Mordfall Kandaouroff: Spur führt nach Bochum und Dortmund

Neue Beweise

RECKLINGHAUSEN Neue Beweise im Mordfall des Dattelner Geschäftsmanns Kandaouroff, aber keine heiße Spur: Polizei und Staatsanwaltschaft präsentierten am Donnerstag in Recklinghausen unter anderem eine Sturmmaske mit DNA-Spuren, die einer der beiden Täter getragen haben soll. Identisches DNA-Material wurde am 7. Januar 2006 nach einem brutalen Raubüberfall in Bochum sichergestellt.

von Von Christoph Klemp

, 12.08.2010, 14:58 Uhr / Lesedauer: 3 min

Doch Staatsanwaltschaft und Mordkommission präsentierten mehrere Indizien, die auf die Mörder des Hoteliers hinweisen könnten. Eine Untersuchung  der am Tatort vorgefundenen Projektilteile ergab, dass es sich um ein zerlegtes Teilmantelgeschoss des Kalibers 357 Magnum oder 38 Spezial handelt. Als Tatwaffe kommt nach Auskunft der Ermittler ein Revolver der Marke Smith & Wesson bzw. Taurus und Sturm-Ruger in Betracht. Am Montag, 31. Mai, fand ein Zeuge nur etwa hundert Meter vom Tatort entfernt eine Sturmhaube mit Sehschlitzen. Durch kriminaltechnische Untersuchungen konnten DNA-Spuren des getöteten Klaus Kandaouroff sowie DNA-Material einer zweiten, zurzeit noch nicht identifizierten Person festgestellt werden. Deshalb geht die Polizei davon aus, dass Kandaouroff dem Täter die Maske vom Kopf gerissen und dieser ihn in Panik erschossen hat. Alles deute auf einen versuchten Raubmord hin, ermittelt werde aber weiter "in alle Richtungen", erklärte Achim Finkeldey, Leiter der sechzehnköpfigen Mordkommission.

Identisches DNA-Material wie auf der Maske wurde am Samstag, 7. Januar 2006, nach einem nächtlichen Raubüberfall in Bochum sichergestellt. Das ergab ein Abgleich der DNA-Spuren in der Datenbank des Bundeskriminalamtes. Damals gelangten zwei Täter in ein Einfamilienhaus einer alleinstehenden Seniorin. Die 71-jährige Frau war in der Nacht durch Geräusche in ihrer Wohnung geweckt worden. Als die Rentnerin nachschauen wollte, drängte einer der Männer sie brutal ins Schlafzimmer zurück, warf sie auf das Bett und fesselte sie. Die Täter schlugen mehrfach mit einem unbekanten Gegenstand auf den Hinterkopf der Frau ein. Sie sagte ihnen schließlich, wo sie Schmuck und Bargeld im Haus aufbewahrte. Die Beute hatte damals einen Wert von mehr als 100.000 Euro. Die Seniorin konnte sich schließlich selbst befreien und einen Nachbarn verständigen. Die Verletzungen am Kopf mussten im Krankenhaus behandelt werden. Die Bochumerin beschrieb die Täter damals wie folgt: männlich, ca. 170-180 cm groß, schwarz gekleidet, schwarze Maske, Handschuhe. Einer der Täter habe Deutsch mit russischem Akzent gesprochen.

Nach Bochum wurden die Ermittler im Mordfall Kandaouroff jetzt auch durch speziell ausgebildete Spürhunde ("Man-Trailer") geführt. "Wir haben am Tatort in Datteln einen Gegenstand gefunden, von dem wir sicher sind, dass einer der Täter ihn berührt hat", sagte Achim Finkeldey. Die Man-Trailer führten die Ermittler zunächst an den Fundort der Maske - dann über Olfen, Lüdinghausen und Dülmen bis zur A 43. Von dort führte die Spur weiter bis Bochum "ganz in die Nähe des Tatortes, an dem die alte Dame überfallen wurde", schilderte Finkeldey. Anschließend führt die Spur weiter bis nach Dortmund. Wo genau sie sich verliert, dazu wollten die Ermittler keine Angaben machen. Möglicherweise hätten die Täter aber ihren Lebensmittelpunkt in Dortmund und Bochum. Die Familie von Klaus Kandaouroff hat nun eine Belohnung in Höhe von 100 000 Euro für Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung oder Ermittlung des Täters führen. Kandaouroff gehörten ein Eier-, Wild- und Geflügelgroßhandel in Datteln sowie mehrere Gaststätten. Das Hotel Seehof in Haltern kaufte er 1997 und baute ihn zu einem Komfort-Hotel mit 116 Zimmern aus. Dieses Hotel leitete er mit einer Tochter, bis zuletzt war er täglich dort anzutreffen. "Klaus Kandaouroff war ein honoriger Geschäftsmann, der allerseits wegen seiner Seriosität geschätzt wurde", sagte Staatsanwalt Dieter Justinsky. Es gebe keinerlei Hinweise auf finanzielle Schwierigkeiten oder geschäftliche Hintergründe der Tat. Die Polizei fragt jetzt:

  • Wer kann Angaben zu Personen machen, die über die genannten Waffen, Revolver der Marken Smith & Wesson bzw. Taurus oder Sturm-Ruger verfügen, ohne dafür eine entsprechende Erlaubnis zu besitzen?
  • Wer kann Angaben zu entwendeten bzw. in Verlust geratene Waffen der genannten Marken machen?
  • Wer kann Angaben zu dem Wohnungseinbruch vom 6. Januar 2006 in Bochum auf der Schillerstraße machen?
  • Wer kann Angaben zu dem Diebesgut anlässlich des Wohnungseinbruchs vom 6. Januar 2006 in Bochum, Schillerstraße, machen?
  • Wem wurden nach dem 6. Januar 2006 größere Mengen Schmuck zum Kauf angeboten?
  • Wer kann Angaben zu der am 29. Mai benutzten Maskierung machen?

Die Ermittler haben für Hinweise eine kostenfreie Telefonnummer geschaltet, unter der Hinweise - auch vertraulich - gegeben werden können: 0800-2361-111.

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