In ihrer Kolumne "Dinner for One" schreibt Charlotte Schuster über Themen, die Singles beschäftigen. © Grafik: Klose
Kolumne „Dinner for One“

Meine beste Freundin ist frisch verliebt und ich bin total genervt!

Personen, die frisch verliebt sind, können ihre Single-Freunde zeitweise ganz schön um den Verstand bringen. Der nächste Teil unserer Single-Kolumne „Dinner for One“.

Vor einigen Wochen hat meine beste Freundin Michelle einen Typen auf Tinder kennengelernt. Vorerst war ich mir noch sicher, dass sich aus den beiden nicht mehr als eine Freundschaft Plus entwickeln wird. Wobei die Betonung auf „vorerst“ liegt. Denn mittlerweile sind Michelle und Marco unzertrennlich.

Selbstverständlich gönne ich meiner besten Freundin ihr Liebesglück. Das gehört sich ja auch nun mal so. Doch zwischendurch gehen mir ihr Liebesgesäusel und ihre elendig langen Geschichten über ihren „Mausi“ ganz schön auf den Keks.

LEBEN UND LIEBEN

LESEN SIE MEHR ÜBER SINGLES UND BEZIEHUNGSTHEMEN

Auf der Übersichtsseite „Leben und Lieben“ unserer Zeitungsportale finden Sie Themen rund um Singles, Beziehungen und Liebe Ruhr Nachrichten / Hellweger Anzeiger

Jede Geschichte handelt um „Mausi“

Als Michelle noch Single war, haben wir uns jeden Freitagabend getroffen, um mindestens vier Folgen Grey’s Anatomy zu schauen und gemeinsam einen großen Eisbecher Ben & Jerry’s zu mampfen. Seitdem sie mit Marco zusammen ist, führe ich diese Tradition alleine weiter, was mir sicherlich schon das ein oder andere Kilo mehr eingebracht hat.

„Sei mir nicht böse, wir können uns ja an einem anderen Tag treffen, aber freitags schlafe ich sooo gerne neben Mausi ein“, musste ich mir anhören, nachdem ich bereits das dritte Mal versetzt wurde. Ich würde Michelle ja verstehen, wenn sie und Marco sich nur selten sehen könnten. Jedoch sind die beiden wie Brot und Butter, also nicht mehr ohne einander aufzufinden.

Vergangene Woche haben Michelle und ich uns tatsächlich mal wieder verabredet. Sogar ohne Marco – vermutlich weil er keine Zeit hatte, aber das ist nur reine Spekulation meinerseits. Doch obwohl er bei unserem Treffen nicht anwesend war, drehte sich jedes Gesprächsthema nur noch um ihn. „Letztens hat Mausi mir Rosen mitgebracht, einfach so! Wir sind uns so vertraut. Ich gehe sogar aufs Klo, wenn er auch im Bad steht“ und bla bla bla.

Abgesehen davon, dass mich deren Klo-Liebesgeschichten nicht ansatzweise interessieren, treibt es mich in den Wahnsinn, dass es anstatt „Ich“ nur noch „Wir“ gibt. Ich meine, auch in einer Beziehung ist man doch noch eine eigenständige Person, die das Wörtchen „Ich“ in den Mund nehmen darf.

Die beiden „Mausis“ turteln direkt neben mir rum

Neulich waren Michelle und Marco gemeinsam bei zu Besuch. Meine Bereitschaft, ein frisch verliebtes Pärchen einzuladen, wurde nicht belohnt: Küsschen hier, Umarmung da und ein ständiger Austausch von Komplimenten – und neben diesem kitschigen Geturtel saß ich, angeekelt und genervt. Es ist ja vollkommen in Ordnung, dass die beiden sich gegenseitig ihre Liebe zeigen, aber doch bitte in ihren eigenen vier Wänden.

Ebenso zu Weißglut haben mich ihre dämlichen Kosenamen gebracht. Die beiden „Mausis“ haben wohl vergessen, dass sie noch richtige Namen besitzen. Denn Michelle und Marco sind Geschichte, es gibt nur noch „Mausi“ und „Mausi“. Doch schlimmer ist, dass es nicht nur bei dem Kosenamen bleibt.

Ist Marco beispielsweise frisch geduscht, ist er „Frischi-Mausi“, kommt er vom Fitnessstudio, ist er „Stinki-Mausi“. Ihre Eltern haben sich sicherlich viel Mühe bei der Namensfindung gegeben, weshalb diese auch wertgeschätzt und genutzt werden sollte.

Hoffentlich beruhigen die beiden „Mausis“ sich bald auf Wolke Vier

Ich gönne meiner besten Freundin ihre Beziehung. Ich gönne ihr sie wirklich. Ich verstehe sogar, dass sie in der jetzigen Anfangszeit noch auf Wolke Sieben schwebt. Allerdings freue ich mich bereits auf die Zeit, wenn sie glücklich mit Marco auf Wolke Vier unterwegs ist und sie sich nicht mehr benimmt wie ein Teenager.

Ein paar kurze Tipps an all diejenigen, die frisch in einer Beziehung sind: Sagt euren besten Freunden nicht immer aufgrund eures neuen Partners ab. Es ist verständlich, dass ihr erstmals viel Zeit mit ihm verbringen möchtet. Nichtsdestotrotz dürft ihr eure Freundschaften nicht vernachlässigen. Das würde euch schlussendlich selbst nicht glücklich machen und zudem ist es ungerecht euren Freunden gegenüber.

Außerdem dürft ihr nicht vergessen, dass ihr trotz Partnerschaft noch eine eigenständige Person seid. Ihr dürft also eure eigene Meinung vertreten, auch wenn die von der eures Partners abweicht. Ab und zu mal ein „Ich“ statt ein „Wir“ zu nutzen ist also vollkommen legitim. Zu den Kosenamen kann ich nicht viel sagen außer: Lasst es einfach sein! Der Kosename „Schatz“ ist echt das höchste der Gefühle.

Und noch ein Tipp an alle Singles, die von nervigen Paaren betroffen sind: Haltet durch. Die frisch verliebte Phase geht bei jedem irgendwann vorbei. Dann müsst ihr eure Freitagabende nicht mehr alleine verbringen, eure Gesprächsthemen werden nicht mehr so eintönig sein und ihr müsst euch weder Geturtel ansehen noch irgendwelche Kosenamen ertragen.

Über die Autorin
Freier Mitarbeiter
Neben dem Journalistik-Studium unterstützt Charlotte Schuster die Redaktion in Werne. Im Sommer 2020 hat sie ein Praktikum bei den Ruhr Nachrichten absolviert, welches ihr die schönen Seiten des Lokaljournalismus gezeigt hat.
Zur Autorenseite
Charlotte Schuster