In ihrer Kolumne "Dinner for One" schreibt Charlotte Schuster über Themen, die Singles beschäftigen. © Grafik: Klose
Kolumne „Dinner for One“

Meine schlimmsten Dates: So schnell kann das erste Treffen das letzte sein

Als Single hohe Ansprüche an das erste Date haben? Genau richtig, findet unsere Autorin. Der nächste Teil unserer Single-Kolumne „Dinner for One“.

Wer behauptet, Dates seien durchweg aufregend, der lügt. Glaubt mir, ich spreche aus Erfahrung. Ich habe schon viele erste Treffen gehabt – manche waren schön, andere ganz in Ordnung. Doch der Großteil davon war leider ein Schuss in den Ofen.

Das lag dann entweder daran, dass die Chemie zwischen meinem Gegenüber und mir überhaupt nicht stimmte, oder er sich ein absolutes No-Go leistete. Um zu beweisen, wie öde Dates seien können, habe ich drei misslungene Dates Revue passieren lassen.

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Einen über den Durst trinken – bitte nicht beim ersten Date

Im Sommer dieses Jahres habe ich Sebastian* kennengelernt. Für unser erstes Date hat er mich in ein schickes italienisches Restaurant eingeladen. Auf Empfehlung der Kellnerin haben wir uns beide ein Glas Weißwein bestellt. Soweit so gut. Auffällig war es jedoch, dass Sebastian seinen Wein runtergekippt hat, als würde es sich dabei um Mineralwasser handeln.

Als er ausgetrunken hatte, beklagte er sich bei mir, dass ihm der Wein nicht besonders gut geschmeckt hätte. „Dafür ging der aber ganz schön schnell weg“, dachte ich mir. Weniger Minuten später bestellte er sich kurze Hand ein Bier. Das hat er ebenso schnell weggezischt. So ging es den ganzen Abend weiter. Irgendwann folgten auch noch Pinnchen gefüllt mit Schnaps.

Gegen ein wenig Alkohol habe ich sicherlich nichts einzuwenden, aber wie sagt man so schön? Die Menge macht das Gift. So war es auch bei Sebastian. Mit jeder Bestellung wurde er nämlich nicht nur betrunkener, sondern auch unausstehlicher. Er sprach über unangebrachte Themen, wie über das „sexy Outfit“ des Mädchens an unserem Nachbartisch, und war unhöflich der Kellnerin gegenüber.

Da ich mich für Sebastian geschämt habe und die gesamte Situation von Minute zu Minute immer peinlicher wurde, verließ ich das Restaurant noch bevor ich meine Spaghetti aufgegessen hatte. Von Sebastian habe ich danach nie wieder etwas gehört – bedauern tue ich es nicht.

Finger weg vom Handy beim ersten Date

Vor ein paar Monaten hatte ich mich mit Martin* verabredet. Unser erstes – und übrigens auch letztes Date – haben wir am Möhnesee verbracht. Vorerst verlief unser Treffen einwandfrei: Wir saßen auf einer Holzbank, von der wir einen tollen Ausblick auf das Gewässer hatten, und haben nett miteinander gequatscht.

Dann ging das Spektakel los: Als die Sonne unterging, holte Martin sein Handy heraus, um „den Moment festzuhalten“. Doch anstatt mal eben ein Foto zu schießen, machte er mindestens zwanzig aus den verschiedensten Positionen. Als hätte er nicht schon genug Bildmaterial, bat er mich, noch welche von ihm vor dem Sonnenuntergang zu machen.

Leider sahen die von mir gemachten Fotos nicht professionell genug aus. Deshalb erklärte Martin mir haargenau, worauf ich beim Ablichten achten müsse. Nachdem ich dann wusste, wie ich das Porträt, das Licht und die Schärfe einzustellen habe, durfte ich nochmal an die Arbeit. Nach gefühlten tausend Fotos war zum Glück ein passendes dabei.

Doch dieses musste er dann noch langwierig bearbeiten und auf Instagram hochstellen. Ich saß einfach nur dumm daneben. Na ja, anstatt eines richtigen ersten Dates erhielt ich einen Crash-Kurs für Fotografie. Nicht das, was ich mir erhofft hatte, aber zumindest war Martin glücklich, weil er seine Follower auf Social Media mit einem neuen Foto beglücken konnte.

Eine Spur zu viel: Ein Gentleman, der mit Komplimenten um sich wirft

Vor kurzem hatten Lasse* und ich unser erstes Date in einem Café. Er war höflich, freundlich und sah genauso ansprechend aus, wie auf seinem Tinder-Profilbild. Gentlemanlike hielt er mir die Tür auf, half mir aus meinem Mantel und rückte mir den Stuhl zurecht.

Zudem überschüttete er mich regelrecht mit Komplimenten. „Das Kleid steht dir super“, „Ich kann gar nicht aufhören, in deine schönen Augen zu schauen“, „Dein Lachen steckt einen förmlich an“ und so weiter. An und für sich war er zwar freundlich, doch trotzdem war mir sein Verhalten eine Spur zu viel. Ich habe mich schon regelrecht unwohl in seiner Gegenwart gefühlt.

Seine Art kam aufgesetzt rüber und seine Komplimente wie einstudiert – so als hätte er am Tag vor unserem Date noch gegoogelt, wie ein wahrer Gentleman sich vor einer Frau verhält. Dadurch hatte ich das Gefühl, dass er seine Worte gar nicht ernst meint, sondern nur so daher sagt. Das war ganz eindeutig das erste und das letzte Treffen von Lasse und mir.

Mama sagt, ich bin zu kritisch

Meine Mutter sagt immer zu mir, ich sei viel zu kritisch und müsse Männern auch mal eine zweite Chance geben. Ehrlich gesagt, sehe ich das anders. Wieso sollte ich jemanden wieder treffen, wenn ich doch ganz genau weiß, dass zwischen uns niemals mehr laufen wird? Mein Single-Dasein bedeutet schließlich nicht, dass ich anspruchslos und bescheiden sein muss.

*Alle Namen wurden von der Redaktion geändert.

Über die Autorin
Freier Mitarbeiter
Neben dem Journalistik-Studium unterstützt Charlotte Schuster die Redaktion in Werne. Im Sommer 2020 hat sie ein Praktikum bei den Ruhr Nachrichten absolviert, welches ihr die schönen Seiten des Lokaljournalismus gezeigt hat.
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Charlotte Schuster

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