Mit der Kunst aus der Krise - Levent Kartal ist heute ein Künstler zwischen zwei Kulturen

rnKunst in Aplerbeck

Das Malen hat den türkischstämmigen Levent Kartal immer begleitet. Nach einem holprigen Start ins Berufsleben und einer Krise, fand er seine Erfüllung in der Kunst. Nun will er ausstellen.

von Nicola Schubert

Aplerbeck

, 25.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Für den gebürtigen Wanne-Eickeler Levent Kartal war das Herkunftsland seiner Eltern immer ein Thema. Die Eltern waren aus Amasra, einer türkischen Hafenstadt am Schwarzen Meer, nach Deutschland gekommen, um zu arbeiten. Zwischen zwei Kulturen aufgewachsen, hatte er Mühe, eine Identität zu finden.

In Deutschland ein Türke, in der Türkei ein Deutscher. So beschreibt Kartal sein Lebensgefühl. Zwischen Europa und Orient, so sagt er. Der muslimische Glaube seiner Familie sah sich Tradition und Moderne gegenüber. Kein einfacher Drahtseilakt.

Malen Anlass für Konflikte

Seine Vorliebe für das Malen war zum Beispiel konfliktbehaftet, denn eine Art der Auslegung des Islam ist das Verbot von figurenähnlichen Darstellungen. Aus Glaubensgründen, sicher, weil sie ihren Sohn schützen wollten, untersagten die Eltern also das Malen. Als „traumatisch“ beschreibt der Wahl-Aplerbecker Kartal das rückblickend.

Dieses Trauma hat er heute überwunden. Doch bis dahin war es ein langer Weg. Nach der Schule riet ihm das Arbeitsamt zu einer Ausbildung in der Altenpflege. Für den heute 36-Jährigen wurde schnell klar, dass er für diesen Beruf nicht geeignet ist. Schon die Berufsausbildung belastete ihn, noch mehr allerdings die Tätigkeit im Dreischichten-Dienst. Eine schwere persönliche Krise folgte.

Griff zum Pinsel in der Krise

Intuitiv griff er in dieser Zeit wieder zu Pinsel und Farbe: befreiend wirkte das auf Levent Kartal. Im Gegensatz zu früher ließ er seinen Ideen freien Lauf auf der Leinwand. Und mehr und mehr reifte die Erkenntnis: etwas mit Kunst und Psychologie muss es beruflich für ihn sein.

Eine Ausbildung in Kunsttherapie in Bochum bot sich an. Über die heilende Wirkung von Kunst, die er selbst erlebt hatte, wollte Kartal mehr wissen. Denn es ist genau dieser Ausdruck der inneren und äußeren Bilder, der eigenen Gefühle, der die Kunsttherapie ausmacht. Und über den auch er aus der Krise fand.

Arbeit im Seniorenzentrum

Mittlerweile arbeitet Levent Kartal im kreativ-therapeutischen Bereich in einem Dortmunder Seniorenzentrum. Durch die Kunst könne er nun auch zu seiner Bi-Nationalität stehen, sagt Kartal. Er sehe sie nicht mehr als Belastung, sondern als Bereicherung. Und will nun auch öffentlich damit umgehen.

Daher sucht der Aplerbecker nach Ausstellungsräumen. Im Internet gibt es eine Auswahl seiner Werke auf seiner Webseite zu sehen. Interessierte können mit ihm Kontakt aufnehmen unter www.lekatro.com

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