Moria fängt vor der Haustür an - Gemeinde unterstützt Sea Watch 4

rnFlüchtlingsarbeit in Dortmund

Ein Tropfen auf den heißen Stein oder doch ein erster Schritt für die Flüchtlingshilfe? Eine Evangelische Gemeinde im Dortmunder Süden unterstützt die Arbeit der Sea-Watch 4.

Berghofen

, 17.09.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zurzeit ist Warten angesagt: die Sea Watch 4 liegt im Hafen von Palermo und wartet darauf, wieder auslaufen zu können. In Richtung afrikanische Küste, um Menschen in Seenot zu retten.

Die Sea Watch 4 ist ein ehemaliges Forschungsschiff, das das Bündnis United 4 Rescue mithilfe von Spenden erworben hat. Gegründet wurde das Bündnis auf Initiative des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Heinrich Bedford-Strohm.

Viele Organisationen und Einzelpersonen sind diesem Bündnis beigetreten. Auch die Evangelische Kirchengemeinde in Berghofen gehört dazu. Im Übrigen als erste in Dortmund.

Beim ersten Einsatz Menschen aus Seenot gerettet

Sofort in ihrem ersten Einsatz vor der lybischen Küste rettete das Schiff mehrere Hundert Menschen aus Seenot - und landete prompt in den Schlagzeilen, weil kein Hafen bereit war, das Schiff anlegen zu lassen.

In Berghofen beobachtet man das alles ganz genau. Hier, in der Evangelischen Gemeinde ist man sehr engagiert in der Flüchtlingsarbeit. Seit über fünf Jahren gibt es einen „Flüchtlings-Stammtisch“, der von Joachim Breithaupt geleitet wird.

Werben um Akzeptanz für Flüchtlinge

Es wird viel für die Akzeptanz von Flüchtlingen geworben in dem südlichen Ortsteil. Der Beitritt der Gemeinde zu dem Bündnis United 4 Rescue war da eine Selbstverständlichkeit.

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Aber was kann man tun, über tausend Kilometer von den Orten entfernt, an denen sich wahre Dramen abspielen? „Das Retten von Menschen aus Seenot ist das eine, aber wenn die Menschen dann alle in ein Lager wie Moria auf Lesbos kommen, damit kann unsere Hilfe ja nicht zu Ende sein“, sagt Joachim Breithaupt.

Nur positive Erfahrungen in der Arbeit gemacht

Insgesamt habe man in Berghofen, was die Arbeit mit geflüchteten Menschen angeht, nur positive Erfahrungen gemacht. Die Gemeinde bietet den Kindern Nachhilfe an, dazu kommen Sprachkurse für Erwachsene.

Aber, was kann man hier vor der Haustür noch tun? Die Stadt Dortmund habe sich ja zum sicheren Hafen für Flüchtlinge erklärt. Wenn man es böswillig auslegen wollte, wohl wissend, dass sie gar keine Handhabe hat, so Breithaupt. „Wohin auch mit den Menschen?“ Einrichtungen, wie die Frenzelschule stehen ja gar nicht mehr zur Verfügung.

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Wenn es so viele Kommunen seien, die etwas für Flüchtlinge tun wollten, könnte man sicher viel, viel mehr Druck auf die Bundespolitik machen. Auch die Kirche müsse sich an ihrem christlichen Auftrag messen lassen - und Flüchtlinge aufnehmen.

Mehr Druck durch größerer Organisationen

Aber das schaffe man nicht alleine. „Das Schiff ist für eine größere Gemeinschaft ein gutes Modell“, sagt Breithaupt. Man habe aber nicht den Eindruck, dass es politisch gewollt sei, mehr Flüchtlinge aufzunehmen. „Wir haben hier auch kein Patentrezept“, sagt Breithaupt. Man könne nur weiter Druck aufbauen, Akzeptanz schaffen und weiter die Sea Watch 4 unterstützen.

Damit solche Lager wie Moria und weitere auf den griechischen Inseln bald der Vergangenheit angehören. Der Flüchtlings-Stammtisch der Evangelischen Gemeinde ist öffentlich und findet in regelmäßigen Abständen statt.

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