Klare Kante: Kopenhagen Westfalens? Dass ich nicht lache...!

rnRadfahren in Dortmund

Über Dortmund wird gelacht: Die Stadt hatte als Ziel formuliert, das „Kopenhagen Westfalens“ zu werden, was den Radverkehr angeht. Dass das ein Witz ist, zeigt sich immer wieder. Auch jetzt.

Dortmund

, 02.06.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer Dortmund zum „Kopenhagen Westfalens“ machen möchte, der muss entweder recht heimatverliebt sein. Oder extrem ehrgeizig. Oder er hat viel Humor. Oder er ist einfach nur: blind.

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Es geht um das Thema Radverkehr in Deutschland, im großen die Mobilitätswende, mit der man einen Teil dazu beitragen möchte, eine Klima-Katastrophe doch noch abzuwenden. Darum ist es auch nur gut und gerechtfertigt, sich ehrgeizige Ziele zu setzen. So hat das die Stadt Dortmund getan.

Sie hat im Herbst 2019 verkündet, dass sie die Haushaltsmittel für den Radverkehr deutlich erhöhen möchte: von jetzt 1,5 Millionen Euro pro Jahr auf 6 Millionen Euro ab dem Jahr 2022. Das ist eine Vervierfachung. Das ist ja wunderbar. Aber das Problem bei der Rechnung: Gefühlt steht Dortmund beim Thema Radverkehr bei 0. Und viermal 0 bleibt leider 0.

Bei 0? Ist das nicht zu hart formuliert? Ich finde: nein! Ich erinnere mich daran, wie ich vor Jahren mal zum Fahrradpendler wurde, als ich an der Salzwedeler Straße wohnte. Die liegt gleich südlich der B1, die Märkische Straße runter kurz vor Hörde. Von dort mit dem Rad in die City zu fahren ist eigentlich nicht einmal Sport, so schnell ist man da. Aber...

Meine Erfahrung: Man wird in Dortmunds Innenstadt als Radfahrer kaum wahrgenommen. Nicht nur, dass die Verkehrswege für den Radverkehr nur marginal ausgewiesen sind und man sich zwischen Straßenrand und Gehweg irgendwie die richtige Spur suchen muss. Auch in der Wahrnehmung der unzähligen Autofahrer findet man kaum Beachtung. Achtung: Lebensgefahr!

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Das Ziel wirkt nicht nur utopisch, es ist auch infam gegenüber einer Stadt, die nicht einmal 100 Kilometer entfernt ist und sich auch als westfälische Großstadt begreift: Münster. Wenn es ein „Kopenhagen Westfalens“ gibt, dann ist das die angesagte Studi-Stadt mit dem Öko- und Wohlstandslabel etwas nördlich von der einstigen Bierstadt.

Waren die Dortmunder, die sich dieses plakative Ziel ausgesucht haben, schon mal in der Domstadt? Oder juckt den Lokalpatrioten mit schwarz-gelber Brille einfach nicht, was eine Drittliga-Kommune mit nicht einmal halb so vielen Einwohnern in der Nachbarschaft prägt und zu einer der lebenswertesten Städte Deutschlands macht?

Kopenhagen erreicht bis zu 50 Prozent

Der Anteil des Radverkehrs hat sich nach Angaben der Stadt auf etwa 10 Prozent erhöht. Bis 2030 will man 20 Prozent erreichen. Kopenhagen, die dänische Hauptstadt, erreicht, je nach Maßstab, schon seit 2014 zwischen 35 und 50 Prozent. Und Münster? Dort peilt man laut Projektpapier von vor vier Jahren bis 2025 50 Prozent an.

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Warum ich gerade jetzt lachen musste? Weil die Verwaltung auf einen Antrag der Bezirksvertretung Lütgendortmund mitteilte, dass sie für simple eBike-Boxen an der Zeche Zollern und am Haus Dellwig zurzeit keine Möglichkeiten sieht: Eine regelmäßige Wartung sei „finanziell und personell nicht leistbar und damit nicht umsetzbar“. Das ist lächerlich. Oder humorvoll. Wie man will.

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