Metaller in Dortmund bereiten sich auf Warnstreiks vor

Ab Ende April

"Respektlosigkeit" und "Schlag ins Gesicht": So nennen die IG Metall Dortmund und einige Betriebsratsvorsitzende die 0,9 Prozent Lohnerhöhung, die die Arbeitgeber in der Tarifverhandlung der Metall- und Elektroindustrie geboten haben. Bleibt es bei dem Angebot, gibt es ab dem 29. April wohl Warnstreiks der Metaller.

DORTMUND

, 19.04.2016, 15:28 Uhr / Lesedauer: 2 min
Metaller in Dortmund bereiten sich auf Warnstreiks vor

Die Arbeitgeber sehen die deutsche Industrie als "lahmende Ente". Die Arbeitnehmer und die IG Metall machen Vorschläge, wie ein "starker Adler" daraus werden könnte.

Ende März ist der bestehende Tarifvertrag in der Metall- und Elektroindustrie ausgelaufen. Die IG Metall fordert für die Beschäftigten fünf Prozent mehr Lohn. Doch in der zweiten Verhandlungsrunde am 11. April hatten die Arbeitgeber lediglich ein Plus von 0,9 Prozent geboten. Dazu soll es eine Einmalzahlung in Höhe von 0,3 Prozent geben. Die Metaller sind empört - auch in Dortmund. 

"Die Arbeitgeber wollen sich mit der IG Metall anlegen"

"So ein niedriges Angebot hat es selbst in Krisenzeiten nicht gegeben", sagte am Dienstag Ulrike Kletezka, 2. Bevollmächtigte der IG Metall Dortmund. Selbst in solchen Zeiten hätten sich die Arbeitgeber "eine solche Respektlosigkeit" gegenüber den Beschäftigten nicht erlaubt. 

Die Erhöhung von 0,9 Prozent, rechnet Kletezka vor, würde einem Facharbeiter in der Entgeltgruppe 9 ungefähr 25 Euro brutto im Monat mehr bescheren. Das sei "nicht verhandlungsfähig". Man habe den Eindruck: "Die Arbeitgeber wollen sich mit der IG Metall anlegen."

Die nächste Verhandlung der Tarifpartner findet am 28. April statt. Mit einem besseren Angebot rechnen Kletezka und Hans Jürgen Meier, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Dortmund, aber nicht. Bleibt es bei dem Angebot, werde es am 29. April um 0.01 Uhr mit Ende der Friedenspflicht in Dortmund die erste Warnstreik-Aktion geben, kündigte Kletezka an. Am 3. Mai würde tagsüber eine zentrale Streik-Aktion in der Dortmunder Innenstadt folgen. 

23 Betriebe und 9000 Beschäftigte in Dortmund

Die IG Metall vertritt in der Tarifrunde in Dortmund und Lünen 9000 Beschäftigte in 23 Betrieben. Am Dienstag berichteten die Betriebsratsvorsitzenden von Thyssen-Krupp Rothe Erde, Wilo sowie von KHS in Dortmund über die Stimmung in den Betrieben. 

Sollten die Arbeitgeber bei ihrem Angebot bleiben, kann sich Michael Peschke (Betriebsratsvorsitzender Wilo) vorstellen, "dass es bei uns die Bereitschaft gibt, für eine Entgelterhöhung auf die Straße zu gehen". Ähnlich äußerte sich auch Stefan Schneider (Betriebsratsvorsitzender Thyssen-Krupp Rothe Erde). Die Beschäftigen hätten die 0,9 Prozent als "Schlag ins Gesicht" empfunden.

Konrad Ackermann, Betriebsratsvorsitzender bei KHS in Dortmund, zog den Vergleich zur Stahl-Industrie. Dort sei in der Krise ein Lohnplus von 2,3 Prozent erzielt worden - da seien 0,9 Prozent den Metallern nicht zu vermitteln. 

Aus Sicht der Arbeitgeber ist die Fünf-Prozent-Forderung überzogen

Aus Sicht der Arbeitgeber ist die Fünf-Prozent-Forderung überzogen. Sie orientierte sich nicht an der wirtschaftlichen Realität.

Der Geschäftsführer des Unternehmensverbandes der Metallindustrie für Dortmund und Umgebung e.V., Ernst-Peter Brasse, teilte zuletzt mit, dass sich die hohen Arbeitskosten zunehmend als Standort-Nachteil erwiesen. Man dürfe die "Entgeltkosten-Schraube nicht überdrehen".

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