Nach jahrelangem Warten: Mieter ziehen in Sozialwohnungen auf Ex-Sportplatz

rnWohnen in Dortmund

Manch Anwohner mag es kaum glauben: In die Sozialwohnungen an der Holtestraße in Lütgendortmund ziehen die ersten Mieter. Ursprünglich geplant war das bereits für Ende 2017.

Lütgendortmund

, 25.09.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Beim Wohnkomplex mit 92 Sozialwohnungen auf dem ehemaligen Urania-Sportplatz wollte die Stadt viel: eine interessante Architektur, ein umweltfreundliches Heizkonzept und Wohnungen für Flüchtlinge und für Mieter mit Wohnberechtigungsschein. Die Gebäude hätten zum Vorzeigeobjekt werden können – in den vergangenen Jahren sind sie allerdings eher in die Negativ-Schlagzeilen geraten.

Ende 2017 sollten die ersten Mieter einziehen, so der ursprüngliche Plan. Doch immer wieder musste die Stadt den Einzugstermin verschieben. Erst auf 2018, dann auf 2019, dann auf April 2020, dann auf den Sommer. Es habe vor allem Probleme mit Handwerkern gegeben, so die Begründung der Stadt, die Bauherrin der Wohnungen ist. Entweder seien Handwerker kaum zu bekommen gewesen oder sie hätten Termine nicht eingehalten.

Küchenaufbau und Blumen: Die Wohnungen werden hergerichtet

Doch jetzt, im September, ist es wirklich soweit: Die ersten Wohnungen werden bezogen. Beim Rundgang durch den Komplex sieht man Wäsche, die zum Trocknen aufgehängt ist. Irgendwo ist eine Säge zu hören: Eine Küche wird aufgebaut. Blumenkübel hängen am Balkon und auf den Klingelschildern stehen Namen.

Noch ist er verwaist, aber bald werden hier sicher Kinder sein: der Spielplatz, der zum Wohnkomplex an der Holtestraße gehört.

Noch ist er verwaist, aber bald werden hier sicher Kinder sein: der Spielplatz, der zum Wohnkomplex an der Holtestraße gehört. © Natascha Jaschinski

Längst nicht auf allen, aber immerhin: Für 40 Wohnungen sind laut Stadt mittlerweile Mietverträge bei der Dogewo21 unterschieben worden. 25 davon gehen an Geflüchtete, 15 Wohnungen werden von Mietern mit Wohnberechtigungsschein (WBS) bezogen. Im Sommer hat es laut Stadt viele Gespräche und Wohnungsbesichtigungen gegeben.

Einer, der einen Mietvertrag in der Tasche hat, steht bei unserem Besuch vor Ort gerade auf dem Balkon und macht eine kleine Pause: Dreißig Jahre ist er alt, sagt er. Er komme aus Nigeria und richte seine Wohnung her. Am 1. Oktober ziehe er ein. Mit seiner Familie.

Es gibt verschieden große Wohnungen

Insgesamt sind 56 Wohnungen für Flüchtlinge vorgesehen, die übrigen für Mieter mit WBS. Es gibt drei verschiedene Wohnungsgrößen: 35, 55 und 75 Quadratmeter. „Die Vermietungen steigen kontinuierlich“, heißt es bei der Stadt. Es gebe „weiterhin eine hohe Anzahl an Mietinteressenten“.

Die Außenarbeiten auf dem Gelände sind allerdings noch nicht komplett erledigt. Und schlussendlich soll auch noch eine Kindertagesstätte gebaut werden. Doch auch diese lässt auf sich warten. In der Bezirksvertretung Lütgendortmund machten die Politiker gerade erst ihrem Ärger darüber Luft. Man habe bald keine Geduld mehr mit dem Projekt, so der Tenor.

Wirklich bezugsfertig sind auch die Wohnungen laut Stadt erst seit Ende April – auch wenn das von außen nicht so aussah – und das war ein großes Problem des Bauvorhabens. Lange schüttelten Anwohner der Holte-, Ursula- und Klobestraße verwundert die Köpfe darüber, warum der Wohnkomplex einen so fertigen Eindruck machte, aber eine Geisterstadt blieb.

Anwohner wunderten sich über die Geisterstadt

Eine Anwohnerin, die wir mit ihrem Hund beim Spaziergang treffen, sagt: „Man hat sich gewundert, warum alles so hergerichtet aussah und keiner eingezogen ist.“ Dass nun tatsächlich Mieter kommen, habe sie dagegen glatt verpasst. „Das habe ich gar nicht mitbekommen“, sagt sie verwundert.

An einigen Briefkästen im Wohnkomplex stehen mittlerweile Namen.

An einigen Briefkästen im Wohnkomplex stehen mittlerweile Namen. © Natascha Jaschinski

Einer, der den Bau der Sozialwohnungen intensiv verfolgt hat, ist Michael Mertins, Pfarrer der evangelischen Christus-Kirchengemeinde in Lütgendortmund und engagiert in der Flüchtlingsarbeit. Mehrfach hat er ein Willkommensfest für die neuen Bewohner geplant – und musste es immer wieder verschieben. Zuletzt sollte am 12. September gefeiert werden. Das hat nicht geklappt.

Nun verlässt Michael Mertins die Gemeinde zu November. Dann wird er Superintendent des Kirchenkreises Minden. Sein Willkommensfest wird er wohl nicht mehr feiern können. Denn bis alle Wohnungen belegt sind, könne es noch bis zu sechs Monate dauern, heißt es bei der Stadt.

Stadt plant mit Budget von 12,4 Millionen Euro

Der Ratsbeschluss für den gesamten Wohnkomplex sieht laut Stadt Investitionen von etwa 12,4 Millionen Euro vor. Noch ist das Vorhaben nicht abgeschlossen und daher auch nicht „schlussgerechnet“, so die Stadt. Das eingeplante Budget soll aber ausreichen, heißt es.
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