Die letzte Fleischerei in Mengede verabschiedet sich

rnEinkaufen in Mengede

Metzger Carl Beermann geht in den Ruhestand. Einen Nachfolger hatte er bereits eingearbeitet. Die Zukunft der letzten Fleischerei Mengede schien gesichert. Doch jetzt ist alles anders.

Mengede

, 25.11.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für die große Stammkundschaft der Fleischerei Beermann an der Siegburgstraße in Mengede ist es ein schwerer Schlag: Die Filiale des Waltroper Unternehmens wird geschlossen, zum 31. Dezember. Die gesamte Firma wird aufgelöst. 14 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz.

Die Neuigkeit hatte sich bereits herumgesprochen, dass der letzte Metzger im Ortsteil vor dem Ruhestand steht. Für Kunden, Mitarbeiter und Carl Beermann selbst ist das endgültige Aus jetzt trotzdem eine große und unangenehme Überraschung.

Unternehmen in dritter Generation

„Die Nachfolge war schon längst geregelt“, berichtet Carl Beermann (63). Der Fleischer, der das 1903 gegründete Unternehmen in dritter Generation geleitet hatte, geht seinem Ruhestand entgegen. Eine vierte Generation gibt es nicht.

Deshalb hatte Beermann rechtzeitig einen neuen Metzger gesucht und gefunden. „Ich hatte den Mann gerade eingearbeitet, da verschwand er, kam einfach nicht mehr“, berichtet Beermann enttäuscht.

Eine weitere Suche blieb erfolglos. „Es werden einfach kaum noch Metzger ausgebildet und selbstständig will im Handwerk eh keiner mehr werden“, so Beermann zu der Entscheidung zur Schließung. Die Gründe dafür kennt Carl Beermann.

Der Arbeitstag eines Metzgers

„Der Tag eines Metzgers beginnt um 5.30 Uhr mit der Produktion der frischen Ware, dann werden die Buffets für den Abend hergerichtet und schließlich aufgebaut. So ein Tag endet schon mal um 22 Uhr.“

Carl Beermann verabschiedet sich nur ungern aus Mengede: „Der Ortskern hat sich toll entwickelt in den vergangenen Jahren.“ Die Fleischwarenangebote im Rewe und Aldi hat er nie als Konkurrenz wahrgenommen. „Die ortskernnahen Supermärkte haben doch die Kunden erst angelockt“.

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Trotz des Lobes reagiert Bezirksbürgermeister Wilhelm Tölch mit Bedauern auf die Nachricht. „Ein Geschäft mit so einer Tradition ist auch immer ein sozialer Knotenpunkt, man kauft nicht nur ein, sondern tauscht auch Nachrichten aus.“

Ein einschneidendes Ereignis

Zwar ist die Versorgung der Mengeder gesichert, trotzdem sieht Tölch in der Schließung ein einschneidendes Ereignis. Der Niedergang des Handwerks begleite die Gesellschaft seit Jahren, sagt der Bezirksbürgermeister, „jetzt schließt der letzte Fleischer in Mengede.“

Gabi Honndorf-Steinke, die Sprecherin des Gewerbevereins, betont ebenfalls den Verlust für Mengede: „Beermann hat Qualität geliefert“. Doch sie ist auch pragmatisch und fordert, einen langen Leerstand zu vermeiden.

Ein kleines Geheimnis macht Carl Beermann aus seiner Zukunft: „Das wird kein Ruhestand, es gibt genug zu tun“. Was es ist, will er nicht verraten.

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