Mufflon Hermann: Niedersachsen statt Schleswig-Holstein

Wittbräucker Straße

Nein, besser geworden ist mit Mufflon Hermann nichts, findet Ilse Keinitz. Im Gegenteil, das Tier benehme sich immer wilder, habe inzwischen das komplette Gartenmobiliar geschrottet und ihr Ehemann, sagt Frau Keinitz, habe jetzt einen Baumstamm in den Garten gelegt, damit das Tier sich daran abarbeiten könne.

DORTMUND

, 08.05.2017, 02:55 Uhr / Lesedauer: 2 min
Mufflon Hermann: Niedersachsen statt Schleswig-Holstein

Da steht ein Mufflon im Garten: Hermann zieht noch im Mai um.

Seit fast einem Jahr hat sich das Wildschaf den Garten an der Wittbräucker Straße als Aufenthaltsort auserkoren. Was am Anfang nett war, wurde ein Problem. Tierschützer wollten helfen und das Tier einfangen und nach Schleswig-Holstein bringen, doch die Stadt legte ihr Veto ein. Erstens verletzt das „Einfangen und Versetzen von Wild“ das Jagdrecht und ist nach § 292 StGB eine Straftat. Zweitens wollte die Stadt einen Präzedenzfall vermeiden, denn wenn ein Wildschaf eingefangen werden kann, weil es in einem Garten nahe einer Autobahn lebt, müsste das dann auch nicht für Rehe gelten?

Hermann ist krank

Ende März dann fand sich doch ein Weg aus der Misere: Hermann ist krank, seine Klauen sind zu lang, sie müssen behandelt werden und damit ist das Jagdrecht außen vor. So hätten die Tierschützer dann doch an die Arbeit gehen können, haben es aber zum Leidwesen von Frau Keinitz bisher nicht getan.

„Es wird Zeit, dass das Tier wegkommt, das brennt uns unter den Nägeln“, sagt dann auch Heike Beckmann, die Vorsitzende der Tierschutzorganisation Arche90. Zunächst hätten notwendige Papiere gefehlt, dann gab es Probleme mit der avisierten Unterkunft in Schleswig-Holstein. Anders als zunächst angenommen wäre Hermann dort in eine Einzelhaltung gekommen, das wollte die Stadt nicht.

Eine andere Unterkunft in Niedersachsen sei dann auch schlecht gewesen, weil dort zwar eine Herde lebt, deren Oberhaupt aber seinerseits ein kräftiger Bock ist, der Hermann angehen würde. Jetzt aber habe man in Salzwedel einen Ort gefunden, an dem eine Herde Wildschafe aufgebaut werden soll – mit Hermann als Stammvater.

Weitere Absprachen sind nötig

Während die langfristige Zukunft also golden glänzt, stehen vor der kurzfristigen noch Probleme: Zwar hat die Arche90 einen Menschen bereit stehen, der ein Narkosegewehr benutzen darf, doch auch hier bedarf es noch weiterer Absprachen. Denn wenn ein Narkosepfeil Hermann trifft, kann er damit noch bis zu 350 Meter weit laufen. Also im Zweifel auch locker bis auf die A45. Hier müsse man noch mit der Autobahnpolizei sprechen, so Beckmann. Wahrscheinlich noch in diesem Monat soll Hermann dann auf die Reise gehen. Ilse Keinitz und ihrem Mann kann das nicht schnell genug gehen.

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