Mordfall Schalla: Verteidiger glauben an Verunreinigung der DNA-Spur

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Im Prozess um den Mord an der Dortmunder Schülerin Nicole-Denise Schalla stehen jetzt die DNA-Fragen im Mittelpunkt. Eine gefundene Spur lässt sich dem Angeklagten zuordnen.

Dortmund, Castrop-Rauxel

, 14.09.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Prozess gegen den Castrop-Rauxeler Ralf H., den mutmaßlichen Mörder der Schülerin Nicole-Denise Schalla aus dem Jungferntal, nähert sich immer mehr den entscheidenden Fragen.

Weil die gesamte Verhandlung bekanntlich noch einmal komplett von vorne aufgerollt werden muss, wurde am Montag erneut ein DNA-Sachverständiger des Landeskriminalamts Düsseldorf vernommen.

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Sachverständiger vernommen

Der Experte hatte im Sommer 2018 einen Untersuchungsauftrag der Rechtsmedizin der Uni München erhalten. Er sollte eine Speichelprobe des Angeklagten analysieren und die Ergebnisse mit einer DNA-Sequenz vergleichen, die aus einer auf der Leiche gefundenen Hautschuppe gewonnen werden konnte.

Das Ergebnis war eindeutig. „Ich müsste theoretisch mehr als 30 Milliarden Menschen untersuchen, um eine Person zu finden, die dasselbe Muster aufweist und nicht Ralf H. ist“, sagte der Gutachter den Richtern. Weil es so viele Menschen bekanntlich gar nicht gibt, legte sich der Experte fest: „Diese Spur kann dem Beschuldigten zugeordnet werden.“

Spur stammt von Ralf H.

Dass die Spur von Ralf H. stammt, haben offensichtlich auch die beiden neuen Verteidiger Udo Vetter und André Bohn akzeptiert. Sie halten es jedoch für nicht ausgeschlossen, dass die DNA ihres Mandanten durch eine Verunreinigung im Labor oder bei der Polizei nachträglich auf die Klebefolien aufgebracht worden sind.

Eine solche Verunreinigung hatte es im Fall Schalla tatsächlich gegeben. Bei einer DNA-Untersuchung wurde männliches Genmaterial sichergestellt, das später einem Angestellten des LKA zugeordnet werden musste. Der Sachverständige schüttelte am Montag dennoch den Kopf. Einen Fall, bei dem Fremd-DNA von einem anderen Straftäter übertragen würde, könne er sich nicht vorstellen.

Wem gehört das Haar?

Zu der Frage, ob die Hautschuppe von Ralf H. möglicherweise auch auf andere Weise auf den nackten Körper der toten Schülerin gelangt sein könnte, wollen die Richter in den kommenden Verhandlungstagen weitere Experten hören. Tatsache ist, dass auf derselben Folie, auf der die Hautschuppe gesichert wurde, auch ein Haar gefunden wurde, das allerdings so gut wie nicht mehr für eine DNA-Analyse taugte.

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Das einzige Ergebnis, das die Fachleute am LKA der Spur entlocken konnten, war dieses: „Das Haar stammte von einer weiblichen Person“, sagte der Sachverständige am Montag. Ob es sich dabei um das Opfer selbst handele, könne er aber schon nicht mehr sagen.

Der Castrop-Rauxeler Ralf H. bestreitet seit seiner Festnahme, etwas mit dem Mord an Nicole-Denise Schalla im Oktober 1993 zu tun zu haben.

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