Mord an Nicole Schalla: Richter wollen Angeklagtem Blut abzapfen

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Im Schalla-Prozess entpuppt sich eine komplizierte Sachverständigen-Suche als Bremsklotz. Der Angeklagte beklagt vor Gericht erneut seine „unzumutbare Haftsituation“.

Dortmund, Castrop-Rauxel

, 18.06.2019, 17:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der Dortmunder Schülerin Nicole-Denise Schalla wollen die Richter den Angeklagten noch von einem Handchirurgen untersuchen lassen. Hintergrund ist eine von der Verteidigung vorgebrachte, bei Ralf H. angeblich nach zwei vor 40 Jahren erlittenenen Daumenbrüchen vorliegende, anatomische Unmöglichkeit, zu würgen. Doch die Suche nach einem geeigneten Mediziner erweist sich als kompliziert.

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Findet sich ein geeigneter Hand-Sachverständiger?

Nachdem zuletzt bereits mindestens ein Handchirurg eine Untersuchung des Angeklagten als mutmaßlich aussichtlos abgelehnt haben soll, weil nicht einmal mehr Röntgenbilder von damals vorliegen, brachte Verteidiger Christian Dreier am Dienstag als Gutachter einen Facharzt für Plastische, Handchirurgie und Ästhetische Chirurgie aus Hamburg ins Spiel.

Parallel dazu haben sich auch die Dortmunder Richter kundig gemacht und als möglichen Gutachter einen Unfallchirurgen aus Hagen ausfindig gemacht.

Bis zum nächsten Termin soll mit beiden potenziellen Sachverständigen Kontakt aufgenommen werden.

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„Wir wollen sehen, dass wir das so schnell wie möglich auf die Rolle kriegen, damit wir dann das Verfahren auch abschließen können“, so der Vorsitzende Richter Peter Windgätter. Als besondere Herausforderung für den noch zu findenden Gutachter dürfte sich herauskristallisieren, aus dem aktuellen Zustand der Hand von Ralf H. den Stand der Dinge zur Tatzeit im Herbst 1993 zu rekonstruieren – denn nur auf diesen Zeitpunkt kommt es wirklich an.

Beweissituation hat sich zugespitzt

Galt zu Prozessbeginn noch „nur“ eine Ralf H. zuzuordnende Hautschuppe am Körper der vor 25 Jahren ermordeten Schülerin als tragende Säule der Anklage, hatte sich die Beweissituation im Verlaufe des Verfahrens durch nachträgliche DNA-Untersuchungen erhärtet. Der 53-Jährige und seine Verteidiger hatten diese neuen, belastenden Beweisergebnisse jedoch vor allem mit Verunreinigungen der DNA-Spur erklärt und als unverwertbar eingestuft.

Ehe die Richter ein Urteil sprechen, wollen sie mit Blick auf die vorhandenen Spurenergebnisse von Ralf H. auch noch dessen Blutgruppe bestimmen lassen. Ob der von Prozessbeginn an vehement seine Unschuld beteuernde Angeklagte sich dafür freiwillig Blut abzapfen lässt, ließen er und seine Verteidiger offen. „Wir werden das erörtern“, hieß es.

Ralf H. ist massiv vorbestraft, hat mehrfach Frauen überfallen und fast all seinen Opfern bei den Taten den Mund zugedrückt und so die Luft abgeschnürt. Der 53-Jährige sitzt seit Monaten in U-Haft und beklagte am Dienstag erneut seine „unzumutbare Haftsituation“.

Nach vorläufiger Planung ist als letzter Verhandlungstag der 10. Juli vorgesehen.

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