwaren wären auch noch schön.

Mit von der Partie werden auf jeden Fall auch die Frauen des Martener Sprachcafés sein. Sie wollen am 9. Mai und im Laufe des Sommers an jedem Markttag süße Spezialitäten aus ihren Heimatländern mit Tee anbieten, wie Margarete Konieczny, die das Café leitet, berichtet. Kuchen und Gebäck aus dem Libanon, Marokko, der Türkei, Syrien, Irak und auch aus Deutschland.

Projekt des Sprachcafés soll Frauen Mut machen

Für Margarete Konieczny ist das ausgelagerte Projekt aus dem Sprachcafé aber viel mehr als ein reiner Verkaufsstand. Es sei quasi eine Kontaktbörse, damit die Menschen übers Essen ins Gespräch kommen. Das Sprachcafé läuft seit zwölf Jahren, sie wolle den Frauen, die im Laufe der Jahre an Selbstbewusstsein gewonnen hätten, mit dem Projekt Mut machen: „Macht was aus Eurem Leben.“ Das Projekt sei ein zartes Pflänzchen, das man etwas mehr gießen müsse als andere. Natürlich würden die Hygienebestimmungen beachtet.

Reiner Gallen ist guter Dinge, dass das neue Markt-Konzept aufgehen wird. „Man muss es sich entwickeln lassen. Wenn die Leute merken, dass sie hier Dinge und Qualität kaufen können, die es in Marten so nicht mehr gibt, werden sie kommen.“ Und dann sei da noch das persönliche Verkaufsgespräch. Am Stand der Fleischerei Dasenbrock etwa würde die Kunden mit Namen angesprochen. „Wo erlebt man das sonst noch?“

Martener Wochenmarkt soll wieder größer und attraktiver werden

Von den zahlreichen Falschparkern an den Markttagen ist Reiner Gallen genervt. © Stephan Schütze

„Händler brauchen einen langen Atem“

Auch Blumenhändler Alois Irtenkauf sieht durchaus Chancen, dass Martens Wochenmarkt wieder aufblüht. Dafür müssten die Händler einfach einen langen Atem haben. „Viele kommen ein- oder zweimal. Stimmt dann der Umsatz nicht, bleiben sie wieder weg.“ Horst Dasenbrock ist da nicht ganz so zuversichtlich: „Es ist schwer, Interessenten zu finden. Ich mache schon überall Werbung. Es fehlt ja generell an Nachwuchs.“

Der Verkaufswagen der Dasenbrock GmbH rollt schon seit über 20 Jahren nach Marten: „Wir machen hier richtig gute Umsätze. Wir haben viele Stammkunden, die auch unsere Verkäuferinnen schätzen. Frischfleisch gibt es ja sonst auch nicht im Ort.“ Er sei von Reiner Gallens Engagement und Idealismus begeistert. „Das ist wirklich toll.“

Ein großes Programm ist für den 9. Mai nicht geplant. Wahrscheinlich kommt ein Drehorgelspieler, wahrscheinlich singen die Martener Kindergartenkinder. Was Reiner Gallen viel wichtiger ist an diesem Tag: „Zeigen, was Markt auch ist, nämlich ein Kommunikationszentrum.“ Deshalb werde er mit Hilfe der Quartierskümmerer Tische und Bänke auf dem Marktplatz aufbauen, damit sich die Gäste hinsetzen und plaudern können.

Falschparker sind dem Marktmeister ein Dorn im Auge

Ein Dorn im Auge sind Gallen die regelmäßigen Falschparker an den Markttagen. Sie würden die Markthändler beim Rangieren und Aufbauen behindern und gleichzeitig die Aufenthaltsqualität und damit das Einkaufsvergnügen auf dem Wochenmarkt mindern. In dieser Sache bat Reiner Gallen in der Einwohnerfragestunde der Bezirksvertretung um Hilfe.

Bezirksbürgermeister Heiko Brankamp gab ihm den Tipp, mit datierten Fotos selber das Ordnungsamt auf die Falschparker hinzuweisen. Generell, versicherte Brankamp, werde die Politik das Martener Marktgeschehen auch weiterhin unterstützen. In Sachen Falschparker brachte die BV eine CDU-Anfrage Richtung Verwaltung auf den Weg. Joachim Schmittgen vom Martener Forum hätte sich folgenden Zusatz gewünscht: „Inwieweit können die bei der Neugestaltung der Marktplätze in Eving und Westerfilde gewonnenen Erkenntnisse auf die Situation in Marten übertragen werden?“

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