Metro in Dortmund öffnet für alle: Lohnt sich ein Besuch?

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Normalerweise dürfen in Metro-Großmärkten nur Gewerbetreibende mit Kundenkarte einkaufen. In diesem Monat jedoch öffnet die Metro für alle. Wer dort einkauft, muss allerdings aufmerksam sein.

Dortmund

, 10.11.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Beim sprichwörtlichen Ottonormalverbraucher gilt die Metro als Einkaufsparadies. Der Großhandel verspricht gemeinhin große Mengen zu günstigen Preisen. Einkaufen dürfen in Metro-Märkten allerdings nur Gewerbetreibende. In diesem Monat ist jedoch alles anders. Der Handelskonzern öffnet für alle.

Zunächst bis Ende November können auch private Endverbraucher in den Metro-Märkten im Indupark in Oespel und an der Brackeler Straße unweit des Borsigplatzes nach Herzenslust einkaufen.

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Empfangen werden Kunden in der Metro in Oespel gleich von ganzen Warentürmen mit Kräuterlikören und Adventskalendern. Angegeben ist jeweils ein Netto- und ein Bruttopreis. Gemeinsam rätseln zwei Frauen, die zum ersten Mal da sind, welcher Preis denn wohl an der Kasse gilt. Michael M., ein Gewerbetreibender aus Lütgendortmund kann aufklären. „Bezahlt werden muss der Bruttopreis. Der Netto-Preis ist nur für Wiederverkäufer interessant“, sagt er.

Metro-Kunden: „Man muss schon genau gucken“

„Dann ist die Weihnachtsdeko da drüben, aber relativ teuer“, sagt eine der beiden Frauen, die aus Bochum kommt, ihren Namen aber nicht nennen möchte. „Es ist nicht so, dass automatisch alles günstiger ist. Man muss schon genau gucken und Preise im Kopf haben“, sagt sie. An der Kasse legt sie schließlich nur einige Milchprodukte, Kekse und einige andere Süßwaren aufs Band: „Die Sachen sind etwas günstiger als im normalen Laden.“

Extra aus Hagen sind Michael und Susanne Franz gekommen, um sich mal einen Metro-Markt von innen anzuschauen. „Alles ist nicht günstiger“, stellen auch sie schnell fest. Bei einigen Großpackungen allerdings werde es preislich interessant. Sie legen zum Beispiel riesige Packungen mit Grillwürstchen in den Einkaufswagen. „Wir wollen in den nächsten Wochen mit Freunden immer mal grillen - da lohnt sich das schon.“

Die beiden Metro-Märkte in Dortmund - hier der Standort im Indupark in Oespel - sind in diesem Lockdown-Monat November ausnahmsweise auch für Endverbraucher geöffnet.

Die beiden Metro-Märkte in Dortmund - hier der Standort im Indupark in Oespel - sind in diesem Lockdown-Monat November ausnahmsweise auch für Endverbraucher geöffnet. © Peter Wulle

Ein richtiges Schnäppchen machen die beiden, davon sind sie überzeugt, als sie zu den Kaffeeautomaten kommen. „Hier ist genau die Maschine im Angebot, die wir schon lange im Auge haben - zu einem sehr guten Preis. Eigentlich wollten wir so etwas heute gar nicht einkaufen, aber die nehmen wir mit“, sagen Michael und Susanne Franz.

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Ziemlich enttäuscht fährt draußen ein junges Pärchen aus Bochum wieder von dannen. „Das ist nicht so günstig wie gedacht. Deshalb haben wir nur zwei Sachen gekauft“, sagen sie.

Metro wird bei Angeboten für Spielsachen interessant

Regelrecht überwältigt sind nach dem Einkauf Ursula und Christian Schulz aus Bochum. „Das Angebot ist schon gewaltig. Das ist eindrucksvoll, aber auch unübersichtlich“, stellen sie fest. Ikea w - ar ihr Hauptziel im Indupark, aus Neugier haben sie dann einen Abstecher zur Metro gemacht. „Bei Waren, die im Angebot sind, lohnt sich der Einkauf. Und bei Spirituosen beispielsweise gibt es eine große Auswahl. Man bekommt besondere Sachen zu ganz ordentlichen Preisen“, sagt Christian Schulz.

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Carsten Teschner und seine junge Familie aus Bochum haben am Ausgang nur wenige Waren in ihrem Einkaufswagen. „Wirklich günstig ist das Meiste nicht“, sagt der Familienvater, will aber am Donnerstag, 12. 11., nochmal wiederkommen: „Dann sind verschiedene Spielsachen von Lego im Angebot.“ Zum Beispiel Star-Wars-Figuren oder einen großen Geländewagen soll es dann rund 50 Euro günstiger geben.

Der Einzelhandel dürfte die Erweiterung auf Privatkunden skeptisch sehen. Mit offener Kritik hält sich der Lebensmittel-Einzelhandel allerdings zurück. Edeka erklärte auf eine Anfrage, dem stehe man „neutral gegenüber“, und Rewe teilte mit, dass man „Aktivitäten oder Entscheidungen konzernfremder Unternehmen grundsätzlich nicht kommentiert.“

Metro sieht Beitrag zur Entzerrung der Kundenströme

Die Metro-Gruppe, der wegen des Lockdowns viele Gastronomen und andere Gewerbetreibende derzeit als Kunden fehlen dürften, begründete die Öffnung für alle damit, dass man zum Infektionsschutz beitragen wolle und deshalb den Bürgern weitere, großflächige Einkaufsmöglichkeiten bieten wolle.

Für Thomas Schäfer, dem Geschäftsführer des Handelsverbandes Westfalen-Münsterland, ist die Änderung des Metro-Geschäftsmodells „ein zweischneidiges Schwert“. „Das ist nicht in Ordnung, weil der stationäre Einzelhandel eigentlich vor diesem Großhandel auf der Grünen Wiese geschützt ist. Eine gewisse Entzerrung des Einkaufsstroms ist allerdings auch nicht von der Hand zu weisen“, sagt er.

Ähnlich äußert sich auch Ulf Wollrath, IHK-Geschäftsführer für Handel, Dienstleistungen, Existenzgründungen. Ohne konkret die Metro zu nennen, zweifelt er aber den Infektionsschutz-Effekt der Öffnung für den Endverbraucher an. „Ob dies angesichts der relativ geringen Zahl von Cash & Carry-Großhändlern in unserem IHK-Bezirk einen substanziellen Beitrag zur Entzerrung von Kundenströmen leisten kann, sei einmal dahingestellt.“

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