Materna macht 223 Millionen Euro Umsatz - Rekord

Dortmunder IT-Unternehmen

Nach Adesso hat eine zweite Dortmunder Vorzeigefirma Rekordzahlen vorgelegt: Das IT-Unternehmen Materna hat im Geschäftsjahr 2016 so viel Umsatz gemacht wie noch nie zuvor. Und auch im laufenden Jahr geht der Boom weiter.

DORTMUND

, 26.04.2017, 15:01 Uhr / Lesedauer: 1 min
Materna macht 223 Millionen Euro Umsatz - Rekord

1980 gründeten Dr. Winfried Materna und Helmut an de Meulen ihre Firma. Anfangs bauten sie Rechnernetze an Universitäten auf, dann Roboter-Systeme für Archive. Bald wurde die öffentliche Verwaltung ein wichtiges Geschäft des IT-Dienstleisters: Er begleitet Behörden bei der Digitalisierung – auch Internetseiten wie jene der Bundeskanzlerin sind made by Materna. Reisende an vielen nationalen und internationalen Flughäfen nutzen von Materna installierte Selbstbedienungsterminals für den Check-in und die Gepäckaufgabe. Von den europaweit über 1700 Mitarbeitern sind 960 in Dortmund tätig; der Umsatz dürfte 2015 erstmals 200 Millionen Euro überschritten haben.

Die Materna-Gruppe, ein global aufgestelltes IT-Unternehmen mit Stammsitz in Dortmund, berät Unternehmen und Verwaltungen bei der digitalen Transformation und liefert die dafür benötigten IT-Lösungen. Der Gruppenumsatz erreichte im vergangenen Jahr 223 Millionen Euro. Damit ist Materna um 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr (210 Millionen Euro) gewachsen.

Die höchsten Zuwachsraten verzeichneten Projekte für Behörden (+ 28 Prozent), Projekte im Automobil-Sektor (+ 11 Prozent) sowie Beratungsleistungen zu SAP-Lösungen (+ 10 Prozent).

950 Materna-Angestellte arbeiten in Dortmund

1700 Mitarbeiter beschäftigt Materna europaweit, rund 950 davon, berichtet Chief Executive Officer (CEO) Helmut Binder, arbeiten in Dortmund, „unserer regionalen Heimat“. Um dem Fachkräftemangel in der IT-Branche entgegenzuwirken, setze man unter anderem aufs duale Studium, auf Kooperationen mit Hochschulen. „Wir stehen ja nicht nur in Konkurrenz mit anderen IT-Dienstleistern, sondern auch mit unseren Kunden. Mit Anwendern, die um IT-Fachkräfte werben“, sagt Binder.

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Das sind bedeutende Unternehmen in Dortmund

Ob als Dienstleister der Kanzlerin, Tischler für Apple oder Versicherer ohne Werbung - im Wirtschaftsstandort Dortmund sind einige große Unternehmen angesiedelt. Wir stellen 12 der größten vor.
01.04.2016
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In der Dreifaltigkeitskirche am Borsigplatz feiern Fans bisweilen schwarzgelbe Gottesdienste. Sie singen BVB-Lieder, erinnern an die Gründung und beten für Fortune. Vor allem aber danken sie dem lieben Gott, dass der BVB 2005 knapp der Insolvenz entging. Längst steht der Verein sportlich wie wirtschaftlich wieder blendend da. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bezifferte auf der letzten Mitgliederversammlung im November 2015 das Festgeldkonto der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA auf 53,7 Millionen Euro. Der Verein mit seinen rund 600 Mitarbeitern ist wieder schuldenfrei und will bald die Umsatzmarke von 300 Millionen Euro knacken.© Foto: Dieter Menne
Der Name Dula – Dustmann Ladenbau – ist eher unbekannt. Viele Kunden der Unternehmensgruppe mit Hauptsitz Dortmund sind dafür umso namhafter: BMW, Kaufhof, Zara, H&M und viele andere internationale Konzerne haben in Sachen Innenausbau und Ladengestaltung schon auf Dula gesetzt. Seit fast zehn Jahren baut Dula auch Möbel für Apple. Firmenchef Heinz-Herbert Dustmann durfte 2015 erstmals erzählen, dass in den münsterländischen Werken die Tische hergestellt werden, auf denen Apple in seinen Stores Smartphones, Tablets und Notebooks bettet.
Dula, mit Hauptsitz in Hombruch und international vertreten, hat mehr als 1000 Mitarbeiter und einen Umsatz im dreistelligen Millionenbereich.© Foto: Archiv
Der IT-Dienstleister Adesso hat seine Zentrale an der Stadtkrone-Ost.© Archivfoto: Oliver Schaper
Wer von Westen über die A 40 nach Dortmund fährt, passiert die Ausfahrt Dorstfeld (die in den Technologiepark und zur TU führt). Dort steht ein großes Parkhaus – das der Elmos Semiconductor AG. Das 1984 gegründete Unternehmen hat in Dortmund seinen Hauptsitz und den Hauptproduktionsstandort für Halbleiter. Diese Mikrochips sind zum Beispiel in Bewegungsmeldern oder Beatmungsgeräten eingebaut. 85 Prozent des Umsatzes (2015: 219,6 Millionen Euro) generiert Elmos im Automobilbereich. Die Chips finden sich bei Autos etwa in Einparkhilfen und LED-Scheinwerfern; im VW Golf VII sorgen sie dafür, dass das Display auf Gesten reagiert. Elmos hat weltweit rund 1100 Mitarbeiter.© Foto: Knut Vahlensieck
Die Volkswohl Bund Versicherungen existieren seit 1919, dennoch heißt es an Kunden gerichtet auf der Internetseite: „Wahrscheinlich kennen Sie uns nicht.“ Man werbe nicht, setze stattdessen darauf, von Versicherungsmaklern und freien Finanzdienstleistern empfohlen zu werden. In Dortmund kennt man den Volkswohl Bund, dessen markante Verwaltung am Südwall in die Höhe ragt. Die Volkswohl Bund Lebensversicherung a.G. (1,357 Milliarden Euro Beitragseinnahmen 2014) und ihre Tochter Volkswohl Bund Sachversicherung AG verstehen sich als Versicherer für Privatleute und den gewerblichen Mittelstand. Die Versicherungen haben 680 Mitarbeiter, 600 davon in Dortmund.© Foto: Dieter Menne
Ganz gleich, wo in Europa jemand zum Beispiel ein Billy-Regal von Ikea kauft – es lagerte zuvor in aller Regel im Dortmunder Norden. Im Europalager des Möbelriesen in Ellinghausen. Das steht auf einer mehr als 200 Fußballfelder großen Fläche, früher eine Abräumhalde der Hoesch AG. Hier gibt es Platz für 800 000 Paletten und Arbeit für aktuell 1600 Menschen. Rund 400 LKW steuern das Lager täglich an. Sie beliefern alle Ikea-Möbelhäuser in Europa – auch jenes im Indupark. Im Logistikpark auf der Westfalenhütte, dem einstigen Hoesch-Standort, geht im April ein weiteres Ikea-Verteilzentrum in Betrieb: Der französische Dienstleister ID Logistics verschickt von dort für die Schweden Waren, die Kunden aus Deutschland und Belgien online bestellen.© Foto: Knut Vahlensieck
Karl Kappert und Luis Holstein gründeten 1868 in Dortmund eine Firma, um Abfüllanlagen für das noch neue Flaschenbier zu bauen. In der Stadt gab es damals noch über 30 Brauereien. Heute ist KHS – 1993 aus dem Zusammenschluss von Holstein & Kappert sowie der Seitz-Werke GmbH in Bad Kreuznach entstanden – ein internationaler Konzern. Er stellt Abfüll- und Verpackungsanlagen für die Getränke-, die Food- und die Non-Food-Industrie her, betreibt Werke in Deutschland, Mexiko, Brasilien, Indien, China und den USA. KHS (über eine Milliarde Euro Umsatz 2014) ist seit 2011 eine 100-prozentige Tochter der Salzgitter Klöckner-Werke.
In Dortmund an der Jucho-straße beschäftigt KHS knapp 1400 Mitarbeiter.© Foto: Knut Vahlensieck
1980 gründeten Dr. Winfried Materna und Helmut an de Meulen ihre Firma. Anfangs bauten sie Rechnernetze an Universitäten auf, dann Roboter-Systeme für Archive. Bald wurde die öffentliche Verwaltung ein wichtiges Geschäft des IT-Dienstleisters: Er begleitet Behörden bei der Digitalisierung – auch Internetseiten wie jene der Bundeskanzlerin sind made by Materna. Reisende an vielen nationalen und internationalen Flughäfen nutzen von Materna installierte Selbstbedienungsterminals für den Check-in und die Gepäckaufgabe.
Von den europaweit über 1700 Mitarbeitern sind 960 in Dortmund tätig; der Umsatz dürfte 2015 erstmals 200 Millionen Euro überschritten haben.© Foto: Knut Vahlensieck
Dortmund und RWE haben eine spezielle Beziehung. Unter den Kommunen, die zusammen knapp 25 Prozent am Energiekonzern halten, sind die Dortmunder Stadtwerke (DSW 21) größter Einzelaktionär – mit 23,6 Millionen Aktien. Groß war daher der Aufschrei in der Stadt, als der RWE-Vorstand Mitte Februar ankündigte, dieses Jahr die Dividende fast komplett zu streichen. RWE ist in der Stadt auch ein großer Arbeitgeber. RWE Vertrieb hat hier seine Zentrale mit 600 Mitarbeitern. Die 100-prozentige RWE-Tochter Westnetz beschäftigt ebenfalls 600 Mitarbeiter. Mit den Angestellten weiterer RWE-Gesellschaften kommt man auf 2000 RWE-Leute in Dortmund. Wie es nach dem Konzern-Umbau aussieht? Noch offen.© Foto: Dieter Menne
1872 als Kupfer- und Messingwarenfabrik gegründet, ist Wilo heute der umsatzstärkste und größte Weltmarktführer aus Dortmund. Der Pumpenhersteller ist auf allen Kontinenten aktiv und beschäftigt weltweit rund 7380 Mitarbeiter; 1750 davon in Dortmund. 2015 verzeichnete Wilo mit über 1,31 Milliarden Euro den sechsten Rekordumsatz in Serie. Das Unternehmen produziert Pumpen für die Heizungs-, Kälte- und Klimatechnik sowie für die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung. Rund 80 Prozent des Umsatzes entstehen im Ausland. Dreh- und Angelpunkt aber bleibt Dortmund, wo Wilo bis 2022 über 100 Millionen Euro unter anderem in einen neuen Produktionskomplex, neue Büros und einen Campus stecken will.© Foto: Knut Vahlensieck
Der Signal Iduna Park ist Fußballfans bundesweit bekannt: als Stadion von Borussia Dortmund. Die Versicherungsgruppe Signal Iduna hält seit 2005 das Namensrecht. Die neben Hamburg zweite Hauptverwaltung des Konzerns befindet sich ein paar Torwartabschläge vom Stadion entfernt. Als BVB-Sponsor habe man den eigenen Bekanntheitsgrad erhöht, freute sich jüngst Ulrich Leitermann, Vorstandsvorsitzender der Versicherung. Sie zählt zu den größten in Deutschland, erzielte 2014 5,59 Milliarden Euro an Beitragseinnahmen. Noch gibt es in Dortmund 2200 Mitarbeiter. Doch der Konzern muss – unter anderem angesichts niedriger Zinsen – sparen. Bis Ende 2017 sollen 1850 Stellen übrig bleiben.© Foto: Stephan Schütze
An der Ruhrallee Richtung City steht die Zentrale einer weiteren Versicherung: der Continentale. Unter dem Dach der 1926 gegründeten Continentale Krankenversicherung a.G. – eines Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit – bilden verschiedene Versicherer einen Verbund mit Beitragseinnahmen von 3,5 Milliarden Euro (2014). Dazu zählen die Kranken-, Lebens- und Sachversicherungen der Continentale, zudem die Europa Versicherungen für Lebens- und Sachversicherungen. Zu den Kunden der Mannheimer Versicherungen zählen Besitzer von Kunst, Booten und Oldtimern. Für die Continentale arbeiten in Dortmund 1600 Menschen im Innen- und Außendienst.© Foto: Oliver Schaper
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Sehr erfolgreich sei im vergangenen Jahr eine Initiative zur Kundenakquise verlaufen: „Es konnten rund 100 Neukunden gewonnen werden“, so Binder. „Insgesamt haben unsere Mitarbeiter im vergangenen Jahr über 800 Projekte erfolgreich durchgeführt.“ Zu den größten Kunden zählen Daimler, die Deutsche Post DHL Group, Volkswagen sowie das Informationstechnikzentrum Bund, der zentrale IT-Dienstleister für Bundesbehörden.

Erneutes Umsatzplus in den ersten drei Monaten 2017

Auch für 2017 plant Materna ein deutliches Wachstum. „Wir sind hervorragend in das Jahr gestartet“, sagt Binder. „Unsere Unternehmensgruppe erzielte in den ersten drei Monaten ein Umsatzplus von über 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.“

Der Umsatzanteil im Ausland lag 2016 bei 15 Prozent. Materna ist als weltweiter Zulieferer von Soft- und Hardware-Lösungen für die automatisierte Passagierabfertigung an Flughäfen bekannt. Das Unternehmen plant, diesen Geschäftsbereich weiter auszubauen. 

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