Mega-Umzug von Wilo macht großen Schritt - gefeiert werden darf nicht

rnWilo-Park

Wilo wollte am Donnerstag eigentlich zwei wichtige Meilensteine seines neuen Firmen-Campus groß feiern. Doch dann kam Corona. Wie wirkt sich die Krise auf das 300-Millionen-Euro-Projekt aus?

Dortmund

, 23.04.2020, 20:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es sind manchmal profane Kleinigkeiten, die große Ereignisse veranschaulichen. Am Donnerstagnachmittag spielte sich eine solche Szene unbemerkt vor der Zentrale des Dortmunder Pumpen-Herstellers Wilo ab: Zwei Handwerker montierten den grünen Unternehmens-Schriftzug vor dem Eingang der Unternehmenszentrale ab und luden ihn in einen Kleinlaster.

Der Wilo-Schriftzug verschwand am Donnerstagnachmittag vor der alten Unternehmenszentrale.

Der Wilo-Schriftzug verschwand am Donnerstagnachmittag vor der alten Unternehmenszentrale. © Thomas Thiel

Bald wird auch das Gebäude dahinter verschwinden, genau wie die benachbarten alten Produktionshallen: Der Abriss ist Teil eines riesigen 300-Millionen-Euro-Bauvorhabens. Am südlichen Rand von Phoenix-West entsteht der Wilo-Park.

Auf dem 26 Fußballfelder großen Firmen-Gelände sollen bis Ende 2022 alle knapp 2000 Wilo-Angestellten in Dortmund arbeiten, die bisher auf fünf Standorte aufgeteilt waren.

Um einen geschlossenen Campus zu bekommen, baut das Unternehmen sogar eine neue Nortkirchenstraße mit drei Kreisverkehren, die bestehende Straße wird in „Wilo-Park“ umbenannt und zur Werksstraße, die nachts geschlossen werden kann.

Ab kommender Woche startet nun der Bezug der neuen Firmenzentrale, des 45 Millionen Euro teuren so genannten „Pioneer Cube“ (Pionier-Würfel). Das siebenstöckige Gebäude mit seinen großen Fenstern, den Wänden aus unverputztem Waschbeton und den verglasten Besprechungskabinen, das von der B54 aus gut zu sehen ist, bietet Platz für 500 Mitarbeiter und den Vorstand von Wilo.

Bereits seit Ende März ist mit dem Einzug der Elektronik-Abteilung aus Oespel das Herzstück des Wilo-Parks komplett: die „Smart Factory“. In drei über 10.000 Quadratmeter großen Hallen produzieren 900 Mitarbeiter jeden Tag mehrere Tausend Pumpen für Heizungsanlagen unterschiedlichster Größe, von Mehrfamilienhäusern bis hin zu ganzen Büro-Hochhäusern.

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So sieht es derzeit im Wilo-Park aus

Der neue Wilo-Park nimmt immer mehr Form an: Ab dem 27. April bezieht der Pumpenhersteller seine neue Zentrale auf dem Firmengelände. Die neue "Smart Factory" ist seit einigen Wochen komplett. Ein Rundgang.
23.04.2020
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Eines der Büros in der neuen Wilo-Zentrale.© Oliver Schaper
Das Foyer der neuen Wilo-Zentrale.© Oliver Schaper
Noch sind die Schreibtisch-Inseln mit Schutzplanen verhangen. Ab dem 27. April werden die ersten Mitarbeiter einziehen.© Oliver Schaper
Es wird in der neuen Zentrale keine festen Arbeitsplätze geben - die Mitarbeiter können ihre Firmen-Laptops an jedem Platz andocken. Persönliche IT-Hardware wie Maus und Tastatur können in solchen Spinden in den jeweiligen Abteilungen verwahrt werden.© Oliver Schaper
Das Herzstück des neuen Wilo-Parks ist die "Smart Factory" gegenüber der neuen Zentrale. © Oliver Schaper
900 Mitarbeiter arbeiten in bis zu drei Schichten in der hochmodernen Fabrik.© Oliver Schaper
Die "Smart Factory" ist sehr transparent aufgebaut. Eine große Fensterfront erlaubt Besuchergruppen von der EIngangshalle aus einen direkten Blick in die Produktionshalle. Ein Skywalk führt durch die gesamte Fabrik.© Oliver Schaper
Auf einer großen Leinwand im Eingangsbereich der "Smart Factory" werden in Zukunft aktuelle Produktionszahlen gezeigt werden. Gegenwärtig erinnert eine Animation an die Verhaltensregeln in Zeiten von Corona.© Oliver Schaper
Die Außenfassade der "Smart Factory" besteht teilweise aus einer 26 mal 7 Meter großen Leinwand, auf der aktuelle Unternehmensnachrichten gezeigt werden.© Oliver Schaper
Noch ähnelt der neue Wilo-Park einer großen Baustelle. Ende 2022 werden die letzten Arbeiten voraussichtlich fertig sein.© Oliver Schaper

160 Millionen Euro kostete die hochmoderne, durchdigitalisierte Fabrik, deren Klimaanlage automatisch die Wetterprognosen der kommenden Tage berücksichtigt und in deren Gängen fahrerlose Fahrzeuge die unterschiedlichen Produktionsbereiche mit Material beliefern.

Auch Angela Merkel hatte zugesagt

Diese beiden Meilensteine des neuen Wilo-Parks wollte der Pumpenhersteller eigentlich groß feiern. Am Donnerstag (23.4.) war die offizielle Eröffnung der „Smart Factory“ geplant, mit 700 Gästen aus aller Welt und reichlich Polit-Prominenz - Ministerpräsident Armin Laschet wollte kommen, sogar Kanzlerin Angela Merkel hatte zugesagt. Am Wochenende sollte dann ein Familienfest für die Mitarbeiter folgen, man rechnete mit 5000 Besuchern.

Doch dann kam die Corona-Krise und machte die Feierlichkeiten unmöglich. „Das ist ein ganz schwieriger Tag für uns“, sagte deshalb auch Wilos Technologie-Vorstand Georg Weber am Donnerstag, dem Tag der geplanten Eröffnungsfeier.

So soll der Wilo-Park einmal aussehen, wenn er fertig ist. Vor der neuen Zentrale entsteht ein zentraler Platz von der Größe des Friedensplatzes.

So soll der Wilo-Park einmal aussehen, wenn er fertig ist. Vor der neuen Zentrale entsteht ein zentraler Platz von der Größe des Friedensplatzes. © Wilo (Animation)

Die Bauarbeiten am Wilo-Park wurden laut Weber aber bisher nur marginal von Corona beeinträchtigt. „Beim Pioneer Cube mussten wir die Bautrupps etwas auseinander ziehen“, sagt er, dadurch sei man bei der neuen Zentrale zwei bis drei Wochen in Verzug. Die neue Nortkirchenstraße werde man aber fristgerecht Ende Mai an die Stadt übergeben können.

Beim Bezug der neuen Zentrale will Weber in Zeiten von Corona „behutsam“ vorgehen. Derzeit seien die meisten Verwaltungsmitarbeiter im Homeoffice, man plane jetzt erst einmal 200 der 500 Angestellten ins Büro zurückzuholen. In der „Smart Factory“, wo naturgemäß kein Homeoffice möglich ist, wird nun in mehr Schichten gearbeitet, um die Anzahl der gleichzeitig arbeitenden Menschen zu reduzieren.

Genug zu tun gibt es jedenfalls: „Die Auftragslage ist gut“, sagt Weber. Derzeit arbeitet Wilo sogar an einem Ausbau der Produktion: „Wir sind davon überzeugt, dass der Markt im dritten und vierten Quartal wieder anzieht.“

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