Vonovia-Sedlung in Brünninghausen: Auch dort gab es Streit über Betriebskostenabrechnungen. © RN
Dortmunder Wohnungsmarkt

Mieterschützer machen Front gegen Vonovia: „Betriebskosten nicht zu durchschauen“

Der Dauerärger um Betriebskostenabrechnungen des Wohnungsriesen Vonovia hält an. Sie seien meist undurchsichtig und nicht nachprüfbar, kritisieren Mieterschützer – und rufen zu Gegenwehr auf.

Bereits im Februar hatte ein bundesweites Mieterbündnis unter Beteiligung des Dortmunder Mietervereins Vonovia in einem offenen Brief mit angeblich falschen Nebenkostenabrechnungen konfrontiert. Eine Antwort stehe bis heute aus, heißt es. Am Donnerstag (21.10.) legten die Mieterschützer nach.

Kernpunkte: Der Wohnungsriese Vonovia, der in Dortmund rund 20.000 seiner insgesamt 400.000 Wohnungen hält, lasse Mietern meist fehlerhafte Betriebskostenabrechnungen zukommen. Statt bestimmte Arbeiten (etwa Hausmeisterdienste, Wartungen, etc.) an externe und vermutlich preiswertere Firmen zu vergeben, beauftrage Vonovia eigens gegründete Tochterfirmen. Deren Leistungen würden Vonovia in Rechnung gestellt – und anschließend auf die Mieter umgelegt.

Unterlagen sind für Experten nicht ausreichend

Mieter hätten zwar die Möglichkeit, Einblick zu nehmen und Unterlagen anzufordern, sagt Markus Roeser vom Dortmunder Mieterverein. Problem dabei: „Vonovia verschickt häufig Standardunterlagen, die so gar nicht prüffähig sind“, ergänzt Martin Greve, Rechtsanwalt beim Mieterverein.

Es gebe zum Beispiel keine Möglichkeit zu erkennen, wie sich die Preise für die Leistungen der jeweiligen Vonovia-Töchter zusammensetzen, kritisiert Experte Knut Unger vom Wittener Mieterverein: „Das ist alles intransparent.“

Kosten für Heizungswartung: 780,96 Euro statt 149,94 Euro

Ein Beispiel eines Mehrfamilienhauses mit sechs Wohnungen aus der Hombrucher Grotenbachstraße: 2016 beliefen sich die Gesamtkosten für die Heizungen (inkl. Gaslieferung) auf 4363,76 Euro für alle Hausbewohner. Damals waren externe Firmen beauftragt.

2019 waren Vonovia-Töchter am Zug. Plötzlich betrug die Rechnung 5512,52 Euro. Allein für Wartung und Prüfung der Heizungen fielen nicht mehr 149,94 Euro an (wie 2016) – sondern 780,96 Euro. Wie sich dieser Kostenblock zusammensetzt? Aus vielen Details – deren Preisgestaltung den Mieterschützern nach eigenen Aussagen völlig unklar bleibt.

So würden beispielsweise 15,05 Euro für eine „Sichtprüfung der Gasleitung“ in Rechnung gestellt. Oder zweimal 86,64 Euro für die Wartung eines „Rückspülfilters“. Zentrale Frage der Mieterschützer: „Auf welcher Grundlage berechnen die Vonovia-Töchter ihre Preise?“ Die Antwort gibt Unger selbst: Die Preise würden von Vonovia zentral festgelegt.

Der Dortmunder Mieterverein hat für die betroffenen Bewohner in der Grotenbachstraße zwar Widerspruch eingelegt. „Das Ergebnis ist immer noch offen“, sagt Roeser.

Bei Unstimmigkeiten nur unter „Vorbehalt“ zahlen

Die Mieterschützer haben nicht erst seit gestern den Verdacht, dass Vonovia auf diese Art mit seinen Betriebskostenabrechnungen hohe Gewinne erziele. Beim Blick in den Geschäftsbericht 2020 sehen sie sich bestätigt: Dort sei ein Überschuss von mehr als 145 Millionen Euro für „konzernintern vergebene Leistungen“ aufgeführt. „Theoretisch“, sagt der Dortmunder Mieterschützer Greve, „darf aber mit Nebenkosten kein Gewinn erzielt werden.“

Das bundesweit agierende Mieterbündnis und der Mieterverein Dortmund empfehlen Mietern, bei ihren Betriebskostabrechnungen genau hinzugucken. „Im ersten Schritt sollten geprüft werden, ob die Posten überhaupt umlagefähig sind und auf Mieter abgewälzt werden dürfen“, sagt Roeser.

Im zweiten Schritt sollten die Preise verglichen werden. „Was hat ein Mieter vorher für die einzelnen Posten bezahlt und was soll er aktuell zahlen?“, so Roeser. Bei Unstimmigkeiten bzw. Fehlern sei es ratsam, der Betriebskostenabrechnung zeitnah und schriftlich zu widersprechen.

Markus Roeser vom Dortmunder Mieterverein. „Wie kommen die Vonovia-Töchter auf ihre Preise? © RN © RN

„Zahlungen sollten dann nur unter Vorbehalt erfolgen“, rät Roeser. Zudem sei es sinnvoll, sich zu Hausgemeinschaften zu formieren und sich über weitere Schritte beispielsweise vom Mieterverein beraten zu lassen. Weitere Informationen gibt es im Netz unter www.vonovia.mieterinnenrat.de .

Vonovia: „Falsche Behauptungen und Unterstellungen“

Bei Vonovia kennt man die Kritik – und reagiert prompt. „Wir werden mit falschen Behauptungen und Unterstellungen konfrontiert“, sagt Vonovia-Sprecherin Bettina Benner. Der Vorwurf der systematischen Fehler in Nebenkostenabrechnungen und der Intransparenz entbehre jeder Grundlage und sei „de facto falsch“, so Benner.

Nebenkostenabrechnungen seien ein gesetzlich klar geregelter Bestandteil von Mieten. Sie deckten die Verbrauchskosten und Dienstleistungen rund ums Wohnen ab. „Alle Positionen werden von uns selbstverständlich korrekt abgerechnet“, sagt Benner.

Dienstleistungen rund um Sicherheit und Wartung würden „im Sinne einer besseren Qualitätssicherung“ häufig von konzerninternen Dienstleistern erbracht. Dabei biete Vonovia „hohe Qualität zu fairen Preisen“, sagt die Vonovia-Sprecherin. Die durchschnittlichen Nebenkosten bei Vonovia lägen unter dem Betriebskostenspiegel des Deutschen Mieterbunds.

„Wir sind immer bereit für einen Austausch auf sachlicher Ebene“, betont Benner. Vonovia werde den Dialog mit Mietervereinen und Interessenvertretern konstruktiv fortsetzen. Die Akteure des bundesweiten Bündnisses allerdings seien an einem konstruktiven Dialog leider nicht interessiert.

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Jahrgang 1961, Dortmunder. Nach dem Jura-Studium an der Bochumer Ruhr-Uni fliegender Wechsel in den Journalismus. Berichtet seit mehr als 20 Jahren über das Geschehen in Dortmunds Politik, Verwaltung und Kommunalwirtschaft.
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