„Mengede hilft“: Seit dem Corona-Lockdown ruht die Flüchtlingshilfe

rnFlüchtlingswelle 2015

In diesen Wochen vor fünf Jahren setzte die große Flüchtlingswelle ein. Im Mengede gründete sich schnell ein Verein, um die Neuankömmlinge zu betreuen. Was macht „Mengede hilft“ heute?

Mengede

, 12.07.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Anfang 2016: In Mengede treffen sich rund 80 engagierte Bürgerinnen und Bürger, um organisiert zu helfen. Seit gut einem halben Jahr hat der Strom der Flüchtlinge immer weiter zugenommen. Auch in Dortmund kommen seit September 2015 Geflohene aus dem arabischen Raum, aus Afghanistan und Afrika an.

Einzelpersonen, nachbarschaftliche Netzwerke und Hilfsorganisationen sehen die Not und helfen. In vielen Garagen und Kellern stapeln sich Kleidung, Möbel und Hausrat. Alleine oder in kleinen Gruppen kann das niemand stemmen. In Mengede stehen schon seit dem Frühherbst 2015 gut 50 Ehrenamtliche in den Startlöchern.

Anfang 2016 soll Oestrich ein Containerdorf mit Flüchtlingsunterkünften bekommen. Elke Kock ist als Grundschulleiterin gerade in den Ruhestand gegangen, sieht die neue Herausforderung und koordiniert die Welle der Hilfsbereitschaft.

Koordination ist Fulltime-Job

Arbeitsgruppen haben sich gebildet: etwa für Deutschunterricht, Orientierung, Begleitung zu Behörden und Ärzten, Kleiderkammer und Möbellager oder Aus- und Umzüge.

Die Hilfsbereitschaft der Mengeder war groß. Das zeigt auch die Teilnehmerzahl an der ersten Mitgliederversammlung von "Mengede hilft" am 29. Februar 2016.

Die Hilfsbereitschaft der Mengeder war groß. Das zeigt auch die Teilnehmerzahl an der ersten Mitgliederversammlung von "Mengede hilft" am 29. Februar 2016. © Oliver Schaper

Für Elke Kock soll es zeitweise ein Fulltime-Job werden. An jenem Abend im Februar im Mengeder Amtshaus schlägt die Geburtsstunde von „Mengede hilft“. Der Arbeitskreis wird ein eingetragener Verein. Die Mitglieder wählen Elke Kock zur Vorsitzenden. Bis auf einen Wechsel in der Schriftführung ist der Vorstand heute noch im Amt.

„Wir haben eine ganze Menge gemacht“, zieht die Vorsitzende nach fast fünf Jahren Hilfe im Gespräch mit dieser Redaktion Bilanz. „Derzeit ist unsere Arbeit wegen Corona auf Null.“ Eine Zäsur gab es bereits im Sommer 2017. Da musste „Mengede hilft“ den ehemaligen Rewe-Markt an der Dörwerstraße räumen.

800 Menschen nahmen Kleiderkammer in Anspruch

Für die Kleiderkammer und das Möbellager fand der Verein keine neuen Räume. Das Gebäude ist längst abgerissen, ein Kindergarten und eine Demenz-WG entstanden an der Stelle. 14 Monate lang war der frühere Supermarkt das Domizil von „Mengede hilft“ – Kleiderkammer, Möbellager, Unterrichtsraum und sozialer Treffpunkt.

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„Wir haben immer gesagt, die Kleiderkammer ist für alle da“, sagt Elke Kock. „Viele Rußlanddeutsche lebten in der Nähe. Auch viele ältere Menschen kamen, die einfach jemanden treffen wollten.“ Mehr als 800 Menschen nehmen die Unterstützung von „Mengede hilft“ in der Kleiderkammer in Anspruch.

„Die Flüchtlinge sind ja gut vernetzt und haben alle Handys. Sie haben sich untereinander verständigt, wenn es bei uns etwas gab“, erinnert sich die heute 71-Jährige. „So hatten wir auch Besucher aus Huckarde, Marten oder Lütgendortmund. Wir haben niemanden ausgeschlossen.“

Mit der Eröffnung der Kleiderkammer im ehemaligen Rewe-Markt an der Dörwerstraße am 5. April 2016 begann die intensivste Phase der Arbeit von "Mengede hilft".

Mit der Eröffnung der Kleiderkammer im ehemaligen Rewe-Markt an der Dörwerstraße am 5. April 2016 begann die intensivste Phase der Arbeit von "Mengede hilft". © Stephan Schütze

Als der Verein den Standort an der Dörwerstraße aufgeben musste und nichts Neues fand, endete dieses Betätigungsfeld. Recht guten Gewissens: „Es gibt genug Anbieter auf dem Markt“, sagt Kock. Zu den Hochzeiten der Flüchtlingswelle war es aber nicht nur die Weitergabe von Kleidung, Mobiliar oder Hausrat.

Verein richtet 340 Wohnungen komplett ein

„Mengede hilft“ unterstüzte die Flüchtlinge auch bei der Wohnungssuche, half beim Umzug aus der Notunterkunft in die neue Wohnung. „Wir haben 340 komplette Wohnungen eingerichtet“, sagt Bezirksbürgermeister Wilhelm Tölch, gleichzeitig Kassierer von „Mengede hilft“.

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In den vergangenen drei Jahren konzentrierte sich der Verein auf den Deutschunterricht. „Wir hatten Glück, dass unter den Aktiven viele zumeist pensionierte Lehrer waren“, sagt Elke Kock. Sind es 2015/16 zunächst Kinder, die sie unterrichteten, besuchten zuletzt fast ausschließlich Mütter mit kleinen Kindern den Unterricht.

Deutschkurse für geflohene Frauen bildeten bis zu Beginn der Corona-Krise zuletzt den Schwerpunkt der Arbeit.

Deutschkurse für geflohene Frauen bildeten bis zu Beginn der Corona-Krise zuletzt den Schwerpunkt der Arbeit. © Beate Dönnewald

Bis zum Corona-Lockdown. Und wie geht es nun weiter? „Wir wissen es noch nicht“, sagt Kock. „Zumindest haben wir einen Vorstand und die für einen Verein notwendige Zahl an Mitgliedern“, ergänzt Wilhelm Tölch.

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