Mit der DASA lässt sich die Armut in vier Ländern selbst erforschen

Doppelklick ins Museum

Vier Museen, zwei Kontinente und eine Ausstellungsfläche, die eigentlich keine ist: Mit der Internetausstellung „Entdecke die Armut“ führt die Dortmunder Arbeitsschutzausstellung DASA ihre virtuellen Besucher in die eigene Region, aber auch in ein Land, das heute eher für Banken und Reichtum steht: nach Luxemburg.

DORTMUND

von Von Fritz Habekuß

, 19.10.2011, 18:58 Uhr / Lesedauer: 2 min

Um solchen Fragen auf den Grund zu gehen, haben sich vier Ausstellungshäuser zusammengetan: neben der DASA die Städtemuseen in Helsinki und Luxemburg sowie das Minnesota History Center. Das Ergebnis: eine interaktive Ausstellung in der Anmutung einer Pinnwand mit Fotos, nur zu besichtigen unter www.explore-poverty.org. „Alle Partner bringen unterschiedliche Blickwinkel auf das Phänomen Armut mit“, sagt Marcus Starzinger, der bei der DASA für die Kooperation verantwortlich ist. Marie-Paule Jungblut vom Stadtmuseum Luxemburg bestätigt: „Die Kooperation erlaubt uns, die Geschichte unserer Region in einen größeren Kontext zu stellen und so Gemeinsamkeiten und Unterschiede herauszuarbeiten“.

Etwas eigener Forschergeist ist dazu allerdings durchaus gefragt: Mit dem vielschichtigen Aufbau der Seite und der modernen Bildsprache richtet sich die Ausstellung vornehmlich an ein Publikum, das keine Scheu vor Computern hat – und kleine Holprigkeiten verzeiht. Denn noch führt der virtuelle Ausstellungsbesuch nach dem einen oder anderen Mausklick auch mal ins Leere. Ansonsten kann der Besucher Zeiträume, Themen und Bilder erforschen, die Aspekte von Armut darstellen. Ein Beispiel: die Wohnverhältnisse der Arbeiter im Ruhrgebiet um 1900, als Familien ihr Einkommen dadurch aufbesserten, dass sie stundenweise ihre Betten vermieteten. Oder der Tascheninhalt von Obdachlosen am Luxemburger Bahnhof heute. Denn auch in reichen Ländern, in denen man es im „Jahrhundert der Banken“ nicht erwartet, war und ist auch Armut allgegenwärtig. Und bevor Luxemburg mit der industriellen Revolution zu einem reichen Einwanderungsland wurde, verließen Zehntausende das Großherzogtum auf der Suche nach besseren Lebensverhältnissen.

Heute aber sind die Luxemburger die wohlhabendsten Bürger Europas, ihre Kaufkraft ist mehr als zweieinhalb Mal so groß wie im EU-Durchschnitt. Dementsprechend erscheint die dortige Armutsgrenze für eine allein stehende Person mit 1600 Euro netto hoch. Das Überraschende: Fast jeder siebte Luxemburger fällt unter diese Grenze, ist also armutsgefährdet. Das ist selbst bei vergleichsweise hohem Lebensstandard bedrückend: „Armut wird in der Gesellschaft als Makel wahrgenommen“, sagt Marie-Paule Jungblut, wenngleich sie heute in Industrieländern anders aussieht als die Bilder von Verelendung im neunzehnten Jahrhundert oder in Entwicklungsländern.

Mit den Bildern, die bereits jetzt an der Fotowand der virtuellen Ausstellung hängen, sind die Macher aber längst nicht zufrieden. Über Twitter oder Facebook soll das Projekt weiter wachsen. „Das Internet ist das beste Medium, wenn es darum geht, Material und Kommentare aus der Öffentlichkeit zu bekommen“, sagt Jari Harju vom Helsinki City Museum. „Museen sind viel mehr als Geschichte und Erbe. Museen sollten den Menschen helfen zu verstehen, wie das Leben normaler Menschen gewesen ist. Und Armut war ein Teil des alltäglichen Lebens.“ Und ist es immer noch – selbst in Luxemburg.

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