Mieter bittet vergeblich um Schutz vor Einbrechern

Streit mit Vivawest

Für einen besseren Schutz vor Wohnungseinbrechern durch nachgerüstete oder neue Fenster und Türen wirbt die Polizei immer wieder. Ein Mieter aus der Nordstadt verzweifelt gerade – denn sein Vermieter Vivawest will trotz mehrerer Einbrüche nicht nachbessern.

DORTMUND

, 15.10.2015, 11:34 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am 1. Dezember 2011 war Kadir Görür mit seiner Frau Tatjana (30) und der kleinen Elif in ein Mehrfamilienhaus an der Bachstraße eingezogen. Der erste Einbruch ließ nicht lange auf sich warten. Am 8. Dezember 2011 stiegen Unbekannte in die Erdgeschoss-Wohnung ein.

Am 20. Mai 2015 kam es viel schlimmer. Kadir Görür hatte Spätdienst, als seine Frau und die inzwischen vierjährige Tochter im Schlafzimmer schliefen. Die Einbruchsgeräusche hörten sie nicht. Zwei Männer wollten die ins Kinderzimmer führende Balkontür aufhebeln und zerschlugen die Scheibe.

Tat im Schlafzimmer

In der Wohnung rafften sie Elektronikgeräte zusammen. Beute machten sie sogar im Schlafzimmer neben dem schlafenden Kleinkind und der Mutter. Eine Horrorvorstellung. Die Beute stellten sie auf dem Balkon für den Abtransport bereit. Mutter und Kind schlossen sie ein. Eine aufmerksame Nachbarin erkannte die Einbrecher und verständigte den Notruf 110. Polizisten konnten die Täter festnehmen.

Am 9. September 2015 wurde ihnen der Prozess gemacht. „Eine Bewährungsstrafe, weil sie drogensüchtig sind“, sagt Kadir Görür über das Urteil enttäuscht. Er hatte ein härteres Urteil erwartet.

Enttäuscht vom Vermieter

Enttäuscht ist er auch von seinem Vermieter Vivawest. Denn Vivawest will Türen und Fenster nicht nachträglich sichern. Aus Kostengründen. Seit dem Einbruch am 20. Mai lebt Ehefrau Tatjana deshalb weiter in Angst. „Gerne“ sei Vivawest bereit, den Mietern eine „schriftliche Gestattung“ für den Einbau von höheren Standards auf eigene Rechnung auszustellen.

Bei Kadir Görür ist der Ärger über den Vermieter groß: „Ich habe mehrmals das Kundencenter angerufen und E-Mails dorthin geschickt, aber lange keine Antwort erhalten.“ Nach drei Monaten sei dann ein Techniker gekommen. Dessen Aussage gibt der Berufskraftfahrer und angehende Industriemeister so wieder: „Da werden wir nicht großartig investieren.“

Mieter haben das Nachsehen

Rechtlich haben Mieter das Nachsehen. „Leider ist das Mietrecht nicht gut aufgestellt für Mieter. Sie haben keinen Rechtsanspruch auf die nachträgliche Sicherung von Türen und Fenstern“, klärt Rainer Stücker als Geschäftsführer des Dortmunder Mietervereins auf. Denn grundsätzlich gelte: „Der Mieter mietet die Wohnung so, wie er sie gesehen hat.“

Im vorliegenden Fall mit Fenstern und Türen, die ein Profi-Einbrecher innerhalb von 10 bis 20 Sekunden öffnen kann. Laut Vivavest würden Türen und Fenster in der Bachstraße 29 den aktuellen technischen Standards entsprechen. Der Vermieter sanierte die Siedlung bis 2012.

Nicht locker lassen

Doch die von der Polizei empfohlenen Pilzkopfverriegelungen an Türen und Fenstern sucht man in der Wohnung vergeblich. Stückers Tipp: „Bei der Wohnungsbesichtigung sollten Interessenten unbedingt auf den Einbruchsschutz achten.“ Der Familie aus der Bachstraße in der Nordstadt rät der Jurist, nicht locker zu lassen. Stücker: „Bei Vivawest hakt es manchmal im Service. Aber eine Investition in mehr Sicherheit für diese Mieter schließe ich grundsätzlich nicht aus.“

Vivawest ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Dortmunder Wohnungsunternehmen. Diese unterzeichnete 2014 eine Kooperation mit der Polizei. Zweck und Ziel: Großvermieter erhöhen den Bestand der mit deutschen Industrienormen (DIN) gesicherten Wohnungen, um Einbrechern das Leben schwer zu machen.

Die Polizei berät

Sobald die Unternehmen ein Haus modernisieren, steigt die Polizei beratend in die Pläne ein. Verpflichtend oder einklagbar sei die Kooperation aber nicht, stellte Polizeisprecherin Nina Vogt klar. Die Familie muss also selbst investieren, wenn sie mehr Schutz will. Kosten für Türen und Fenster: mindestens 2000 Euro.

Mit 120.000 Wohnungen in 76 Städten an Rhein und Ruhr ist Vivawest einer der größten Vermieter in NRW. In Vivawest-Wohnungen leben 300.000 Menschen. In Dortmund vermietet das Unternehmen rund 8500 Wohnungen. Vivavest will „soziale Verantwortung“ und „qualitätsvolle Lebensräume“.

 

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