Mobilfunk-Strahlung soll neu berechnet werden

Immissions-Grenzwert

An 459 Standorten im Stadtgebiet senden 626 Mobilfunkanlagen. Neue Anlagen sollen in Dortmund einen Abstand von 100 Metern zu Kindergärten, Schulen oder Krankenhäusern einhalten. Doch mit dem Ausbau der Netze stößt diese Vorgabe an ihre Grenzen. Deshalb könnte die Mobilfunk-Strahlung künftig neu berechnet werden.

DORTMUND

, 03.11.2015, 02:44 Uhr / Lesedauer: 2 min
Mobilfunk-Strahlung soll neu berechnet werden

Eine Mobilfunkantenne auf dem Dach der Clarenberg-Siedlung.

Sie stehen auf Dächern, unter Kirchturmhauben und auf eigenen Mobilfunkmasten: An 459 Standorten im Stadtgebiet senden 626 Mobilfunkanlagen. Und es werden immer mehr. Nach dem 2003 eingeschlagenen „Dortmunder Weg“ sollen neue Anlagen einen Abstand von 100 Metern zu Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern und Altenheimen einhalten. Doch mit dem fortschreitenden Ausbau der Mobilfunknetze stößt dieser Weg an seine Grenzen.

Deshalb ist das Umweltamt dabei, „einen neuen Umgang mit dieser Thematik zu entwickeln“, so die Verwaltung in einem Sachstandsbericht für den Gesundheitsausschuss des Rates. Statt konservativ berechneter Prognosen der elektrischen Feldstärken könnten künftig beispielhafte Messungen, deren Werte in der Regel deutlich unter den prognostizierten liegen, der künftige Maßstab sein; denn Bäume oder Gebäude können die Strahlenbelastung dämpfen.

Belastung bis zu zwei Volt pro Meter

84 Mobilfunk-Standorte befinden sich ohnehin im Nahbereich von Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern und Altenheimen. Ein Großteil davon wurde vor dem „Dortmunder Weg“, der freiwilligen Vereinbarung mit den Mobilfunkbetreibern, errichtet. Doch auch bislang hatte die Stadt keine Bedenken, wenn in der Nähe sensibler Einrichtungen eine Strahlenbelastung von bis zu zwei Volt pro Meter prognostiziert wurde – ein Wert, der weit unter dem im Bundesimmissionsschutzgesetz genannten Grenzwert liegt.

Aber mit dem Ausbau der Mobilfunknetze um die Übertragungstechnik LTE, in der Regel an bestehenden Standorten, werden sich die Sendeleistung und damit die elektromagnetischen Felder verstärken. Die Grenzwerte nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz würden zwar auch dann sicher eingehalten, „jedoch ist punktuell damit zu rechnen, dass der bisherige Vorsorgewert von 2 V/m um bis zu 100 % überschritten wird“, stellt die Verwaltung fest. Wenn die ersten Beispielmessungen vorliegen, will das Umweltamt mit den Mobilfunkanbietern den weiteren Umgang mit dem Dortmunder Vorsorgewert diskutieren.

"Keine Langzeitstudien zu den Folgen"

Doch eine mögliche Aufweichung des Dortmunder Wegs ruft die Grünen im Rat auf den Plan. Die bisherigen Vorsorgewerte, besonders für Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser und Altenheime dürfe die Stadt nicht über Bord werfen, so Ratsmitglied Ulla Hawighorst. Denn noch immer gebe es keine belastbaren Langzeitstudien zu den gesundheitlichen Folgen von Mobilfunkstrahlung. Hawighorst: „Die Verwaltung soll deshalb beauftragt werden, die freiwillige Vereinbarung mit den Mobilfunkbetreibern weiter zu verfolgen.“

Außerdem wollen die Grünen, dass betroffene Anwohner über die Erweiterung und die Errichtung von Mobilfunkanlagen frühzeitig informiert werden.

Nach der Bundesimmissionsschutzverordnung betragen die Grenzwerte für die elektrische Feldstärke je nach Sendefrequenz (Mega- bis Gigahertz) zwischen 38 und 61 Volt pro Meter. Der mit dem „Dortmunder Weg“ vereinbarte Vorsorgewert von 2 Volt pro Meter wurde auf Grundlage einer Studie des „Ecolog-Institutes“ gewählt. Die Mobilfunkbetreiber sind nicht an die Anwendung des städtischen Vorsorgewerts gebunden, haben ihn bislang aber akzeptiert.

 

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