Mord an Nicole Schalla: Hoffnung für den Angeklagten schwindet immer weiter

Schalla-Prozess:

An der Leiche von Schalla fanden sich Spuren von mehreren Männern. Der Verteidigung wird das jedoch wohl nichts nützen. Auch eine andere Taktik, Zweifel zu säen, wird wohl nicht aufgehen.

Dortmund

, 30.04.2019 / Lesedauer: 3 min
Mord an Nicole Schalla: Hoffnung für den Angeklagten schwindet immer weiter

Der Angeklagte zwischen seinen Verteidigern Christian Dreier und Gencer Demir. © Martin von Braunschweig

Im Prozess um den Mord an Nicole-Denise Schalla schwinden die Hoffnungen des Angeklagten, seine DNA-Spuren an der Leiche erklären zu können. Ermittler kommen als Verursacher kaum infrage.

Tatsache ist, dass neben den Spuren des Angeklagten auch zwei weitere männliche DNA-Spuren an der Leiche der im Oktober 1993 ermordeten Schülerin gefunden wurden. Schnell konnten als Verursacher ein Polizist aus Dortmund und ein Mitarbeiter des Landeskriminalamts NRW identifiziert werden. Doch damit waren der Angeklagte Ralf H. und seine Verteidiger Christian Dreier und Gencer Demir noch lange nicht zufrieden.

Polizist war am Tatort

Sie wollten wissen, wie die DNA der Ermittler an die Klebefolien von der Leiche der Schülerin gelangt sein könnte. Die Antwort der Polizei: Der fragliche Beamte sei seinerzeit bei der Tatort-Arbeit eingesetzt gewesen. Die Antwort des LKA: Sein Mitarbeiter habe später im Labor die Faseruntersuchungen geleitet und müsse bei seiner Arbeit am Mikroskop unabsichtlich die Folie verunreinigt haben.

Weil sowohl der Einsatz des Polizisten (1993) als auch der des LKA-Beamten (spätestens 1998) schon viele Jahre zurückliegen, kann aus Sicht der Richter wohl ausgeschlossen werden, dass die beiden Ermittler auch zufällig die DNA des Angeklagtan an die Folien gebracht haben. Ob die Verteidigung das genauso sieht, soll bis zum nächsten Verhandlungstag Mitte Mai feststehen.

Keine Kraft in beiden Daumen?

Auch ein zweiter Vorstoß des Angeklagten Ralf H. wird wohl kaum für eine zusätzliche zeitliche Verzögerung sorgen. Der 53-Jährige hatte über seine Verteidiger erklären lassen, er habe sich vor vielen Jahren an beiden Daumen operieren lassen müssen und habe seitdem so gut wie keine Kraft mehr in den beiden Fingern. Folglich könne er Nicole-Denise Schalla auch nicht auf dem Heimweg von hinten attackiert und erwürgt haben.

Die Richter haben zuletzt versucht, im Archiv des Rochus-Hospitals in Castrop-Rauxel Hinweise auf die angeblichen Operationen zu bekommen. "Die Frau am Telefon hat mir aber gesagt, dass sie unter dem Namen keinerlei Einträge mehr findet", teilte der Vorsitzende Richter Peter Windgätter am Dienstag mit. Auch eine Suche unter dem passenden Geburtsdatum habe keine passenden ärztlichen Unterlagen mehr zutage gefördert - und das, obwohl die meisten lange zurückliegenden Fälle eigentlich bereits digitalisiert worden seien. "Aber was nicht ist, ist nicht", kommentierte der Richter den Stand der Dinge.

Urteil Anfang Juni möglich

Bis zum nächsten Verhandlungstag muss aber noch darüber entschieden werden, ob der Angeklagte jetzt noch von einem medizinischen Sachverständigen untersucht wird. Lehnen die Richter diesen Antrag ab, könnte danach die Beweisaufnahme geschlossen werden. Mit den Plädoyers und dem Urteil gegen Ralf H. wäre dann Anfang Juni zu rechnen.

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