Minister streicht Projekt für Menschen über 50: Zehn Beschäftigte verlieren ihren Job

rnZwischen Arbeit und Ruhestand

Ein Projekt für Menschen kurz vor dem und im Ruhestand will Minister Laumann nicht mehr fördern. Neun von zehn Beschäftigten in Dortmund sind in Kürze arbeitslos. Darunter ein Urgestein.

Marten

, 04.12.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Petition, Demonstration, neue Projektskizzen – nichts hat geholfen: Ein langjähriges Projekt für Menschen über 50 erhält ab 2020 keine öffentliche Förderung mehr. NRW-Minster Karl-Josef Laumann (CDU) hat die Landesmittel gestrichen – und damit zehn Arbeitsstellen in Dortmund vernichtet.

Die Rede ist von der Zwar-Zentralstelle mit Sitz im alten Amtshaus Marten an der Steinhammer Straße. Zwar ist die Abkürzung für „Zwischen Arbeit und Ruhestand“. Die dazugehörigen 300 Netzwerke in ganz Nordrhein-Westfalen bieten älteren Menschen bereits während des Berufslebens und vor allem danach eine Plattform, um gemeinsam ihre Freizeit zu gestalten.

So sollen sie vor Einsamkeit und Isolation geschützt werden. Die Zwar-Zentralstelle ist die große Klammer, die alle(s) zusammenhält.

Minister streicht Projekt für Menschen über 50: Zehn Beschäftigte verlieren ihren Job

Marc Bagusch ist Projekt-Koordinator der Zwar-Zentralstelle und will bis zum Schluss für die Projekt-Fortsetzung kämpfen. © Stephan Schuetze

Man werde bis zum Schluss für die Zwar-Zentralstelle kämpfen, sagt Projektkoordinator Marc Bagusch auf Anfrage dieser Redaktion. Auch wenn im Grunde schon lange feststeht: Es gibt keine Hoffnung mehr für das Landesprojekt. Die Zwar-Gruppen genauso wie den Zwar-Verein wird es aber weiterhin geben – nur eben ohne Unterstützung durch die Zentralstelle.

Auch der bekannte Martener Hausmeister ist ab 2020 arbeitslos

Bereits im Mai 2019 habe er die Arbeitsverträge der neun Beschäftigten kündigen müssen, so Bagusch: Sechs wissenschaftliche Mitarbeiter, eine Verwaltungskraft und der bekannte Martener Hausmeister (technischer Dienst) Fritz Tuscher (58) sind ab 2020 arbeitslos. „Die Zwar ist mein Herzblut, mein Häuschen, mir geht es momentan sehr bescheiden“, so Tuscher.

Vera Romberg, die Koordinatorin für alle Dortmunder Zwar-Netzwerke, behält zumindest ihre Teilzeitstelle als pädagogische Leiterin des Rudi-Eilhoff- Bildungswerkes des DGB-Bildungswerks NRW im selben Gebäude. Sie wird sich weiterhin im Zwar-Verein einbringen. „Die Mitarbeiter sind zwischen Mitte 50 und 64 Jahre alt, für sie wird es nicht leicht, eine neue Anstellung zu finden“, so Bagusch. Alle hätten Bewerbungen laufen, bislang ohne den erhofften Erfolg.

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Auch der Projektkoordinator verliert zum Ende des Jahres seinen Job, um einen neuen habe er sich aber noch nicht bemüht. „Ich gehe auf volles Risiko“, sagt der 39-jährige Wirtschaftswissenschaftler. Soll heiß: Er hofft auf eine Basisfinanzierung, mit der eine Vollzeitstelle finanziert werden kann. „Das Projekt ist einfach zu wichtig, vielleicht bekommen wir ja noch die Chance zur Umstrukturierung.“

300 Zwar-Netzwerke sind in Gefahr

Ohne die Zentralstelle seien alle 300 Zwar-Netzwerke und ihre Gruppen in Gefahr, so Bagusch. Sie bekämen zum Beispiel keine Unterstützung mehr in rechtlichen und organisatorischen Fragen, neue würden gar nicht erst gegründet. Durch das Zwar-Konzept erreiche man Menschen im Ruhestand, die sich im Alltag gerne gegenseitig unterstützen wollen, aber keinem Verein oder Verband beitreten wollen.

Minister streicht Projekt für Menschen über 50: Zehn Beschäftigte verlieren ihren Job

Vera Romberg, die Koordinatorin für alle Dortmunder ZWAR-Netzwerke, behält zumindest ihren Teilzeitstelle als pädagogische Leiterin des Rudi-Eilhoff- Bildungswerks des DGB-Bildungswerks NRW. © Stephan Schuetze

Bereits im Oktober 2018 teilte Minister Laumann die Streichung der Fördermittel in Höhe von rund 600.000 Euro jährlich in einem Brief mit. Die Zwar-Zentralstelle sei eine kommunale Aufgabe, habe kein Alleinstellungsmerkmal und nicht die erforderlichen Planzahlen erfüllt, lauteten einige seiner Gründe. Die Zwar-Zentralstelle reagierte unter anderem mit einer Gegendarstellung.

Petition mit 10.850 Unterstützern

Marc Bagusch will sich als Geschäftsführer des Zwar-Vereins weiter einbringen, um die Zwar-Idee solange wie möglich am Leben zu halten. Doch ohne das abgewanderte Know-how der langjährigen wissenschaftlichen Mitarbeiter könne dies natürlich nicht dieselbe Qualität haben.

Ein letzter Hoffnungsschimmer bleibt: Am 17. Dezember 2019 steht die Petition „Rücknahme der Streichung der Förderung der Zwar Zentralstelle NRW durch das Land NRW“ mit 10.850 Unterstützern auf der Tagesordnung des Petititons-Ausschusses im Landtag. Marc Bagusch ist gespannt, aber nicht wirklich optimistisch.

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