Ein Eklat um die Pink-Floyd-Schau begleitete den vorzeitigen Abschied von U-Turm-Chef Edwin Jacobs. Die Nachfolger-Suche dauert an. Aber es gab 2019 auch gute Nachrichten aus der Kultur.

Dortmund

, 02.01.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die meisten, die die Pink-Floyd-Ausstellung „Their Mortal Remains“ im Dortmunder U gesehen haben, waren begeistert. Das Problem war: Es waren viel zu wenige, die sie gesehen haben.

Bis zum Abschluss der Ausstellung Mitte Februar 2019 wurden nach fünf Monaten offiziell gerade einmal 60.784 zahlende Besucher gezählt - weniger als als halb so viele wie erwartet. Die Kosten, die an der Stadt hängenbleiben, haben sich dafür mit gut 2 Millionen Euro mehr als verdoppelt.

Für einen Eklat sorgte vor allem, dass die Wahrheit erst scheibchenweise ans Licht kam. Durch einen Vertrag mit dem US-Unternehmen CPI, das die Pink-Floyd-Ausstellung weltweit vermarktete, habe man die Zahlen zunächst nicht offen kommunizieren können, erklärte Stadtdirekor Jörg Stüdemann - verbunden mit dem Versprechen, dass die Stadt „Lizenzverträge mit derart drangsalierenden Bedingungen“ nicht mehr schließen werde.

Abschied des U-Turm-Chefs

Nur ein Zufall soll es sein, dass zeitgleich mit der Diskussion um die Pink-Floyd-Ausstellung Museumsdirektor Edwin Jacobs, der die Schau nach Dortmund geholt hatte, das Dortmunder U nach zweieinhalb Jahren schon wieder verließ. Der Niederländer, der 2017 mit großen Ambitionen in Dortmund gestartet war, übernahm im September die Leitung der Kunstakademie in Maastricht.

Seitdem wird ein Nachfolger für die Leitung von U-Turm und Museum Ostwall gesucht. Und das gestaltet sich offensichtlich schwieirig. Bis Ende Februar will man einen Kandidaten oder eine Kandidatin ausgewählt haben, kündigt Stüdemann nun auf Anfrage an. Im März könnte der Rat dann über eine neue Leitung im U-Turm entscheiden.

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Ob die dann die Gesamtleitung im Dortmunder U oder „nur“ das Museum Ostwall übernimmt, sei noch offen. Der neue Chef oder die neue Chefin soll aber auf jeden Fall von Verwaltungsaufgaben entlastet werden, erklärt Stüdemann.

Wiedereröffnung verzögert sich

Das Problem ist: Die Programmplanung für das Museum Ostwall liegt seit fast einem Jahr mehr oder minder brach. Größere neue Ausstellungen sind nicht in Sicht. Und auch die eigentliche Museumssammlung ist seit Ende März 2019 geschlossen. Der Umbau war unter der Regie von Jacobs seit längerer Zeit geplant, sollte allerdings nur sechs Monate dauern.

Für den 6. Oktober 2019 war die Wiedereröffnung der Dauerausstellung unter dem Titel „Body & Soul. Was wir sind“ avisiert. Doch die Türen der Museumsetagen sind immer noch geschlossen. Eine Wiedereröffnung wird nun für den 8. Februar 2020 angekündigt.

Die Kultur-Tops des Jahres

Während die Entwicklung im U-Turm leider wieder einmal zu den Flops des Kulturjahres gezählt werden muss, gibt es durchaus einige Tops im Dortmunder Kulturleben. Dazu gehören auch die Dortmunder Museen. Denn die seit Anfang 2019 geltende Regelung, dass der Eintritt in die Dauerausstellungen frei ist, hat die Besucherzahlen deutlich steigen lassen.

Eintritt frei für die städtischen Museen verkündeten Anfang 2019 (v.l.) Regina Selter (Museum Ostwall), Jens Stöcker (MKK), Kulturbetriebe-Chef Dr. Stefan Mühlhofer, Dr. Dr. Elke Möllmann (Naturkundemuseum) und Edwin Jacobs (Museum Ostwall).

Eintritt frei für die städtischen Museen verkündeten Anfang 2019 (v.l.) Regina Selter (Museum Ostwall), Jens Stöcker (MKK), Kulturbetriebe-Chef Dr. Stefan Mühlhofer, Dr. Dr. Elke Möllmann (Naturkundemuseum) und Edwin Jacobs (Museum Ostwall). © Oliver Volmerich

„Am stärksten profitiert hat das Museum für Kunst und Kulturgeschichte (MKK), das seine Besuchszahlen insgesamt mehr als verdoppeln konnte“, berichtet Stadtsprecherin Katrin Pinetzki. 59.070 Besucher bis Mitte Dezember bedeuten ein Plus von 124 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Brauerei-Museum stieg die Zahl der Besucher um 20 Prozent auf mehr als 23.000 , im Hoeschmuseum um 5 Prozent auf rund 8000.

Ein wenig konnte auch das Museum Ostwall vom freien Eintritt profitieren. In den ersten drei Monaten des Jahres 2019, in denen es noch geöffnet war, kamen 9722 Besucher in die Dauerausstellung. Im selben Zeitraum des Vorjahres war es nur 3664.

Mehr als 13.600 Besucher zählte 2019 das Kindermuseum Adlerturm, mehr als 17.000 Besucher das Westfälische Schulmuseum. In beiden ist schon seit 2016 der Eintritt frei. Der im April eröffnete Schauraum „comic + cartoon“ im Gebäude der Bibliothek kam in neun Monaten schon auf knapp 9000 Besucher.

Einen neuen Besucherrekord verzeichnete zu seinem 20jährigen Bestehen das zum Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) gehörende Industriemuseum Zeche Zollern in Bövinghausen. Das „Schloss der Arbeit“ zählte 2019 120.100 Besucher (2018: 108.400)

Abschied und Neustart am Theater

Hauptanziehungspunkte insbesondere für auswärtige Besucher sind im Dortmunder Kulturleben weiterhin Konzerthaus und Theater inklusive Ballett und Dortmunder Philharmonikern, die auf beständig hohem Niveau spielen. Das zeigen erneut auch zahlreiche Kritikerpreise.

Im Schauspiel läuft die Abschiedssaison von Intendant Kay Voges, der mit der Digitalisierung des Theaters bundesweit für Aufsehen sorgt. Er wechselt nach Wien. Nachfolgerin wird im September Julia Wissert, die dann mit 35 Jahren die jüngste Theaterintendantin in Deutschland ist.

Man kann ihr nur wünschen, dass sie einen ähnlich guten Start hat, wie der seit Oktober 2018 amtierende Opern-Intendant Heribert Germeshausen. Wirtschaftlich war seine erste Spielzeit 2018/19 die erfolgreichste der letzten zehn Jahre am Opernhaus. Die Besucherzahlen sind ebenfalls weiter gestiegen.

Und mit der Akademie für Theater und Digitalität, dem ersten „Junge Oper“-Ensemble und dem Opernstudio NRW gibt es eine ganze Reihe an Neuerungen, die auch für die Zukunft spannende Kulturabende in Dortmund versprechen.

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Sie hat dem Dortmunder U als Ausstellungsort Renommee verschafft. Doch die Besucherzahl der Pink-Floyd-Ausstellung, die am 10. Februar zu Ende ging, blieb deutlich unter den Erwartungen. Von Oliver Volmerich

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