Im Vergleich der 100 größten Städte Deutschlands gehört Dortmund bei den Müllgebühren zu den teuersten – sagt eine aktuelle Studie. Was die EDG erwidert und warum die Gebühren weiter steigen.

Dortmund

, 11.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Petra und Peter Müller leben mit ihren zwei Kindern Julius und Mia in Dortmund. Für ihren Restmüll haben sie eine normalgroße Mülltonne im Innenhof stehen. Die Tonne fasst 120 Liter. Alle 14 Tage holt die Müllabfuhr die Tonne ab. Dafür gehen die Männer selbst in den Innenhof. Die Müllers müssen die Tonnen also nicht selbst an die Straße stellen.

Für die Abholung bezahlen sie seit Anfang Jahr 2019 etwas über 228 Euro. Im vergangenen Jahr waren es noch etwa 8 Euro weniger. Die Müllers sind erfunden - die Gebührensteigerung nicht.

Doch nicht nur, dass die Gebühren steigen: Dortmund zählt beim Müll zu den teuersten Städten Deutschlands – zumindest wenn es nach einer Studie geht.

Dortmund landet im Müllgebühren-Ranking auf den unteren Plätzen

Mit einer erfundenen Musterfamilie, wie den Müllers in diesem Beispiel (2 Erwachsene, 2 Kinder) erstellte das Institut der deutschen Wirtschaft Köln ein Ranking der 100 größten Städte Deutschlands, gemessen an der Einwohnerzahl. Die vom Eigentümerverband Haus & Grund in Auftrag gegebene Studie soll vergleichbar machen, welche Stadt die teuerste ist, was den Müll angeht. Wer zahlt was? Wie hoch ist der Preis für die Tonne in den einzelnen Städten?

Für Dortmund ist das Ergebnis fast erschütternd: Beim „Müllgebühren-Ranking 2019“ landet die Stadt auf Platz 88. Damit schneidet Dortmund noch fünf Plätze schlechter ab als bei der Vorgänger-Studie aus dem Jahr 2016, wo es noch für Platz 83 reichte.

Die komplette Studie gibt es unter: tinyurl.com/muellgebuehren

Wie ist das Institut vorgegangen?

Das Institut setzte einige Annahmen voraus, um die Städte vergleichbar zu machen. So geht es von einem Musterhaushalt von vier Personen aus - zwei Erwachsene und zwei Kinder - um die Müllmengen zu berechnen.

Auch konnten die Forscher nicht einfach die bloßen Gebühren in den verschiedenen Städten nebeneinanderlegen, da mehrere Faktoren hineinspielen. Etwa: Wie oft werden die Tonnen abgeholt? Da nennt die Studie den Rhythmus.

Und: Müssen die Bewohner die Tonnen selbst bereitstellen oder werden sie vom Müllabfuhrpersonal vom dauerhaften Standort selbst geholt? Beispielsweise aus dem Keller oder dem Innenhof. Das nennt die Studie den Servicegrad.

Kompliziert: Hypothetische Werte und Index-Werte

Nicht alle verglichenen Städte haben die gleichen Angebote, was Rhythmen und Service angeht. In der einen Stadt gibt es einen Sieben-Tage-Abholrhytmus in der anderen werden die Tonnen alle 14 Tage geleert.

Deshalb müssen anhand angenäherter und hypothetischer Werte verschiedene Rankings erstellt werden, die hinterher einen Gesamtindex-Wert für die einzelnen Städte ergibt. Klingt kompliziert. Ist es auch. Doch erst so lassen sich laut Studie die Gebühren vergleichen.

Die Kritik von der EDG

Die Entsorgung Dortmund GmbH (EDG) widerspricht der Studie deutlich. „Die Methodik der Studie stellt sich für uns als ausgesprochen fragwürdig dar“, heißt es in der EDG-Erklärung zu der Studie.

Die EDG kritisiert: „Diese Behelfsrechnungen führen in der Summe nach unserer Auffassung in einigen Städten – auch in Dortmund – zu einem völlig verzerrten Bild.“ Denn: Viele angebotene Leistungen würden von der Studie nicht berücksichtigt. In Dortmund etwa die flexible Reaktion auf unterschiedliche Haushaltsgrößen durch verschiedene Tonnengrößen und Abholrhythmen. Oder verschiedene Dienstleistungen abseits der Tonnen – wie die Recyclinghöfe oder Depotcontainer.

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Warum die Gebühren steigen

Auch die EDG sammelt Statistiken und vergleicht sich mit anderen Städten. Auch sie versucht die Werte über standardisierte Gruppen zu sammeln, wie Pressesprecherin Petra Hartmann im Gespräch mit dieser Redaktion erklärt.

Einen Mittelwert errechnet die EDG dabei aber nicht, sondern hält die Zahlen für die einzelnen Tonnengrößen und Service-, bzw. Rhythmus-Varianten nach. „Das ist ein rein statistischer Vergleich“, sagt Hartmann.

Abstreiten kann sie jedoch nicht, dass die Müllgebühren in Dortmund steigen. „Unsere grundsätzliche Zielvorgabe ist es, eine Gebührenkontinuität zu erreichen“, sagt die EDG-Sprecherin. Dennoch stehe auch die EDG unter „Einflüssen, wie steigende Personalkosten und sich verändernde Tarife“, die eine „Bewegung“ der Gebühren bewirke. „Wir versuchen aber exorbitante Sprünge zu vermeiden“, sagt sie.

Größerer Sprung von 2018 zu 2019

Im Vergleich zum Jahr 2018 sind die Gebühren für die Dortmunder für eine 120-Liter-Restmülltonne, die 14-tägig abgeholt wird, zum Beispiel von 220,19 Euro auf 228,41 Euro gestiegen. Das bedeutet eine Steigerung von 3,37 Prozent. Das ist gemessen an den Vorjahren ein größerer Sprung. Seit 2010 korrigierten sich die Gebühren immer wieder mit kleinen Sprüngen nach oben.

Wie genau man die Studie von Haus & Grund nun auch nimmt: Mit der Tendenz der Vorjahre besteht eine Wahrscheinlichkeit, dass sich Petra und Peter Müller in Dortmund auch im nächsten Jahr wieder auf eine Steigerung der Müllgebühren einstellen müssen.

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