Koks-Tütchen und Kondome auf dem Hof: Hausmeister einer Dortmunder Grundschule verzweifelt

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Jugendliche feiern jeden Abend auf dem Schulhof einer Dortmunder Grundschule. Ihren Müll macht ein anderer weg: der Hausmeister. Der Schulleiter fordert Hilfe von der Stadt.

Huckarde

, 19.12.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Von seinen Kollegen wird er bemitleidet: „Sicher haben andere auch mit viel Müll, Spritzen und Drogen-Tütchen zu tun“, sagt der Hausmeister. „Aber jeder, der mich hier mal vertreten hat, hat gesagt: ‚Deinen Job würde ich nicht machen wollen.‘“

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Täglich räumt Hausmeister Rainer Sieth bis zu zwei Stunden lang den Schulhof auf. Nach den Wochenenden sei es besonders schlimm: Koks-Tütchen, Kondome, Scherben und anderen Unrat muss Sieth bis Schulbeginn entfernen.

Eine Mülltonne an der Schule wurde angezündet.

Eine Mülltonne an der Schule wurde angezündet. © Schule

„Bis die Kinder kommen, muss hier alles sauber sein – sonst ist es zu gefährlich“, erklärt der Hausmeister der Urbanus-Grundschule in Huckarde. Der Grund für den Dreck auf dem Schulhof: abendliche Partys von Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Hausmeister stellt regelmäßig Strafanzeigen

Allein in den vergangenen zwei Monaten hat Rainer Sieth vier Strafanzeigen wegen Sachbeschädigung gestellt. Graffiti an den Außenwänden der Schule, beschädigte Toilettentüren, eine angekokelte Tür-Kamera und eine angezündete Mülltonne – die Gründe für die Anzeigen sind vielfältig.

„Nur den Dreck kann ich nicht anzeigen“, sagt Rainer Sieth, der seit mehr als zehn Jahren an der Urbanus-Grundschule arbeitet. Dabei hat er damit täglich zu kämpfen. „Den Mülleimer benutzt hier niemand.“

Jugendliche und junge Erwachsene hinterlassen ihren Müll.

Jugendliche und junge Erwachsene hinterlassen ihren Müll. © Carolin West

Er sei morgens nicht mehr überrascht über das, was er vorfinde. „Ich kann jetzt schon vorhersagen, dass hier am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien groß gefeiert wird“, sagt er. Und das bedeutet Arbeit.

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An manchen Tagen schaut Rainer Sieth abends auf dem Schulhof vorbei, allerdings ungern. Häufig seien ihm auf seine Verwarnung hin Schläge angedroht worden. Und auf dem Schulhof wartete am nächsten Morgen das gleiche Chaos wie immer.

Schulleiter Hubert Pauli fordert Hilfe von der Stadt

Das Problem der Urbanus-Grundschule: Der Verbindungsweg zwischen Roßbachstraße und Kerschensteinerstraße verläuft über ihren Schulhof. Dementsprechend schwierig sei es, die Schule und den Hof abzusichern.

„Ursprünglich sollte der Verbindungsweg im Zuge der Roßbach-Renaturierung hinter dem Edeka hergeführt werden“, sagt Schulleiter Hubert Pauli. Warum diese Pläne in den Hintergrund geraten seien, wisse er nicht. Eine Anfrage an die Emschergenossenschaft läuft.

Rainer Sieth, Hubert Pauli, Laura Stachowiak und Thomas Bernstein (v.l.) fordern Hilfe von der Stadt.

Rainer Sieth, Hubert Pauli, Laura Stachowiak und Thomas Bernstein (v.l.) fordern Hilfe von der Stadt. © Carolin West

Allerdings gibt es seit 2018 Pläne, wie die Schule dennoch abgesichert werden könnte: ein hoher Zaun direkt um das Schulgebäude. Die Bezirksvertretung habe den Zaun beschlossen und das Geld bereitgestellt, so Thomas Bernstein (CDU).

Passiert sei bislang dennoch nichts. „Und das marode Vordach der Schule steht auch nur unter ‚Bedarfsprüfung‘ obwohl dringender Handlungsbedarf bei einem Ortstermin im Dezember 2018 gesehen wurde“, ärgert sich der Bezirksvertreter. „Die Stadt muss jetzt etwas tun“, fordert Hubert Pauli.

Vordach ist mehr als 40 Jahre alt

Das Vordach der Schule sei mehr als 40 Jahre alt und wahrscheinlich seit Bau der ehemaligen Hauptschule Huckarde vorhanden, so Pauli. In den 1990er-Jahren sei dann die Urbanus-Grundschule in das Gebäude eingezogen.

Das Dach ist inzwischen vollkommen durchgerostet, seine Löcher werden teils als Drogen-Depot missbraucht. Es riecht nach Urin, weil sich die nächtlichen Party-Gänger in den Ecken erleichtern. „Die Probleme hier sind dringend“, sagt Hubert Pauli. „Es kann nicht sein, dass hier immer alles eingesaut ist – das ist eine Gefahr für die Kinder.“

Das Vordach der Urbanus-Grundschule ist vollkommen durchgerostet.

Das Vordach der Urbanus-Grundschule ist vollkommen durchgerostet. © Carolin West

Dabei soll der Schulhof eigentlich ein Spielgelände sein. „Es ist eigentlich traurig, dass man ein Schulgelände so einzäunen muss“, sagt Rainer Sieth und schüttelt den Kopf. Ihm graut es schon vor dem ersten Schultag nach den Weihnachtsferien.

Eine Anfrage an die Stadt Dortmund, wann der Zaun und das Vordach gebaut werden, läuft. Hubert Pauli, die stellvertretende Schulleiterin Laura Stachowiak und vor allem Hausmeister Rainer Sieth hoffen auf Hilfe.

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