"Mensch wird nur zum Kostenfaktor"

20.01.2008, 18:55 Uhr / Lesedauer: 1 min

Bei bestem Erkältungswetter trafen sich am Samstag 100 Experten aus Politik und Gesundheitswesen über den Dächern Dortmunds. Die kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) hatte zum Neujahrsempfang in den 18. Stock des Harenberg City Centers geladen.

Dr. Ulrich Thamer, erster Vorsitzender der KVWL, die rund 13 000 niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten im Landesteil vertritt, nahm die letzte Gesundheitsreform kritisch unter die Lupe. Anhand von zum Teil bissigen Cartoons und mit Hilfe eines kleinen Theaterstücks verdeutlichte Thamer, wie sich übertriebenes Sparen in der medizinischen Versorgung auswirken kann.

So ist es bereits in Baden-Württemberg gängige Praxis, dass Hausärzte mit Krankenkassen Verträge eingehen, die daraufhin deren Patienten bevorzugt behandeln. Diese Sondervereinbarungen, die den Wettbewerb unter den Kassen anheizen und den Patienten in so genannten "Versicherungspaketen" eine neue Wahlfreiheit bescheren sollen, führen laut Andreas Daniel, Pressesprecher der KVWL, aber zu "Verwirrung und Ungleichheit".

Thamer bemängelte in seinem Vortrag: "Der kranke Mensch, der pflegebedürftige Mensch mutiert zum Kunden eines Angebot-Systems. In einer totalen Ökonomisierung wird der Mensch - der Versicherte wie der Patient, der Arzt wie der Apotheker - nur noch zum Kostenfaktor."

Thamer forderte im Namen aller Anwesenden ein Gesundheitssystem, in welchem der Mensch und seine Bedürfnisse im Vordergrund stehen. Nicole Stania

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