Mieter-Demo vor Dortmunder Rathaus

Hannibal-Hochhaus

Mit Koffern und Schlafsäcken zogen Mieter des geräumten Hannibal-Hochhauses in Dorstfeld am Samstag zu einer Kundgebung vor das Dortmunder Rathaus. Sie fühlen sich im Stich gelassen.

DORTMUND

, 11.11.2017 / Lesedauer: 3 min
Mieter-Demo vor Dortmunder Rathaus

Mieter aus dem geräumten Hannibal-Hochhaus in Dortmund-Dorstfeld demonstriertenvor dem Rathaus mit Koffern, Stühlen und Plakaten gegen die Räumung. © Foto Oliver Schaper

„Von den Versprechungen, die die Stadt Dortmund gemacht hat, wurden keine eingehalten. Wir haben keine finanzielle Unterstützung bekommen und die meisten leben immer noch in der Massenunterkunft oder bei Freunden und Verwandten“, sagte einer der Hannibal-Mieter. Auch von der Eigentümerverwaltungsgesellschaft Intown komme keine Hilfe, beklagen die Betroffenen bei der Mieter-Kundgebung vor dem Dortmunder Rathaus.

Die Stadt dagegen hat erklärt, dass sie den betroffenen Mietern finanziell unter die Arme greife, etwa bei den Umzügen, auch dann, wenn sie keine Sozialhilfe oder HartzIV-Empfänger sind. 513 der Mieter erhalten staatliche Hilfen, darunter manche als Aufstocker. Die übrigen 239 leben von Bafög, Renten oder haben Einkünfte als Arbeitnehmer oder Kleinunternehmer.

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Stadt hilft finanziell

In solchen – wenigen Fällen – , die über den Einkommensgrenzen für Sozialhilfe liegen, will die Stadt bei der Gewährung finanzieller Hilfen die Einkommensgrenzen anheben, ähnlich wie bei den Hochwasser- beziehungsweise Starkregen-Entschädigungen in den Jahren 2008 und 2014.

Mehr als 400 der 752 Menschen, die aus dem Hannibal ausziehen mussten, sind weiterhin vorübergehend in städtischen Wohnungen (244) oder in drei teils auch als Flüchtlingsunterkünfte genutzten Quartieren (164) untergebracht.Die übrigen Mieter haben sich bei der Stadt nicht gemeldet.

Schlüsselgewalt an Eigentümer zurückgegeben

Die Stadt hat die Schlüsselgewalt für den geräumten Hochhaus-Komplex Hannibal II am 24. Oktober an Intown als Vertreter der Eigentümergesellschaft zurückgegeben. Gut vier Wochen, nachdem das Gebäude am 21. September wegen schwerer Brandschutzmängel evakuiert worden war.

Die Schlüsselrückgabe war allerdings an Auflagen gebunden. Das Gebäude muss wegen der schweren Brandschutzmängel für die Wohnnutzung verschlossen bleiben, darf aber für halbstündige Besuche in Begleitung eines von Intown gestellten und bezahlten Sicherheitsdienstes von den Mietern betreten werden, etwa um Sachen herauszuholen und Umzüge vorzubereiten. Auch die Möglichkeit, ganz auszuziehen, müsse gewährleistet sein. Pro Tag sind es aktuell drei bis acht Umzüge.

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