Mezcal-Tasting in der Corona-Zeit © Silke Albrecht
Über den Tellerrand

Mezcal-Mythen: Was es über den beliebten Schnaps zu wissen gibt

Der Schnaps mit dem Wurm drin. Richtig ist, das Mezcal eine Spirituose ist und der Wurm eine Raupe. Doch das ist immer noch die halbe Wahrheit. Die ganze kennt André Klingenberg - mit ihm haben wir gesprochen.

Der Mythos eilt diesem Getränk weit voraus. Es geht um Mezcal. Das liegt vor allem an einem Marketinggag aus den 50er Jahren, als ein gewitzter Brenner die Idee hatte, eine Schmetterlingsraupe in die Schnapsflaschen zu geben, weil er bemerkt hatte, dass raupenbefallene Agavenblätter anders schmecken als gesunde. Die „Mutprobe“ des Konsums sorgte dann für den berüchtigten Ruf.

Nun ist längst nicht in jedem Mezcal eine Raupe, dennoch spielt die Raupe für den echten Mezcal-Genuss durchaus eine Rolle, denn in Mexiko wird der Agaven-Schnaps gerne mit Limettenschnitz und einem Chili-Salz genossen, dem fein zermörserte Raupe beigemischt wird. Der bekannteste Mezcal ist der Tequila, dessen weltweiter Erfolg ja durchaus bekannt ist.

Doch die Welt des Mezcal ist wesentlich weiter und bunter. So ist etwa „Terroir“ ursprünglich ein Begriff aus der Weinwelt. Doch der Waltroper Experte André Klingenberg findet, das Konzept ließe sich eins zu eins auf mexikanischen Agavendestillate anwenden, was sich etwa ganz wunderbar an den Mezcals der Marke Alipús erleben ließe.

Jede Etikettenfarbe, es sind ganze fünf, stehe bei diesem Schnaps für ein anderes Gebiet innerhalb des Bundesstaates Oaxaca, erklärt Klingenberg. Alle verwenden für den Branntwein die selbe Agavensorte Espadín, geschmacklich jedoch geht jeder dieser Schnäpse in eine andere Richtung.

Eine weitere Ungenauigkeit in der landläufigen Meinung über diese mexikanische Spezialität ist, dass es sich um Kaktusschnaps handele. Richtig ist, dass die Agave ebenso wie Kakteen zu den Sukkulenten zählt. Das sind Pflanzen, die in sehr trockenen Umgebungen überleben, da sie in der Lage sind, Wasser zu speichern.

Dennoch handelt es sich um unterschiedliche Pflanzen. Da lauert dann das nächste Missverständnis: die psychoaktive Droge Meskalin ist tatsächlich in Kakteen enthalten, ist aber nur dem Namen nach dem Mezcal ähnlich. Der macht „nur“ betrunken.

André Klingenberg liebt diese Spirituose und hat darauf sein Ein-Mann-Unternehmen Mezcalogy aufgebaut. Als Event für Restaurants oder auch für private Anlässe. Seit 2017 moderiert der selbst ernannte „Mexikoverrückte und Agavenbrand-Enthusiast“ diese Tastings.

„Die handwerkliche Herstellung und der außergewöhnliche Geschmack haben mich schon damals fasziniert“, so Klingenberg über seine erste Mexiko-Reise. Eine weitere thematische Verkostung lehrt etwa, dass es neben Tequila viele weitere hier eher unbekannte Brände gibt.

Bacanora, Raicilla, Sotol, Tuxca werden genannt. Klingenberg bringt das unterhaltsam rüber, ist bestens informiert und leidenschaftlich engagiert. Die Events gingen und gehen natürlich auch online.

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