Mister Westfalenpark wird 90 - und erinnert sich an Zoff mit dem Obergärtner

rnWestfalenpark

Den „besten Job der Welt“ hatte ein Wickeder nach eigenen Angaben. Er war viele Jahre Westfalenpark-Chef. Jetzt feiert Walter Stiene seinen 90. Geburtstag.

Wickede

, 22.11.2019, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kaum jemand in dieser Stadt dürfte so eng mit dem Westfalenpark verbunden sein wie einer, der am Samstag (23.11.) seinen 90. Geburtstag feiert: Walter Stiene aus Wickede.

Es war kurz nach Eröffnung der Bundesgartenschau 1959, als dem damaligen Leiter des Hauptbüros für diese ganzjährige Veranstaltung im Westfalenpark, Erich Rüttel, auffiel, dass er ja niemanden für Finanzen und Personal hatte - ein Job, den Walter Stiene für ein halbes Jahr machen sollte.

Jetzt lesen

Wie oft im Leben kam es anders: Erich Rüttel wurde versetzt, Walter Stiene blieb - und zwar bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1992. Heute sagt er: „Ich hatte den schönsten Beruf der Welt.“

Dr. Kliemt kam jeden Tag

Natürlich erinnert er sich an eine Vielzahl von Begebenheiten in seiner Zeit im Park. Zum Beispiel daran, dass der frühere Oberstadtdirektor Dr. Walter Kliemt jeden Tag kam. Oder an den Obergärtner Konrad Glocker, mit dem er sich immer unglaublich gezofft habe. Oft sei es dabei nur um irgendeinen Strauch gegangen oder darum, wer zuerst mit dem Schreien angefangen habe. Seltsamerweise habe Glocker später nach seiner Pensionierung zu jedem Geburtstag oder zu Weihnachten angerufen.

Jetzt lesen

Die Jahre vergingen und für Stiene kamen immer weitere Aufgaben hinzu. Die Gärtner hätten damals durchaus Respekt vor ihm gehabt. Manchmal sei einer vorgelaufen, um die anderen zu warnen: „Der Stiene kommt.“ Andererseits seien sie zu ihm gekommen, wenn sie zum Beispiel Probleme mit dem Finanzamt hatten oder Ähnliches. Insgesamt habe es damals einen starken sozialen Zusammenhalt gegeben.

Bata Ilic konnte kein jugoslawisches Lied

Auch für die Organisation von Veranstaltungen war Walter Stiene zuständig. So gelang es ihm, WDR-Fernsehsendungen wie „Mittwochs in ...“ oder den „Kölner Treff“ in den Park zu holen. Um den Sänger Bata Illic zum jugoslawischen Weinfest zu bekommen, sei er extra nach Köln gefahren. Illic habe gesagt: „Ich kann aber kein einziges jugoslawisches Lied.“ Egal, am Ende kam er trotzdem.

Jetzt lesen

Ihm sei zugute gekommen, so Stiene weiter, dass er so gute Kontakte zu den städtischen Ämtern, zur Sparkasse oder zur Westfalenhalle gehabt habe. Das habe vieles vereinfacht, schließlich habe er lediglich 180.000 Mark jährlich für Veranstaltungen zur Verfügung gehabt. Und davon habe er auch etwas für den Fredenbaumpark abzweigen müssen.

Nach seiner Pensionierung blieb Walter Stiene als Mitglied und Vorsitzender des Freundeskreises Westfalenpark dem Park erhalten. Noch heute treffen sich etwa 14 ehemalige Vorstandsmitglieder des Freundeskreises einmal im Monat. Der Park selbst sei dabei aber als Thema tabu, schließlich wolle man sich nicht einmischen.

Ein Faible für den Geologischen Garten

Eines allerdings ärgert Stiene dann doch: dass der Geologische Garten, in dem die Erdgeschichte erklärt wird, in keiner aktuellen Broschüre auftaucht. Er sagt: „Danach würden sich viele Städte die Finger lecken. Aber er wird einfach totgeschwiegen.“

Sehr am Herzen liegt Stiene die Kunst im Park. Noch bis vor drei oder vier Jahren hat er die beliebten Rundgänge geleitet, auf denen er die vielen Kunstwerke im Park erklärt hat.

„Das ist nicht mein Sohn“

Und weil heute Walter Stienes Sohn Matthias als Gärtner im Westfalenpark arbeitet, hat er noch heute Beziehungen zu seinem früheren Arbeitsplatz. Als Matthias 1959 geboren worden sei und eine Schwester ihm das Baby gezeigt habe, habe er gesagt: „Das ist nicht mein Sohn. Ich weiß, wie meine Söhne aussehen, ich habe schon andere.“ Die Schwester musste klein beigeben und zugeben, dass sie die Säuglinge verwechselt hatte. Der, den sie gezeigt hatte, hieß Stiel. Und genau dieser Stiel ist heute ebenfalls Gärtner und betreut Walter Stienes Pflanzen im Winter.

Der Jubilar war begeisterter Tischtennis-Spieler und hat sich viele Jahre im TTC Wickede engagiert, dessen Ehrenvorsitzender er noch heute ist.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt