Mordserie in Dortmund - Vier Opfer und ein Täter?

Brutale Gewalttaten

Nach vier brutalen Gewalttaten in der Nordstadt und im Stadtteil Dorstfeld suchen Polizei und Staatsanwaltschaft nach Zusammenhängen. Die Ärzte in der Unfallklinik geben der früheren Lebensgefährtin des mutmaßlichen Täters keine Überlebens-Chance mehr.

DORTMUND

von Von Peter Bandermann

, 19.04.2013, 10:12 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Polizei hatte das Haus, in dem die beiden Leichen gefunden worden waren, komplett abgesperrt.

Die Polizei hatte das Haus, in dem die beiden Leichen gefunden worden waren, komplett abgesperrt.

Die Ermittler prüfen, ob ein bereits in Untersuchungshaft sitzender Mann der Mörder ist. Das LKA-Labor in Düsseldorf vergleicht am Tatort und bei den Opfern gefundene Spuren mit Fingerabdrücken und den Ergebnissen eines Speicheltests des mutmaßlichen Täters W. (52).Chronologie der Ereignisse

  • Am 12. April schlug W. vor dem Haus Arminiusstraße28 in Dorstfeld mit einem Schlosserhammer auf seine frühere Lebensgefährtin O. (48) ein. Sie liegt im Koma. Tagelang hatte er sie gesucht und Bekannte nach ihrem Aufenthaltsort befragt. Die Staatsanwaltschaft nennt Rache als Motiv. Ihr Zustand ist sehr kritisch - laut Staatsanwaltschaft hat das Opfer keine Überlebens-Chance mehr. Sie liegt im Koma und wird beatmet. 
  • Am 15. April entdeckte die Polizei nach Hinweisen auf Verwesungsgeruch in einer Wohnung im Hochhaus Heiligegartenstraße 27 die Leiche von B. (67). Sie starb an den Folgen sehr schwerer Schläge gegen den Kopf. Gerichtsmediziner schätzen, dass die Seniorin etwa 10 Tage zuvor ermordet worden ist.
  • Am 18. April öffneten Polizisten in einem Mehrfamilienhaus an der Mallinckrodtstraße 58 die Wohnung eines vermissten 54-Jährigen. Darin entdeckten sie die Leiche des Mieters G. und die Leiche eines noch unbekannten Mannes. Beide wurden vor etwa zwei Wochen brutal getötet.

Die "Handschrift" des Täters an den Leichen, die Beziehungen unter den aus einer Alkoholszene stammenden Opfern und der kurze zeitliche Abstand zwischen den Gewalttaten bilden den Rahmen, in dem sich die sich die Mordkommission jetzt bewegt. Der 52-jährige Verdächtige ist dabei keine Hilfe. Er schweigt.Weil die Ermittler über eine Vielzahl von Spuren verfügen und auch mindestens eine Tatwaffe haben untersuchen lassen, können durch die Laboranalysen wichtige Rückschlüsse gezogen werden. Zum Beispiel, ob der bei der Flucht in Dorstfeld von W. weggeworfene Schlosserhammer auch bei den anderen Taten verwendet worden ist.

Nach dem Mordversuch an seiner Ex-Geliebten in Dorstfeld konnten Polizisten den kräftigen Zwei-Meter-Mann festnehmen, so dass von ihm keine Gefahr mehr ausgeht. Nicht auszuschließen ist, dass es weitere Opfer gibt, von denen die Polizei nichts weiß. Denn W. suchte laut Staatsanwaltschaft akribisch nach Bekannten, die ihn darüber informieren sollten, wo sich seine Ex-Lebensgefährtin O. aufhält. Die Ermittler schließen nicht aus, dass der 52-Jährige seine Opfer tötete, weil sie ihm bei der Suche nach seiner Ex-Lebensgefährtin nicht helfen wollten.

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Zeugensuche nach Mord und Mordversuch

Ein 52-jähriger Mann soll in Dortmund versucht haben, seine Ex-Geliebte zu töten. Jetzt steht er auch unter Verdacht eine 67-jährige Seniorin ermordet zu haben. An den Tatorten in Dorstfeld und in der Nordstadt sucht die Mordkommission nach Zeugen.
17.04.2013
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Tatort Dorstfeld: Im Eingangsbereich des Hauses Arminiusstraße 28 hat der Täter am 12. April 2013 versucht, seine Ex-Geliebte zu töten. Das Opfer lag lange im Koma, jetzt ist die Frau gestorben.© Foto: Peter Bandermann
Tatort Dorstfeld: Im Eingangsbereich des Hauses Arminiusstraße 28 hat der Täter am 12. April 2013 versucht, seine Ex-Geliebte zu töten. Sophia B. wurde vorher mehrfach von ihm angegriffen.© Foto: Peter Bandermann
In der Nähe des Tatorts hatte der 52-Jährige gezielt nach seiner Ex-Geliebten gesucht.© Foto: Peter Bandermann
In der Nähe des Tatorts in Dorstfeld hatte der Mann den Schlosserhammer, mit dem er auf Sophia B. eingeschlagen hatte, weggeworfen. Polizisten entdeckten die Tatwaffe.© Foto: Peter Bandermann
Dieser Kiosk an der Arminiusstraße in Dorstfeld war Treffpunkt für den mutmaßlichen Täter, das Opfer und Zeugen. Die Polizei bittet um Hinweise unter Tel. 1 32 74 41.© Foto: Peter Bandermann
Die Mordkommission sucht in Dorstfeld weitere Zeugen, die Angaben über den 52-jährigen Zbigniew W. machen können. Möglicherweise hat er hier Angaben über die Tat in der Nordstadt gemacht.© Foto: Peter Bandermann
Der Eingangsbereich des Hochhauses.© Foto: Peter Bandermann
Zwar gibt es im Hochhaus-Eingang eine Videoanlage, aber die Bilder werden alle 72 Stunden gelöscht. Weil zwischen Tat und Entdeckung der Leiche gut zehn Tage liegen, sind Bilder vom Mörder im Filmspeicher bereits automatisch gelöscht worden.© Foto: Peter Bandermann
Das Hochhaus an der Heiligegartenstraße 27 in der Nordstadt.© Foto: Peter Bandermann
Entdecklt wurde die Leiche von Irene O. am 15. April - der Mord muss etwa zehn Tage vorher stattgefunden haben.© Foto: Peter Bandermann
Der Tatort Heiligegartenstraße 27 in der Nordstadt: Hier entdeckte die Polizei am 15. April die Leiche von Irene O. Jetzt will die Mordkommission wissen: Wer hat hier den mutmaßlichen Mörder gesehen.© Foto: Peter Bandermann
Gerichtsmediziner stellten bei einer Obduktion fest, dass die Schlag-Spuren im Schädel der Seniorin den Verletzungen von Sophia B. sehr ähnlich sind. Sophia B. überlebte den Mordversuch, schwebt aber in Lebensgefahr.© Foto: Peter Bandermann
Irene O. starb in ihrer Wohnung an den Folgen massiver Gewalt gegen den Kopf.© Foto: Peter Bandermann
Hier wohnte die 67-jährige Irene O. - Nachbarn alarmierten am 25. April 2013 die Polizei. Weil sie Leichengeruch wahrgenommen hatten.© Foto: Peter Bandermann
Das Hochhaus an der Heiligegartenstraße 27 gehört Dogewo21.© Foto: Peter Bandermann
Die Polizei sucht Zeugen, die den Mörder im oder am Hochhaus Heiligegartenstraße 27 in der Nordstadt gesehen haben.© Foto: Peter Bandermann
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Zwei Leichen in Nordstadt gefunden

In der Nordstadt hat die Polizei am Donnerstagnachmittag die Leichen zweier Männer gefunden. Der Tatort wurde abgesperrt, die Ermittler gehen von einem Gewaltverbrechen aus.
18.04.2013
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Am Donnerstagnachmittag hat die Polizei in einer Wohnung an der Mallinckrodtstraße zwei männliche Leichen gefunden.© Foto: Oliver Schaper
Die Polizei hatte das Haus, in dem die beiden Leichen gefunden worden waren, komplett abgesperrt.© Foto: Oliver Schaper
Die Leichen der beiden Männer wurden gegen 19.10 Uhr abtransportiert.© Foto: Felix Guth
Bei dem einen Mann handelt es sich um den 54-jährigen Wohnungsinhaber, das andere Opfer ist noch nicht identifiziert.© Foto: Oliver Schaper
Zwei Polizisten sicherten den Hauseingang zum Tatort.© Foto: Oliver Schaper
Der Verkehr auf der Mallinckrodtstraße konnte den Tatort aber passieren.© Foto: Oliver Schaper
Die beiden Leichen wurden in einer Wohnung in der vierten Etage gefunden.© Foto: Oliver Schaper
Schnell versammelten sich viele Schaulustige am Tatort.© Foto: Felix Guth
Der 54-Jährige war schon länger vermisst worden, deshalb öffneten Polizisten am Donnerstag seine Wohnung.© Foto: Oliver Schaper
Am Tatort entdeckten die Polizisten in der Wohnung viel Blut und die Opfer.© Foto: Oliver Schaper
Die Leichen der beiden Männer wurden gegen 19.10 Uhr abtransportiert.© Foto: Felix Guth
Unmittelbar neben dem Hauseingang zum Tatort liegt ein Grill.

Schaper© Foto: Oliver Schaper
Das Haus, in dem sich offenbar das tödliche Gewaltverbrechen abspielte, beschreibt unser Reporter als heruntergekommen.© Foto: Oliver Schaper
Der Bestatter fuhr am Haus vor, um die Leichen abzuholen.© Foto: Oliver Schaper
Der Bestatter fuhr am Haus vor, um die Leichen abzuholen.© Foto: Oliver Schaper
Vor dem Tatort bildete sich eine Traube Schaulustiger.© Foto: Oliver Schaper
In der Wohnung in der vierten Etage lief noch sieben Stunden nach dem Fund die Spurensicherung.© Foto: Oliver Schaper
Mord an zwei Männern in der Mallinckrodtstraße© Foto: Oliver Schaper
Die Ermittler gehen von einem Gewaltverbrechen aus. © Foto: Oliver Schaper
Einer der Toten war laut Polizei der Wohnungsmieter. © Foto: Oliver Schaper
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