Mysteriöser Tod eines 26-jährigen Dortmunders: Jetzt spricht der Vater

rnPolizeiliche Ermittlungen

Es war eine dramatische Nacht – und es gab mehr als einen Rettungseinsatz im Fall des 26-jährigen Enes Ö.. Für seinen Vater und die Staatsanwaltschaft sind Fragen zur Todesursache offen.

Dortmund

, 23.10.2019, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Familie von Enes Ö. kann es noch nicht fassen. Der 26-Jährige Dortmunder, der in der Nacht zum 11. Oktober (Freitag) starb, ist inzwischen in der Türkei beigesetzt worden. Das sei sein Wunsch gewesen, berichtet der Vater.

Er möchte wissen, woran sein Sohn gestorben ist. Das möchten auch Polizei und Staatsanwaltschaft. Sie warten auf die Ergebnisse der Obduktion und einer zusätzlich in Auftrag gegebenen toxikologischen Untersuchung.

Es war in der Nacht zum 10. Oktober, als Enes Ö., der sich schon tagsüber mehrfach übergeben musste, über Atemnot, Schmerzen in der Brust und Schwindelanfälle klagte. Seine Mutter rief daraufhin laut Staatsanwaltschaft um 0.30 Uhr den Rettungsdienst. Laut Feuerwehrprotokoll trafen zwei Rettungssanitäter um 1.04 Uhr in der Siedlung in Eving ein.

Rettungssanitäter vermuteten grippalen Infekt

Doch die Rettungssanitäter konnten offenbar keine Ursache feststellen. Es könne sich um einen grippalen Infekt handeln, erklärten sie laut Familie. Sie hätten Enes Ö. geraten, am nächsten Morgen zum Arzt zu gehen. „Die Familie hat sich auf die verlassen“, sagt der Vater, „sonst hätten wir ihn auch selbst ins Krankenhaus gefahren.“

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Doch der Zustand seines Sohnes verschlimmerte sich. Er wurde bewusstlos. Wieder rief die Mutter laut Feuerwehr um 4.15 Uhr den Rettungsdienst. Dieses Mal kam auch ein Notarzt mit und leitete Wiederbelebungsversuche ein. Eine dreiviertel bis eine Stunde, schätzt der Vater, habe es gedauert, seinen Sohn zu stabilisieren, um ihn dann ins Klinikum-Nord zu fahren.

Kettenreaktion von Organversagen

Inzwischen hatte Enes Ö. Pusteln am Körper, seine Haut war dunkel geworden. Im Klinikum-Nord kämpften die Ärzte um sein Leben, doch eine Kettenreaktion von Organversagen führte schließlich zum Tod. „Er hatte keine Blutgerinnung mehr und ist an einer Blutvergiftung gestorben, haben die Ärzte uns gesagt“, berichtet der Vater. Doch was die Blutvergiftung ausgelöst hat, weiß man nicht. Noch nicht.

Bislang gibt es nur Spekulationen. Enes Ö. hatte bereits vor Längerem geäußert, dass er vergiftet werde. Er sei eine Frohnatur gewesen, erzählt sein Vater, habe aber unter Stimmungsschwankungen gelitten. Als gelernter Koch wollte Enes Ö. nicht mehr arbeiten und war auf der Suche nach einem neuen Job. „Das mit dem Vergiften hat er mal erwähnt, es kann aber sein, dass das etwas mit seiner Stresssituation zu tun hatte“, sagt der Vater.

Sein Sohn sei seit zweieinhalb Jahren regelmäßig ins Fitnessstudio gegangen, auch am Morgen des 9. Oktober, als es ihm plötzlich so schlecht ging. Aminosäuren zum Muskelaufbau habe er aber nie genommen und auch immer seinen jüngeren Bruder davor gewarnt. Der Vater: „Er hatte einen normal trainierten Körper.“

Schwankende Leberwerte

Möglicherweise sei sein Tod auf eine andere gesundheitliche Vorgeschichte zurückzuführen. Im April habe ein Arzt schwankende Leberwerte bei seinem Sohn festgestellt, so der Vater. Die seien aber medikamentös behandelt worden.

Dann wurde Enes Ö. vor knapp zwei Monaten im Johannes-Hospital an der zu engen Nasenscheidewand operiert. Der Vater: „Die OP war gut gelungen. Er musste anschließend mit Meersalz spülen. Das hat immer ein bisschen geblutet. Vielleicht hat er sich da einen Keim oder Infekt eingefangen.“

Die Ärzte im Klinikum-Nord hätten sich sehr bemüht, auch die Giftnotrufzentrale in Berlin kontaktiert, sagt der Vater. Unverständnis äußert er dagegen über die Rettungssanitäter des ersten Einsatzes in jener Nacht. „Wenn die ihn mitgenommen hätten... Doch so sind Stunden vergangen.“ Er ist dankbar, dass Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln. Mit der Obduktion werde auch überprüft, so Staatsanwalt Henner Kruse, „ob ein Fehlverhalten von Ärzten und Rettungssanitätern vorliegt, die den Verlauf der Krankheit beeinflusst haben.“

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