Das nächste Modegeschäft auf dem Westenhellweg schließt - die Kette gibt den Standort Dortmund damit komplett auf. © Dennis Werner
Einzelhandel

Modekette gibt Dortmund auf: Das nächste Geschäft am Westenhellweg schließt

Eine weitere Textilkette zieht die Konsequenz aus der anhaltenden Corona-Krise und gibt ihre Filiale in Dortmund auf. Das Modegeschäft am Westenhellweg ist bereits geschlossen.

Vor allem der Textilhandel in der Dortmunder City blutet weiter aus, je länger die Corona-Krise dauert. Nach dem Winter-Lockdown, der Lockerungs-Varianten des Shoppens mit Termin und des Shoppens mit Test und Termin, folgt jetzt erneut die Zwangsschließung für den Einzelhandel und das Ende jeglichen Click-and-Meets.

Eine Modekette, die schon im vergangenen Jahr mit Beginn der Pandemie in Schwierigkeiten geriet, zieht daraus jetzt die Konsequenz und verabschiedet sich aus Dortmund. Das Frauenmode-Geschäft Hallhuber am Westenhellweg ist geschlossen, das Unternehmen gibt den Standort komplett auf.

Damit gibt es Hallhuber in Dortmund gar nicht mehr. Bereits im vergangenen Jahr wurde die Filiale in der Thier-Galerie geschlossen. Zum 31. August wurde dort der Betrieb eingestellt. Hallhuber, so hieß es damals, werde sich „von einer niedrigen zweistelligen Zahl seiner Filialen trennen“, da man in der Corona-Krise unter erheblichen Umsatzrückgängen leide.

Hallhuber versucht Neustart – ohne Dortmund

Das 1977 gegründete Münchener Unternehmen hatte da bereits einen Insolvenzantrag gestellt und versuchte, sich in einem Schutzschirmverfahren zu retten. Mittlerweile ist die Modekette nach übereinstimmenden Medienberichten insolvent, hatte ihren Geschäftsbetrieb über den Winter eingefroren und versucht nun mit einer neu finanzierten Hallhuber Gesellschaft den Neustart.

Das Frauenmode-Geschäft Hallhuber am Westenhellweg ist geschlossen. Das Geschäft am Westenhellweg (gegenüber von Peek & Cloppenburg) hatte Hallhuber am 1. April 2015 eröffnet.
Das Frauenmode-Geschäft Hallhuber am Westenhellweg ist geschlossen. Das Geschäft am Westenhellweg (gegenüber von Peek & Cloppenburg) hatte Hallhuber am 1. April 2015 eröffnet. © Dennis Werner © Dennis Werner

Der findet jetzt ohne Dortmund statt. Die nächsten Filialen, so steht es auf einem Aushang an der Filiale am Westenhellweg, seien für die Dortmunder Kundinnen in Hagen und im Ruhr Park Bochum.

Das Geschäft am Westenhellweg (gegenüber von Peek & Cloppenburg) hatte Hallhuber am 1. April 2015 eröffnet. Die Anfrage unserer Redaktion, aus welchen Gründen nun dieser Standort aufgegeben wurde, beantwortete das Unternehmen bisher nicht.

Hallhuber verabschiedete sich Ende August aus der Thier-Galerie

Zum Aus in der Thier-Galerie hatte es Ende August 2020 geheißen, das Geschäft dort rentiere sich nicht. „Die Mietbelastung im Verhältnis zum Umsatz“, sei für Hallhuber nicht mehr tragbar, erklärte man damals.

Hallhuber reiht sich ein in eine lange Liste von Textilunternehmen, die während der Corona-Pandemie in der Dortmunder City verschwunden sind. Dazu gehören etwa das Modehaus Deters am Hansaplatz, Tom Tailor, die schwedische Marke Gina Tricot oder auch die Galeria Kaufhof mit ihrem Angebot an Textilwaren.

Vor dem Hintergrund des anhaltenden Corona-Sterbens in der Branche wehren sich mehrere große deutsche Textilhändler gegen die Pläne der Bundesregierung, im Infektionsschutzgesetz bei hohen Inzidenzzahlen einen härteren Lockdown für den Einzelhandel festzuschreiben.

Chef von Ernstings family: „Kommt einer Enteignung gleich“

„Der Politik fällt wieder einmal nichts anderes ein, als den Einzelhandel zu schließen. Das ist keine Strategie – das sind willkürliche Maßnahmen, die auf dem Rücken einzelner Branchen und der Mitarbeiter ausgetragen werden“, sagte der Chef des Modeunternehmens s.Oliver, Claus-Dietrich Lahrs, der Deutschen Presse-Agentur.

Der Chef der Textilkette Ernstings family, Timm Homann, sprach von einem „Totalversagen des politischen Krisenmanagements“. Für den Handel bedeuteten die Pläne der Bundesregierung eine weitere komplett verlorene Saison mit unverkaufter Ware und horrenden Kosten. Gleichzeitig gebe es keine seriösen Hilfestellungen. „Was hier passiert, kommt einer Enteignung gleich“, sagte Homann.

Der Chef des Textil-Discounters Kik, Patrick Zahn, sagte, er sei bereit, einen kurzfristigen harten Lockdown mitzutragen. „Aber so wie die Änderungen im Infektionsschutzgesetz nun angelegt sind, ist es keine wirkliche Perspektive aus dem Lockdown heraus.“ Schon wieder würden einige Branchen unverhältnismäßig hart getroffen, während weite Teile der Wirtschaft uneingeschränkt oder mit nur sehr geringen Einschränkungen weiterarbeiten könnten.

Mit Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa)

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Redaktion Dortmund
Nach mehreren Stationen in Redaktionen rund um Dortmund bin ich seit dem 1. Juni 2015 in der Stadtredaktion Dortmund tätig. Als gebürtigem Dortmunder liegt mir die Stadt am Herzen. Hier interessieren mich nicht nur der Fußball, sondern auch die Kultur und die Wirtschaft. Seit dem 1. April 2020 arbeite ich in der Stadtredaktion als Wirtschaftsredakteur. In meiner Freizeit treibe ich gern Sport: Laufen, Mountainbike-Fahren, Tischtennis, Badminton. Außerdem bin ich Jazz-Fan, höre aber gerne auch Rockmusik (Springsteen, Clapton, Santana etc.).
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Peter Wulle